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Catracho Global

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Die Republik wurde im Zirkus gegründet – ein schlechtes Omen?

junio 29, 2026 por Catracho Global Deja un comentario

Die Abdankung des letzten  sächsischen Königs am 13. November 1918

von Matthias Donath 

Thronverzicht Friedrich Augusts III.  von Sachsen, 13. November 1918

(Aktualisierte Fassung des Beitrags  in: Iris Kretschmann/André Thieme  (Hrsg.): „Macht euern Dreck alleene!“ Der letzte sächsische König,  seine Schlösser und die Revolution  1918, Dresden 2018, S. 108-129.)

Es ist nur eine kurze Notiz, fünf lapidare Worte auf  einfachem Papier: „Ich verzichte auf den Thron.“  Mit dieser äußerst knappen Bemerkung, datiert  auf den 13. November und signiert von Friedrich  August III. (1867–1932), endete die Königsherrschaft in Sachsen. Der König selbst erkannte an,  dass die Monarchie zu Ende gegangen war, nach dem die Novemberrevolution innerhalb weniger  Tage die vermeintlich festgefügte Herrschaftsordnung umgestürzt hatte. Die Revolutionäre hatten  die Monarchie für beendet erklärt und am 10. November 1918 in Dresden, im Zirkus Sarrasani, die  „Republik Sachsen“ ausgerufen. Eine auf dem gleichen Papierbogen enthaltene Erklärung, die der  König von Minister Dr. Rudolf Heinze (1865– 1928), dem Vorsitzenden des Gesamtministeriums, gegenzeichnen ließ, trug dazu bei, dass sich der Machtwechsel ohne größeren Widerstand und  ohne Blutvergießen vollzog.

Sie hatte folgenden Wortlaut: „Ich entbinde Meine sämtlichen Beamte,  Offiziere, Geistliche und Lehrer von dem Mir geleistete Treueide und fordere sie auf im Interesse  des Vaterlands ihren Dienst weiter zu versehen.“  Indem der Monarch die Staatsbeamten und Offiziere aufforderte, der neuen Regierung den Dienst  nicht zu verweigern, machte er deutlich, dass gegen die Republik kein Widerstand zu leisten war.  Rudolf Heinze teilte den Inhalt der beiden Erklärungen – das Original blieb im Besitz des abgedankten Königs und später seiner Erben – umgehend seinem Kabinett mit, welches dem  Vereinigten revolutionären Arbeiter- und Soldatenrat in Dresden davon Mitteilung gab. Dieser  wiederum erstellte eine Pressemeldung, welche  die Zeitungen in Sonderblättern sofort veröffentlichten. Demnach hatte Dr. Walter Koch (1870– 1947), Minister des Innern, am 13. November  1918 um 19.30 Uhr dem Vereinigten revolutionären Arbeiter- und Soldatenrat folgende Mitteilung  zugestellt: „Auf die heute früh mündlich an Seine  Exzellenz den Herrn Finanzminister gerichtete  Anfrage teile ich mit, daß Seine Majestät der König  auf den Thron verzichtet hat. Gleichzeitig hat Seine Majestät alle Offiziere, Beamten, Geistliche und  Lehrer von dem ihm geleisteten Treueid entbunden und sie gebeten, im Interesse des Vaterlandes  auch unter den veränderten Verhältnissen ihren  Dienst weiter zu tun.“ Damit war der Umsturz unumkehrbar geworden: Die Königsherrschaft war  beendet, eine Fortführung in neuer Gestalt, etwa  mit einem anderen König, nicht zu erwarten. Wie  war es zu dieser Situation und zu dieser Entscheidung des Königs gekommen? 

Im Sommer 1918 ging der Weltkrieg ins fünfte Jahr.  Tausende Sachsen waren bereits gefallen oder verwundet worden, hinter den Soldaten an der Front  und ihren Angehörigen in der Heimat lagen entbehrungsreiche Jahre. Der Mangel an Lebensmitteln  bestimmte den Alltag. Die meisten hofften auf ein  Ende des Krieges durch einen Sieg der Mittelmächte. 1918 schien dieser Siegfrieden zum Greifen  nahe, nachdem in Russland die Bolschewisten die  Macht ergriffen, einen Waffenstillstand erbeten  und am 3. März 1918 den Friedensvertrag von Brest-Litowsk unterzeichnet hatten, der den Ersten  Weltkrieg im östlichen Europa beendete. 

Der sächsische Königshof vor 1918 

König Friedrich August III. von Sachsen war nominell Oberbefehlshaber der königlich-sächsischen  Armee und preußischer Generalfeldmarschall,  hatte aber zu Beginn des Krieges als einziger der  vier deutschen Könige darauf verzichtet, den  Oberbefehl über seine Armee auszuüben. Er blieb  in Sachsen und reiste nur zu gelegentlichen Front besuchen zu „seinen Sachsen“, die „im Felde“ standen. Sein Lebensalltag blieb weitgehend so, wie er  vor Beginn des Krieges gewesen war.4 

Wenn es ging, besuchte der König täglich die Heilige Messe. Sie wurde von einem seiner Hofprediger, Franz Müller (1876-1934) oder Heinrich Infalt, gehalten. Der König selbst war ein frommes und glaubensstrenges Glied der römisch-katholischen Kirche. Er hatte diese Prägung in seiner  Kindheit erfahren und gab sie an seine Kinder weiter. Der König war Souverän und Staatsoberhaupt,  aber führte nicht die Regierungsgeschäfte. Das war  Aufgabe des Gesamtministeriums, das sich aus den  vom König berufenen Ministern zusammensetzte.  Der König war laut Verfassung zwar der Vorsitzen de des Gesamtministeriums, aber in der Praxis  übertrug er diesen Vorsitz stets an einen Fachminister. Der Vorsitzende des Gesamtministeriums  war der Regierungschef. Einen Ministerpräsidenten gab es im Königreich Sachsen nicht. Die Minister hatten sich beim König regelmäßig zu Ministervorträgen einzufinden, wo sie die aktuelle Lage  vorstellten. Dadurch war der König über die  Grundzüge des Regierungshandelns informiert, in  das er aber nicht aktiv eingriff. Wenn das Gesamtministerium tagte, nahm der König mitunter an  der Sitzung teil. Grundsätzlich war der König das  Staatsoberhaupt, ja er verkörperte den Staat, aber  alle Aufgaben in Politik, Verwaltung und Armee  waren an Minister und Fachbehörden übertragen.  Dem König war allein die Aufgabe geblieben, sein  Königreich zu repräsentieren. Das tat er, indem er  andere Monarchen im In- und Ausland besuchte  oder den Städten und Gemeinden seines Königreichs Besuche abstattete.  

Von den Tagesgeschäften der Regierung befreit,  konnte der König so agieren, wie es traditionell von  einem Monarchen erwartet wurde. Er und seine Familie lebten in der abgeschotteten Welt des Königshofes. Da der König die Spitze der ständisch gegliederten Gesellschaft darstellte, hatte er sich im Leben  und Handeln von den niederen Ständen zu unter scheiden. Der Hof hatte dafür ein System von Regeln  geschaffen, die der Distinktion des Königs dienten.  Friedrich August III. hatte diese vormodernen Normen verinnerlicht und lebte sie. Dazu gehörte es, die  Speisen bei „Tafel“ einzunehmen, deren Ablauf  streng geregelt war und zu denen Angehörige des  Hofes, in diesem Fall die Pagen und Kammerherren,  „Tafeldienst“ leisteten. Regelmäßig traf der König  mit den Inhabern der Hofämter zusammen, die keine wirkliche Macht hatten, aber das jahrhundertealte  Zeremoniell aufrechterhielten. Der Hofstaat stand  unter der Leitung des Oberhofmarschalls Hilmar Freiherr von dem Bussche-Streithorst (1853–1918).  Nachdem dieser gestorben war, übernahm Hausmarschall Georg von Metzsch-Reichenbach (1864– 1931), der Neffe des Ministers des Königlichen  Hauses Georg Graf von Metzsch-Reichenbach  (1836–1927), am 6. November 1918 dieses Amt.  Ihm unterstanden Hofchargen wie der Oberhofjägermeister oder der Oberstallmeister. Zudem hatte  der König ständige Begleiter, die die Verbindung zur  sächsischen Armee sicherstellen sollten, die persönlichen Adjutanten. Diese Offiziere, meist aus altem  sächsischen Adel und im Generalsrang, gehörten  durch ihre ständige Anwesenheit praktisch zur erweiterten Familie des Königs. 

König Friedrich August III. und  Kronprinz Georg von Sachsen,  Postkarte, um 1914/15 

 Die Gegenzeichnung war erforderlich, damit die Verfügung gemäß § 43 der Verfassung vom 14. September 1831, die damals noch galt,  Rechtswirksamkeit erlangen konnte. 

Ein traditionelles Herrschaftssymbol des Königs  war die Jagd. Die Bejagung des Wilds in den Staats forsten demonstrierte die Ausübung der Macht  über Tiere und Menschen, hatte also eine staatsrechtliche Bedeutung. Darüber hinaus konnten die  Herrscher aber selbst eine Leidenschaft für die Jagd  entwickeln. So war Friedrich August III. genauso  wie sein Onkel Albert ein passionierter Jäger. Jagd  war seine größte Leidenschaft, ein Großteil seines  alltäglichen Handelns und Denkens war mit der  Jagd verbunden und auf sie ausgerichtet. Auch während des Krieges übte er fortwährend seine Jagdleidenschaft aus. Darüber hinaus war Friedrich August  auch ein leidenschaftlicher und erfahrener Reiter.  Wenn es möglich war, brach er zu Ausritten in die  Umgebung seiner Wohnsitze auf.  

Die Wohnorte des Königs wechselten, doch war es  eine begrenzte Anzahl an Orten. Bewohnt wurden  das Königliche Residenzschloss in Dresden, die  Königliche Villa in Dresden-Strehlen sowie die Königlichen Villen in Wachwitz und Hosterwitz bei  Dresden, die mehr privaten Charakter hatten. Bei  Jagden wurden auch das Jagdschloss Wermsdorf  und das Jagdschloss Rehefeld im Osterzgebirge  aufgesucht, seltener das Schloss Moritzburg. Regelmäßige Jagdaufenthalte führten den König nach  Sibyllenort in Schlesien. Schloss und Herrschaft  Sibyllenort nördlich von Breslau waren seinem  Onkel Albert durch die Erbschaft des kinderlosen  Herzogs Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg Oels (1806–1884) zugefallen. An dem Ort, an dem  sich der König aufhielt, wurde „das Hoflager auf geschlagen“, was bedeutete, dass der Sitz des Hofes dorthin verlegt wurde. Insofern waren Elemente der mittelalterlichen Reiseherrschaft, die von  einem ständigen Umherziehen des Landesfürsten  geprägt war, bis zum Ende der Monarchie erhalten  geblieben. Unterbrechungen in der Abfolge der  Hoflager brachten die Familienurlaube des Königs,  die auch während des Weltkriegs beibehalten worden waren. So hatte der allein erziehende Vater mit  seinen Töchtern den Urlaub vom 13. bis 26. August 1918 in Oberstdorf im Allgäu verbracht. 

Drohende Niederlage im Ersten Weltkrieg  und zaghafte Reformversuche 

Im Frühherbst des Jahres 1918 verschlechterte sich  die militärische Lage der Mittelmächte dramatisch.  Im September und Oktober 1918 erlitten die Verbündeten des Deutschen Reiches vernichtende Niederlagen. Nach einer Großoffensive an der mazedonischen Front, bei der die bulgarische Armee  vernichtend geschlagen worden war, ersuchte die  bulgarische Führung am 25. September 1918 die Al liierten um Einstellung der Kampfhandlungen und  kapitulierte schließlich. Zar Ferdinand I. (1861– 1948) aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha  dankte am 3. Oktober 1918 ab. Friedrich August III.  war der letzte Monarch, der ihn besucht hatte. Seine  letzte Auslandsreise als König hatte ihn vom 13. bis  19. September, also bereits während der französischen und serbischen Offensive gegen Bulgarien, in die bulgarische Hauptstadt Sofia geführt. Als der  Königliche Salonwagen am 20. September 1918 morgens um 7.00 Uhr auf dem Hauptbahnhof in Dresden  eintraf, ging es weiter wie zuvor: Tafel, Empfänge,  Ausritte, Ministervorträge – und die Jagd. Dass es in  Dresden am 14. September zu Hungerkrawallen gekommen war und sich eine große Menschenmenge  zu Protesten auf dem Schützenplatz eingefunden  hatte, mag der König vielleicht wahrgenommen haben, aber es spielte in seinem von Ritualen geprägten  Auftreten und Handeln keine Rolle.  

Am 21. September 1918 erlegte der König in der  Sächsischen Schweiz, im Revier am Zeughaus, zwei  Rothirsche, einen ungeraden 8-Ender und einen  12-Ender. Am 23. September schoss er im gleichen  Revier, nachdem er in Schandau im Königlichen Salonwagen übernachtet hatte, einen 16-Ender. Dann  setzte er die Jagd im Hinterhermsdorfer Revier fort,  wo er auf Abendpirsch ging. 

Am 22. September 1918 stießen auf dem Bahnhof  Dresden-Neustadt zwei Schnellzüge der Königlich  Sächsischen Staatseisenbahnen zusammen. 18 Menschen starben, weitere 118 wurden verletzt. Der König ließ sich am Morgen des 24. September darüber  von seinem Finanzminister Ernst von Seydewitz  (1852–1929) informieren, äußerte sich aber nicht  zum Eisenbahnunfall und eilte auch nicht zur Unglücksstelle. Stattdessen brach der König zur Pirsch  im Ottenhainer Revier auf. Nach der Übernachtung  in Wachwitz jagte er in der Dresdner Heide, im Langebrücker Revier, wo er einen 10-Ender erlegte. Am  26. September wurde die Jagd im Ullersdorfer Revier  fortgesetzt. Hier kam ein 16-Ender zur Strecke. Nach  der Übernachtung im Salonwagen in Schandau folgte  die Pirsch im Revier am Zeughaus. Die folgenden beiden Tage waren mit Pirschgängen in der Dresdner Heide gefüllt, ohne dass jedoch ein Hirsch erlegt  wurde. Zwei festliche Tafeln unterbrachen die Herbstjagd, die am 30. September und 1. Oktober im  Rehefelder Revier fortgesetzt wurde. Am Morgen des 2. Oktober folgte die Jagd im Naundorfer Revier, einem Teil des Tharandter Waldes. Von dort brach der König früh um 8:15 Uhr auf, um in Dresden der 

Sitzung des Gesamtministeriums beizuwohnen.  Das Kabinett diskutierte über die schon seit einiger Zeit im Raum stehenden Reformen. Bereits im Frühjahr 1918 hatte sich in der Zweiten Kammer des sächsischen Parlaments eine Mehrheit für ein neues Stimmrecht bei den Landtagswahlen gefunden. Mit 43 zu 17 Stimmen verlangten die Abgeordneten von der Regierung die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts und damit die Abschaffung des 1909 eingeführten Pluralwahl rechts. Friedrich Graf Vitzthum von Eckstädt (1863– 1944), Staatsminister des Innern und der Auswärtigen Angelegenheiten, zweifelte die Notwendigkeit von Reformen an und hatte den Antrag über Monate  unbearbeitet liegen gelassen. Die Sitzung am 2. Oktober brachte keine greifbaren Ergebnisse. Anders sah es in Berlin aus, wo am 3. Oktober Prinz Max von Ba den (1867–1929) zum Reichskanzler ernannt wurde  und durch Verfassungsreformen eine Demokratisierung einleitete. Diese „Oktoberreformen“ führten dazu, dass dann auch die sächsische Regierung zu  Reformschritten bereit war – indes zu spät, um die  Revolution zu verhindern. 

Der König brach nach der Sitzung des Gesamtministeriums und den Einzelvorträgen der Minister wieder  zur Jagd auf. Die Herbstjagd wurde im Naundorfer Re vier und dann in Spechtshausen im Tharandter Wald  fortgesetzt. Am 4. Oktober wechselte er zum Jagd schloss Rehefeld. Von dort aus unternahm er mehrere  Pirschgänge im Rehefelder und Nassauer Revier. Am  5. Oktober lag ein 10-Ender auf der Strecke. Am 7. Oktober musste Friedrich August die Jagd unterbrechen. In Wachwitz empfing er Dr. Heinrich Gustav Beck (1854–1933), den Kultusminister und Vorsitzenden des Gesamtministeriums, sowie den Innenminister Graf Vitzthum von Eckstädt. Nach den Vorträgen der Minister ging die Jagd am 8. Oktober weiter. Nach ei ner Pirsch im Tharandter Wald folgte abends eine Jagd in der Dresdner Heide im Langebrücker Revier, wo der König einen 12-Ender erlegte. 

Erst nach dem Ende der Jagdsaison wandte sich der König intensiver den drängenden politischen Fragen  zu. Er und Kronprinz Georg (1893–1943), der im September nach Dresden zurückbeordert worden war9, nahmen am 9. Oktober an der Sitzung des Ge samtministeriums teil, am 14. Oktober empfing der König die Minister zu Einzelvorträgen und am 17. Oktober musste er zur erneut einberufenen Sitzung des Gesamtministeriums nach Dresden reisen. Das unterbrach allerdings die große Gesellschaftsjagd, die der König in Rehefeld veranstaltete und zu der er zahlreiche Jagdgäste eingeladen hatte. Friedrich August erlegte einen kapitalen Rothirsch mit zwölf En den, weitere sieben Stück Rotwild, einen Rehbock, einen Fuchs und einen Hasen. Wegen des schlechten Wetters musste die Jagd am 18. Oktober im Nassauer  Revier abgesagt werden. 

Während sich die militärische Lage der Mittelmächte weiter zuspitzte, veränderte sich auch die politische Situation in Sachsen. Nachdem Sozialdemokraten und  Nationalliberale bereits im Mai für die Einführung des  allgemeinen und gleichen Wahlrechts (noch war nur an Männer gedacht) gestimmt hatten, schlossen sich am 21. Oktober auch die Konservativen dieser Forderung an. Damit hatte die Regierung jeglichen parlamentarischen Rückhalt verloren. Die SPD forderte den Rücktritt der Minister, um Reformen möglich zu machen. Das Gesamtministerium diskutierte am 23. Oktober im Beisein des Königs die neue Lage. Schließlich erklärten Kultusminister Dr. Beck und Finanzminister von Seydewitz, ihre Ämter freiwillig niederlegen zu wollen, was diese am 24. und 25. Oktober vollzogen. In Anerkennung seiner Verdienste als Regierungschef wurde Dr. Beck in den erblichen Adels stand erhoben. Es war die letzte Nobilitierung, die Friedrich August III. von Sachsen vornahm. Innen und Außenminister Graf Vitzthum von Eckstädt weigerte sich, zurückzutreten. Weil die Reformkräfte aber jegliche Zusammenarbeit mit ihm verweigerten und so eine Entlassung unvermeidlich erschien, traf der König am 26. Oktober eine Entscheidung – nach dem er in Moritzburg einen Dammhirsch erlegt hatte.  Er bestellte Graf Vitzthum von Eckstädt und den Justizminister Dr. Rudolf Heinze (1865-1928), der erst  am 13. Juni 1918 sein Amt angetreten hatte, zu sich  ein. Vitzthum wurde entlassen und Heinze zum Vor sitzenden des Gesamtministeriums berufen. Der nationalliberale Dr. Heinze, der wegen seines Eintretens  für die Beendigung des Krieges in der Bevölkerung einen guten Ruf besaß, berief ein neues Kabinett.  Kriegsminister Victor von Wilsdorf (1857–1920), der  ohnehin der Armeeführung unterstellt war, blieb im  Amt, Dr. Walter Koch (1870–1947) wurde Innenminister, Dr. Max Otto Schröder (1858–1926) Finanzminister und Alfred von Nostitz-Wallwitz (1870– 1953) Kultusminister. Die neuen Fachminister  wurden am 28. Oktober 1918 vom König verpflichtet.  Um der liberalen und sozialdemokratischen Opposition entgegenzukommen, erweiterte Heinze das Kabinett um vier Minister ohne Geschäftsbereich. So traten die beiden Sozialdemokraten Julius Fräßdorf  (1857-1932) und Max Heldt (1872–1933), später  sächsischer Ministerpräsident, in die Regierung ein.  Die neuen Minister Oscar Günther (1861–1945) und  Emil Nitzschke (1870–1921) gehörten dem linksliberalen Lager an. Damit hatte das Königreich Sachsen  erstmals eine Regierung erhalten, in der die adligen  Minister nicht mehr die Mehrheit stellten und die von  liberalen und nicht von konservativen Kräften geprägt  war. Erstmals waren Sozialdemokraten an der Regierung beteiligt. Dr. Heinze kündigte in seiner Regierungserklärung am 5. November die Einführung des  allgemeinen und gleichen Wahlrechts bei den Landtagswahlen, die Umformung der Ersten Kammer des  Landtags in ein berufsständisches Parlament und Re formen in Schule und Verwaltung an.10 Aber dieses  zaghafte und zu späte Entgegenkommen konnte den  Umsturz nicht mehr aufhalten. Die Führung der SPD  wollte Reformen, aber keine Revolution, doch hatte  sie im Herbst 1918 nur noch einen Teil der Arbeiterschaft hinter sich. Viele Unzufriedene hatten sich in  der 1917 gegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) gesammelt, die eine linksradikale Ausrichtung hatte und den Sturz des Kaisers und  der Monarchen forderte. Das sprachen die USPD-Führer ganz offen aus. Bei der Landtagssitzung am 5. November gaben sie zu Protokoll, eine echte Demokratisierung vertrage sich nicht mit der Monarchie. Diese  werde über kurz oder lang verschwinden. Am 28. Oktober 1918 streckte der König in Moritzburg einen Dammschaufler. Am nächsten Vor mittag ging er dort nochmals auf die Pirsch, reiste  aber dann nach Wachwitz, wo, wie in jedem  Herbst, die Fasanenjagd anstand. Friedrich Augusts Jagdstrecke umfasste vier Fasanen, drei Hasen und zwei Kaninchen. Die herbstliche Jagd auf  Fasane wurde am 30. Oktober in Jahnishausen bei  Riesa, einem Rittergut im Privatbesitz des Königs,  fortgesetzt. Auf Jahnishauser Flur schoss der Monarch 48 Fasane. 

Unterdessen hatte sich die politische und militärische Lage zugespitzt. Österreich-Ungarn stand vor  dem Auseinanderbrechen. Kaiser Karl I. (1887– 1922) hatte mit seinem Manifest vom 16. Oktober  1918 wenigstens die österreichische Reichshälfte  zu retten versucht, indem er die Umwandlung in einen Bundesstaat mit weitgehender Autonomie für  die einzelnen Nationen versprach. Doch die Lage  war nicht mehr zu beherrschen. Am 24. Oktober er öffneten italienische Truppen an der Alpenfront  eine Großoffensive, bei der sie die Stellungen der  k. u. k-Armee überrannten. Diese verweigerte den Befehl zum Gegenangriff und löste sich innerhalb weniger Tage faktisch auf. Am 28.  Oktober riefen Vertreter tschechischer Parteien in Prag die Tschechoslowakische Republik aus, am 29. Oktober folgte die Ausrufung des Staates der Serben, Kroaten und Slowenen. Das Königreich Ungarn beendete zum 31. Oktober die Union mit Österreich und rief seine Truppen aus Italien zurück. So musste das zerfallen de Habsburgerreich am 3. November einen Waffen stillstand unterzeichnen. Dem Deutschen Reich drohte nach der Niederlage der Verbündeten – auch  das Osmanische Reich hatte kapituliert – ebenfalls der Zusammenbruch. Die Oberste Heeresleitung war bereits im August 1918 zur Erkenntnis gelangt, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Am 2. September zogen sich die Deutschen auf die sogenannte Siegfriedstellung zurück. Diese Frontlinie konnte trotz des Kriegseintritts der USA und neuer amerikanischer Offensiven bis zum Kriegsende weitgehend gehalten werden. Doch waren die deutschen Soldaten aufgrund der hohen Verluste und dem Mangel an Nahrungsmitteln kaum noch motiviert. Reserven waren nicht vorhanden, während die Alliierten ihre materielle und personelle Überlegenheit ausspielen konnten. Die aussichtslose Lage hatte dazu geführt, dass Erich Ludendorff (1865– 1937), Chef der Obersten Heeresleitung, entmachtet und schließlich entlassen worden war und Reichskanzler Georg Graf von Hertling (1843– 1919), der demokratische Reformen ablehnte, zurücktrat. Der neue Reichskanzler Prinz Max von Ba den versuchte, den Alliierten und der unzufriedenen Bevölkerung durch einen Wandel des Regierungssystems entgegenzukommen. Durch Verfassungsre formen, die am 28. Oktober in Kraft traten, erreichte  er eine Demokratisierung des Deutschen Reichs und  eine Stärkung des Parlaments.  

Prinzessin Margarete von Sachsen  (rechts) und ihre Schwestern auf  einer Postkarte, um 1918 

Diese Reformen machten sich aber weder bei den  Soldaten noch bei der einfachen Bevölkerung be merkbar, die unter dem Mangel an Nahrungsmitteln litt und kriegsmüde war. Der Zusammenbruch  der alten Herrschaftsordnung begann Ende Oktober 1918 mit den ersten Befehlsverweigerungen  deutscher Soldaten. Am 27.  Oktober weigerten  sich deutsche Matrosen, mit ihrem Schlachtschiff  einen Angriff zu unternehmen. Nach der Rück kehr der Flottengeschwader in ihre Heimathäfen  brach am 1. November der Kieler Matrosenaufstand aus, der in die Novemberrevolution mündete. Innerhalb weniger Tage erreichte sie die größeren Städte im Deutschen Reich.  

Im sächsischen Königshaus war man sich bereits  vor Ausbruch der Revolution bewusst, dass  Deutschland und Sachsen auf eine Niederlage und  gesellschaftliche Umbrüche zusteuerten. Prinzessin  Margarete notierte am 25. Oktober in ihr Tagebuch:  „Papa ist in tiefen politischen Sorgen. […] Der politische Himmel ist düster. […] Dunkel ist es rings umher, und man meint, es hätte sich alles Elend gestaut, um wie ein Wasserfall über uns hereinzubrechen. In Sachsen haben wir einen tiefen Schritt zur Parlamentarisierung und zur Trennung  von Kirche und Staat getan. Immer stärker brüllt  man im Reichstag von der Abdankung des Kaisers.  Zentrum und Nationalliberale sind still und lassen  die ungleiche Debatte zwischen Konservativen und  all den neuen Schattierungen von Sozis laufen.“ Ihr  Bruder, Kronprinz Georg, sehe „einer schwarzen  Zukunft entgegen. Er sieht uns bald in der Schweiz.“  Er erwarte die Abdankung des Kaisers.  

Revolution in Sachsen 

Die Revolution erreichte Sachsen am 6. November – nur einen Tag, nachdem die neugebildete Regierung, der auch zwei sozialdemokratische Minister angehörten, auf der 71. Sitzung des Zweiten Kammer des sächsischen Landtags der Volksvertretung vorgestellt worden war. In der Fliegerkaserne in Großenhain wählten rund 3.000 Soldaten den ersten Soldatenrat in Sachsen. Weitere Soldatenräte an anderen Standorten der sächsischen Armee folgten. Das be deutete, dass die Soldaten die Befehlsgewalt der Offiziere nicht mehr anerkannten. Wie in Königsbrück mussten die Offiziere sogar ausdrücklich anerkennen, dass die vollständige Kommandogewalt an den Soldatenrat übergegangen war. Damit war es unmöglich geworden, Militäreinheiten zur Niederschlagung  der Revolution einzusetzen. Meuternde Soldaten zogen in die Städte, wo sich unzufriedene Menschen, überwiegend Arbeiter, den Aufständischen an schlossen. In den Abendstunden des 7. November fanden sich in Dresden erstmals größere Menschen mengen zusammen, die ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck brachten. Prinzessin Margarete notierte: „Auf der Pragerstraße war man erregt. Gruppen von politisierenden Männern standen herum. […] Die Stimmung ist schlecht.“ Am 8. November kam es in Leipzig, Chemnitz und Dresden zu Massenunruhen, Demonstrationen und Plünderungen. Am Abend des  8. November hatte der Arbeiter- und Soldatenrat in Leipzig die Kontrolle über die Armee und die Polizei.  Auch in Dresden bildeten die revolutionären Kräfte einen provisorischen Arbeiter- und Soldatenrat. Das sächsische Innenministerium berichtete am 9. November: „Gesternabend in Dresden Unruhen von Massen meuternder Soldaten. Hauptwache, Generalkommando, Schützenkaserne, Hauptbahnhof be setzt. Menge setzte Entlassung der wegen leichter Straftaten Verhafteter durch. Ein Waffenladen wurde geplündert. Im Hotel Deutscher Hof Türen eingeschlagen, um nach Offizieren zu suchen, denen Achselstücke abgerissen und Waffen abgenommen wurden. Unruhen dauerten bis 4 Uhr früh. Heute Gruppen meuternder Soldaten an den Haltestellen der Straßenbahn, um Offiziere herauszuholen und zu entwaffnen.“ Die sozialdemokratische „Dresdner Volkszeitung“ berichtete: „Am 8. November wälzte sich die revolutionäre Welle auch über Dresden. In den Abendstunden war auf dem Altmarkt eine große Menschenmenge versammelt, auch viele Soldaten. Um 8 Uhr formierten sich nach Aufforderung einige Trupps Soldaten und zogen an der Spitze  einer großen Menge durch die Schloßstraße nach der Brücke, Arbeiter und Soldaten auffordernd, Waffen und Kokarden abzugeben. Auf der Neustädter Seite wurde die Wache aufgefordert, sich zu ergeben.  Als dies nicht gleich geschah, wurden die Gitter überstiegen, worauf kein Widerstand mehr erfolgte. Die Wachmannschaft trat an die Spitze der Demonstranten, und die Menge zog zum Festungsgefängnis, öffneten die Tore, befreiten die Gefangenen (keine Schwerverbrecher). […] Die gewaltige Menschen menge zog nach der Kommandantur in der großen Klostergasse, wo die Abordnung ohne weiteres Ein laß fand. Dort wurde nach längerem Verhandeln der provisorische Arbeiter- und Soldatenrat gebildet und eine Erklärung beschlossen.“ 

Bis zum 8. November hatten der König und seine engste Umgebung gehofft, der Revolution entgehen  zu können. Bis dahin hatte der Hof an den vertrauten Ritualen festgehalten und der Tagesablauf des Königs war unverändert geblieben. Noch am 5. November war der Monarch zur Fasanenjagd nach Jahnishausen gereist. Friedrich August unternahm Ausritte und Ausfahrten mit Prinzessin Margarete, tafelte und trank Kaffee im Bärengarten des Dresdner Residenzschlosses, denn der Hof war am 5. November offiziell nach Dresden verlegt worden. Prinzessin Margarete besuchte am 7. November abends das Theater, während der König mit seinem Generaladjutanten Generalmajor Georg Freiherr O’Byrn (1864–1942) und seinem Oberstallmeister Georg Martin von Römer Skat spielte. Am 8. November traf nachmittags die Nachricht von der Ausrufung der Republik in München ein, und zugleich wurde deutlich, dass auch in Dresden die Revolution nicht mehr aufzuhalten war. In den Straßen sammelten sich Menschen, und es wurde bekannt, dass die Menge auf den Theaterplatz und damit vor das Schloss ziehen wolle. „Ausbruch der Revolution“, vermerkte das Tagebuch des Diensttuenden Generaladjutanten des Königs. 

Friedrich August III. rief um 17:00 Uhr im Dresdner Residenzschloss eine Krisensitzung ein. Laut  dem Tagebuch des Generaladjutanten waren zu nächst Justizminister und Regierungschef Dr.  Heinze, Kriegsminister von Wilsdorf, Innenminis ter Dr. Koch und der Minister des Königlichen  Hauses, Graf von Metzsch-Reichenbach, beim König. Dann wurde die Runde um Generaladjutant  O’Byrn, Oberhofmarschall Georg von Metzsch-Reichenbach und Oberstallmeister von Römer erweitert. Walter Fellmann behauptet, es seien das gesamte Kabinett, der Stadtkommandant von Dresden  und der kommandierende General des XII. Armeekorps zugegen gewesen, was sich jedoch anhand des  Tagebuchs des Generaladjutanten nicht bestätigen  lässt.17 Auch Kronprinz Georg war offenbar nicht  anwesend. Die Beratung ergab, dass die Kommandeure keine Befehlsgewalt mehr über die Armee  hatten. Den Vorschlag, die Revolution mit königstreuen Truppenteilen niederzuschlagen, wies der  König zurück. Er untersagte es, gegen die Revolutionäre Waffengewalt anzuwenden. Dies ist durch  mehrere Berichte belegt. Das von Dr. Koch geleitete  Innenministerium berichtete am nächsten Tag:  

Tagebuch des Diensttuenden Generaladjutanten des Königs  mit Eintragung der Ereignisse  am 8. und 9. November 1918

„Blut ist nicht geflossen, da Seine Majestät der König Waffenanwendung untersagt hat.“ (Letzter Eintrag im Hofjournal des Residenzschlosses Dresden, 10. November 1918) 

Julius Fräßdorf, der bei der Sitzung wohl nicht anwesend war,  berichtete später über Friedrich August: „Einfach  und schlicht lehnte er den Rat, der Revolution mit  Gewaltmitteln zu begegnen, mit den Worten ab, er  wolle nicht den eben beendeten Krieg auf der  Schloßstraße fortsetzen.“ 

Nach Gesprächen mit den anwesenden Hofchargen  rief der König die Mitglieder des Königshauses zu  sich, die inzwischen im Residenzschloss eingetroffen waren. An der Unterredung nahmen Prinz Johann Georg (1869–1933), der Bruder des Königs,  Johann Georgs Gemahlin Maria Immaculata (1874– 1947), Prinzessin Mathilde (1863–1933), die  Schwester des Königs, sowie Prinzessin Margarete  (1900–1962) teil, die als einziges Kind des Königs  in Dresden weilte. Kronprinz Georg war nicht anwesend, die Prinzen Friedrich Christian (1893– 1968) und Ernst Heinrich (1896–1971) befanden  sich im Kriegseinsatz und die Prinzessinnen Maria  Alix (1901–1990) und Anna Monika Pia (1903– 1976) waren in München zu Gast. Der König sorgte  sich um seine nächsten Angehörigen, insbesondere  um die Töchter, die in München geblieben waren,  aber auch um seine eigene Person. Bei einem Sieg  der Revolution hatte er mit einer Vertreibung, möglicherweise gar mit Misshandlung oder Erschießung zu rechnen, denn auch die russische Zarenfamilie war nach ihrer Entmachtung am 17. Juli 1918  getötet worden. So wurde beschlossen, den Monarchen und die im Residenzschloss verbliebene Königstochter Margarete außerhalb von Dresden in Sicherheit zu bringen. Man hoffte, so Zeit zu  gewinnen. Angeblich soll Friedrich August gesagt  haben: „Wo soll ich denn hingehen? Wir Wettiner  haben doch nichts Rechtes! In Rehefeld pfeift der  Wind durch die dünnen Wände, in Hubertusburg  ist noch nicht einmal elektrisches Licht und in Moritzburg steht einem das Wasser bis an den Hals.“ Dennoch wurde als erstes Fluchtziel Moritzburg  ausersehen. Um 22.00 Uhr, im Schutz der Dunkelheit, verließen der König, sein Generaladjutant  Freiherr O’Byrn, Prinzessin Margarete und ihre  Hofdame Maria Freiin von Oer (1885–1986) das  Residenzschloss durch den Bärengarten an der Sophienstraße. Von dort liefen sie zum Stallhof, wo  der Chauffeur mit einem königlichen Automobil auf  sie wartete. Die Königsstandarte wurde nicht am  Auto angebracht, aber ansonsten wäre durchaus zu  erkennen gewesen, wer im Auto saß. Die Fahrt ging  nach Schloss Moritzburg, wohin am nächsten Tag  

auch weitere Mitglieder des Hofes kamen. Prinzessin Margarete schrieb am Abend des 8. November in ihr Tagebuch „Morgen kommt ein entscheidender Tag. Die Sache steht auf Messers schneide – ob Monarchie oder Republik“. Damit  hatte sie die Stimmung gut erfasst. Am 9. November  organisierten sich die revolutionären Kräfte. Auf  dem Theaterplatz fanden sich 15.000 Menschen zu  einer Demonstration ein, bei der die Mehrheitssozialdemokraten, die vor wenigen Tagen noch eine Revolution abgelehnt hatten, ihren Arbeiter- und Soldatenrat vorstellten. Ihm gehörten die SPD-Minister  Julius Fräßdorf und Max Heldt sowie Georg Gradnauer (1866–1946), Wilhelm Buck (1869–1945)  und Albert Schwarz (1876–1929) an. Die Sozialdemokraten plädierten für einen friedlichen Über gang und forderten die Bevölkerung zu Ruhe und  Ordnung auf. Damit waren die Linksradikalen, die  für einen gewaltsamen Umsturz eintraten, nicht  einverstanden. Um ein Gegengewicht zur SPD zu  bilden, hielten sie in den Mittagsstunden des 9. November in der „Zentralhalle“ am Fischhofplatz eine  eigene Versammlung ab. Der Reichstagsabgeordnete und Spartakist Otto Rühle (1874–1943), der bereits am 25. Oktober in Pirna zur bewaffneten Revolution aufgerufen hatte, forderte dort den Sturz der  Monarchie, die Zertrümmerung des kapitalistischen Staatsapparates und die Errichtung einer Räterepublik. Mit scharfen Worten wandte er sich gegen die SPD- und Gewerkschaftsführer, mit denen  keine Umgestaltung der Gesellschaft zu erreichen  wäre. Die Anhänger der USPD und des Spartakusbundes konstituierten in dieser Versammlung den  Revolutionären Arbeiter- und Soldatenrat. Obwohl  beide Räte unterschiedliche politische Modelle verkörperten, schlossen sie sich am Vormittag des 10.  November unter Forderung nach der „Einheit der  Sozialisten“ zum Vereinigten revolutionären Arbeiter- und Soldatenrat von Groß-Dresden zusammen.  Zu Vorsitzenden wurden der SPD-Politiker Albert  Schwarz und der Spartakist Otto Rühle berufen.  Nach dem Zusammenschluss hielten die Revolutionäre eine Versammlung im Zirkus Sarrasani in  Dresden ab. Hermann Fleißner (1865–1939), Vor sitzender der USPD in Sachsen, rief vor rund 6.000  Menschen die „Republik Sachsen“ aus. Er verlas die  Proklamation: „Die Monarchie hat aufgehört, somit  existiert auch die Erste Kammer nicht mehr, und  die Zweite Kammer ist aufgelöst; auf der Basis des  allgemeinen und direkten Wahlrechts wird eine Nationalversammlung gewählt.“ Noch während die  Versammlung tagte, begaben sich die beiden Vorsitzenden des Vereinigten revolutionären Arbeiter und Soldatenrats mit einer Abordnung zu Innenminister Dr. Koch. Die Revolutionäre erklärten die  Regierung für abgesetzt, baten die Minister und Be amten aber, im Interesse der Versorgung der Bevölkerung weiter ihren Dienst zu tun. Nach Ende der  Versammlung im Zirkus Sarrasani zogen Arbeiter  und Soldaten zum Residenzschloss. Generaladjutant Otto von Tettenborn (1856–1919) hatte schon  am 9. November die Wachen abziehen lassen, so  dass sie niemand am Zutritt hindert. Die Revolutionäre drangen in das Schloss ein und hissten auf dem  Hausmannsturm eine rote Fahne als Zeichen des  Sieges der Revolution. In das Hofjournal des Oberhofmarschallamtes wurde eingetragen: „Sontag am  Tage der Revolution d. 10. 11. 18. Am heutigen Tage  wurde auf dem bisherigen ‚königl. Schloß‘ das Banner der Freiheit, Gleichheit u. Brüderlichkeit gehißt. Es war mittag 12:45 Uhr.“ Es folgten 19 Unterschriften. Sie bildeten den letzten Eintrag im  Hofjournal. „Kein General, kein Offizier, kein Hofbeamter widersetze sich die den Leuten, die auf dem Turm des Dresdner Schlosses die rote Fahne  aufzogen. Widerstandslos unterwarfen sich die  Stützen von Thron und Altar, soweit sie sich nicht  verkrochen hatten, den neuen Gewalthabern“, konstatierte Fritz Wecker. 

Flucht des Königs 

Der König und Prinzessin Margarete befanden sich  seit dem späten Abend des 8. November im Schloss  Moritzburg. Über Hofangehörige und Minister, die  von Moritzburg nach Dresden kamen, erfuhren sie  vom Fortgang der Revolution. So kam Dr. Heinze,  formell noch Regierungschef, nach Moritzburg. Dr.  Rudolf Oskar Steinbach, Legationsrat im Außenministerium, wurde nach Moritzburg beordert, um die  königliche Familie zu begleiten. Er berichtete von  der Konstituierung des Arbeiter- und Soldatenrats  am Abend des 8. November. Oberhofmarschall Georg von Metzsch-Reichenbach (1864-1931) teilte  mit, dass der Kaiser abgedankt habe und Friedrich  Ebert (1871–1925) Reichskanzler werden solle.  Nach dem Thronverzicht des Kaisers und Königs  von Preußen war die monarchistische Herrschaftsordnung nicht mehr zu halten, auch nicht in den  deutschen Bundesstaaten. König Ludwig III. von  Bayern (1845–1921) war bereits am 7. November  abgesetzt worden. Doch König Friedrich August III.  klammerte sich an die Vorstellung, der revolutionäre Spuk gehe vorüber und er könne die Krone be halten. Am Abend des 9. November schrieb Prinzessin Margarete in ihr Tagebuch: „Papa leidet unter  dem Zustand, sich verbergen zu müssen. Aber – er  will nicht abdanken und deshalb muß man ein Er zwingen verhindern. Gott hilf uns.“ 

Aufgrund der Nähe Moritzburgs zur Garnisonsstadt Großenhain, die sich bereits in den Händen  der Revolutionäre befand, riet Dr. Heinze, umgehend Moritzburg zu verlassen. So schickte man einen Boten nach Linz, einem Ort noch weiter nördlich in der Amtshauptmannschaft Großenhain, wo man den Grafen Ernst zu Münster-Meinhövel (1857–1938) bat, den König aufzunehmen. Friedrich August willigte widerstrebend in eine Weiterreise ein, zu der man am Morgen des 10. November um 6.30 Uhr aufbrach. Die Entourage wurde stark verkleinert. In zwei Autos fuhren der König, Prinzessin Margarete, Generaladjutant von Tettenborn, Legationsrat Dr. Steinbach und einige  Gefolge reisten am 9. November zu dem königstreuen Großindustriellen Arthur Freiherr Dathe  von Burgk (1886–1970) nach Schloss Schönfeld,  gelegen in der Amtshauptmannschaft Großenhain. Burgk wollte dem König zwar helfen, riet aber ebenfalls zur Weiterreise. So schickte man einige Bedienstete nach Linz, wo der König mit Graf  Münster die Lage besprach. Hier erfuhren die  Flüchtenden von der Ausrufung der Republik in  Berlin. Man war sich einig, dass der König auch in  Linz nicht vor den Revolutionären sicher sei. Sei ne Spur habe bis Schönfeld verfolgt werden können. So sei zu befürchten, dass Revolutionäre die „heilige Person des Königs“ ergreifen könnten. Prinzessin Margarete fürchtete sich vor drohen der Anarchie. Um die Spuren zu verwischen, wurde beschlossen, über die Landesgrenze ins Königreich Preußen zu wechseln, und zwar nach Guteborn, einem Ort im westlichsten Zipfel der Provinz Schlesien. Guteborn gehörte zum preußischen Anteil des Markgraftums Oberlausitz und war 1815 infolge des Wiener Kongresses an Preußen gefallen. Das Schloss gehörte dem Prinzen Ulrich von Schönburg-Waldenburg (1869–1939),  der aber „im Felde“ war. So fragte man über den Grafen Münster bei seiner Frau, der Prinzessin Pauline von Schönburg-Waldenburg (1881– 1945), an, ob sie bereit sei, den König aufzunehmen.

Rittergut Gönnsdorf heute: unbewohnt und verfallen.
Copyright Thomas Eichler

Nach ihrer Zustimmung brach die Reisegesellschaft wiederum in zwei Autos in der Dämmerung nach Guteborn auf, wo man um  19.00 Uhr eintraf. Am Auto des Königs war die  Krone übermalt worden, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Auch legten sich der König und  seine älteste Tochter neue Namen zu. Ganz in der  Tradition der Pseudonyme, die die sächsischen  Herrscher auf Reisen geführt hatten, traten beide  als Graf und Gräfin Gonsdorf auf – eine Anlehnung an das Rittergut Gönnsdorf bei Pillnitz, einen Privatbesitz des Königs. Die Gastgeberin und  die Begleiter wussten natürlich Bescheid, doch gegenüber den Bediensteten sollte die Identität der  Gäste verschleiert werden. 

In den zwei Tagen in Guteborn wurde der König  durch Boten über die Ereignisse in Dresden und  Berlin unterrichtet. Die Abgesandten des Oberhofmarschallamts reisten getarnt als Heidespaziergänger. Sie fuhren mit der Eisenbahn von Dresden  über Königsbrück nach Schwepnitz und liefen von  dort zu Fuß nach Guteborn. Am Morgen des 11.  November kam O’Byrn mit aktuellen Zeitungen  nach Guteborn. Später trafen Abendzeitungen ein.  Sie berichteten vom Waffenstillstand, der am Morgen in Compiégne abgeschlossen worden war. Aus  dem Tagebuch geht hervor, dass die Flüchtenden  ob dieser Nachrichten verzweifelt waren. Wir wissen aber nicht, ob sie realisierten, dass dieser Waffenstillstand die totale Niederlage Deutschlands  im Ersten Weltkrieg bedeutete. Am 12. November  sprach Tettenborn mit dem König. Dieser war  nicht zur Abdankung bereit und wollte die Offiziere auch nicht von ihrem Eid entbinden. Allenfalls  wollte er zusagen, auch unter einem Soldatenrat  ihren Dienst weiter auszuüben.  

Man erwartete Dr. Heinze aus Dresden, der aber erst am 13. November um die Mittagszeit im Schloss  Guteborn eintraf. Er zog sich mit dem König zu ei ner Unterredung zurück, bei der Friedrich August  schweren Herzens in den Thronverzicht einwilligte. Über den Ablauf liegt folgende Erinnerung von  Rudolf Heinze vor: „Ich mußte im Auftrag des  Staatsministeriums die schwere Aufgabe übernehmen, Seine Majestät aufzusuchen und ihn zu verständigen, daß das Ministerium seinen Rücktritt für  unausweichlich halte, angesichts der Lage. Der König forderte mich auf, Platz zu nehmen, und nach dem er meinen Vortrag angehört hatte, antwortete  er nicht sogleich. Er legte die Arme auf den Tisch  und den Kopf darauf. Nachdem er längere Zeit so  verharrt hatte, unterschrieb er das vorgelegte  Schriftstück schweigend.“24 Entgegen diesem Bericht verfasste Friedrich August den Thronverzicht  und die Erklärung, mit welchem er die Offiziere,  Beamte, Lehrer und Geistlichen von ihrem Eid entpflichtete, mit eigener Hand. Das geschah am 13.  November gegen 14.00 Uhr. Dr. Steinbach, der um gehend unterrichtet wurde, gab die Inhalte „behufs  schleuniger Veröffentlichung“ telefonisch weiter.  Um 15.00 Uhr fuhr Dr. Heinze mit dem Auto nach  Dresden zurück. Die Veröffentlichung des Thronverzichts war eine der letzten Amtshandlungen der  Regierung Heinze, denn am 14. November formierte sich mit dem Rat der Volksbeauftragten eine  neue „Revolutionsregierung“, die die Kontrolle über  die Ministerien übernahm und als Übergangsregierung bis zu den Volkskammerwahlen im Februar  1919 im Amt blieb.  

„Macht Euern Dreck alleene“ 

Dass Friedrich August III. im Zusammenhang mit  der Abdankung „Macht Euern Dreck alleene“ gesagt  haben soll, lässt sich nicht nachweisen. Tatsache ist  aber, dass dieser Ausspruch schon früh überliefert  und weitergetragen wurde. Die sozialdemokratischen Zeitungen gingen davon aus, dass die Aussage  authentisch sei. So berichtete die ‘Chemnitzer Volksstimme’, ein SPD-Blatt, am 10. Februar 1919 im Zusammenhang mit Überlegingen zur Abfindung des ehemaligen Königshauses: «Übrigens hat ja Friedrich August im letzten Augenblick selbst aufgehört mit der Bemerkung, wir sollten ‚den  Dreck alleene machen‘.“26 Das vermeintliche Königswort wurde offenkundig schon wenige Tage  nach dem Umsturz von führenden Revolutionären,  unter ihnen Otto Rühle und Julius Fräßdorf, verbreitet. Fritz Wecker erklärte den Ausspruch 1928 für authentisch. Er ließ sich den Vorgang von Otto Rühle  wie folgt schildern: „Einige Tage nach dem 9. November 1918 hatte der Arbeiter- und Soldatenrat,  dessen Vorsitzender ich war und der provisorisch  die Regierung in Sachsen führte, eine Zusammenkunft mit dem Kabinett, dem Dr. Heinze, Dr. Koch,  Dr. Schröder, General von Wilsdorf und die Sozialdemokraten Fräßdorf und Held angehörten. Im  Verlaufe der Auseinandersetzungen wurde die Frage aufgeworfen, ob die Beamten und Offiziere durch den Arbeiter- und Soldatenrat ihres Dienst- und  Fahneneides entbunden werden sollten, oder ob es  zweckmäßiger sei, dies dem König zu überlassen.  Man entschied sich für das letztere. Der bisherige  Finanzminister Dr. Schröder erhielt den Auftrag,  sich mit Friedrich August sofort telefonisch in Verbindung zu setzen. Ich begleitete ihn in ein Nebenzimmer des Landtagsgebäudes, wo wir tagten, und  gab der Telephonzentrale selbst Anweisung, uns  mit Moritzburg zu verbinden. Dr. Schröder führte  das Gespräch, ich hörte mit. Friedrich August antwortete auf die an ihn gerichtete Frage mit rauher  Stimme: ‚Na, das genn mer schon machen.‘ Dr.  Schröder bedankte sich für den Bescheid und machte am Telephon eine Verbeugung. Darauf der König:  ‚Da habb´ch wohl nu nischt weiter zu sagen?‘ Dr.  Schröder: ‚Majestät, alle Befugnisse sind ja mit der Revolution auf den Arbeiter- und Soldatenrat übergegangen.’ Worauf August unter rauhem Husten erklärte: So, so – na dann macht Euern Dreck alleene! In dieser  Stunde unterzeichnete Seine  Majestät das wichtigste Dokument, die Abdankungs urkunde, mit der Ministerpräsident Dr. Heinze sofort  nach Dresden zurückkehrte, nachdem er über das Verhalten des Königs bei diesem  Akte erklärt hatte: ‚Seine  Majestät haben sich auch bei  seiner Abdankung königlich  benommen‘.“ 

Otto Rühle fügte diesem Bericht  an: „Ich habe die Episode sofort erzählt, einen Tag  später stand sie in den Zeitungen. So, meiner Erinnerung nach, der Sachverhalt, den Dr. Schröder –  den ich nie wieder sah oder sprach – bestätigen  wird.“ Diese „Erinnerungen“ können so nicht stim men. Friedrich August hatte noch am 12. November  eine Aufhebung des Treueides abgelehnt. Die Zustimmung zu der Entpflichtung gab er am 13. November Dr. Heinze, der ihn persönlich in Guteborn  aufsuchte. Ein Telefonat mit dem König war nicht  erforderlich. Überhaupt ist kein Telefonat Dr.  Schröders mit dem Monarchen nachweisbar. Falls  Minister Dr. Schröder tatsächlich mit Moritzburg  telefonierte, dann war der Gesprächspartner nicht  sein König. Denn Friedrich August war nur bis zum  Nachmittag des 9. November in Moritzburg geblieben. Eine Sitzung, wie sie in der Erinnerung be schrieben wird, kann nur nach dem 10. und vor  dem 14. November stattgefunden haben. Bedenklich ist, dass die angebliche „Erinnerung“ in  den später verfassten Anekdoten weiter verändert  und verfälscht wurde. Hans Reimann erklärte die  Entstehung des Ausspruchs so: „Es wurden also die  Roten vorgelassen. Neun Mann hoch trampelten  sie herein. Und verlangten von ihrem König, daß er  sowohl die Offiziere als auch die Beamten ausnahmslos und auf der Stelle ihres Eides entbinde.  August, nach kurzem Bedenken: ‚Wenns sein muß  … warum nich?‘ Der Sprecher der Abordnung be dankt sich für die glatte Erledigung der Sache. Alle neune dienern höflich. August: ‚Dann hab ich nu  von jetzt an nischt mehr zu saachn?‘ Der Sprecher  eröffnet dem König, sämtliche Befugnisse seien  übergegangen auf den Arbeiter- und Soldatenrat.  August schneuzt sich. Schneuzt sich ausgiebig.  Dann, ungnädig: ‚Na, macht Euern Dreck allee ne!‘“ Wir wissen es nicht, ob der Ausspruch jemals gefallen ist oder nur eine Erfindung der Revolutionstage darstellt. Zu konstatieren ist aber, dass  er dem König zugeschrieben wurde und die Zeitgenossen von einer authentischen Aussage ausgingen. Walter Fellmann kommentierte das so: „Die  Sachsen haben dem als etwas derb bekannten König auch einen derb kommentierten Thronverzicht  zugetraut. Wo bliebe die Pointe, wenn er es eleganter gesagt oder ein anderer ihm die Worte in den  Mund gelegt haben sollte?“30 

Nach dem Thronverzicht, der nur die Person  Friedrich Augusts betraf und die Illusion offen hielt, der Kronprinz könne der nächste König  werden, schlugen Generaladjutant Tettenborn  und Legationsrat Dr. Steinbach ihrem Monarchen  vor, Guteborn zu verlassen und nach Sibyllenort  zu reisen, wo Friedrich August  III. auf preußi schem Boden und damit außerhalb Sachsens über  einen Wohnsitz mit Grundbesitz verfügte. Der  König stimmte zu. Umso wenig auffällig wie möglich Sibyllenort bei Breslau zu erreichen, wurde  die Reisegruppe auf den König, die Prinzessin  Margarete, Dr. Steinbach und den Chauffeur Cebulla reduziert. Sie legten sich die Legende zu,  Prinzessin Margarete sei die schwerkranke Gräfin Gonsdorf, die von ihrem Vater nach Breslau gebracht werde. Um die Tarnung zu vervollkommnen, wurde am Auto eine Rotkreuzflagge angebracht. Am 14. November gegen 12.00 Uhr fuhr  das Fahrzeug los. Der Chauffeur hatte die Vorgabe, nur Nebenstraßen zu benutzen und die großen Städte, in denen man Revolutionäre vermutete, zu umgehen. Man fuhr über Hoyerswerda,  Muskau, Sorau, Sagan, Sprottau, Steinau und  Trebnitz nach Sibyllenort, was fast 13 Stunden  dauerte. Aufenthalte gab es in Muskau, wo die  Straßen durch einen Revolutionsumzug gesperrt  waren, und abends in der Oderniederung, weil  der Chauffeur in der nächtlichen Dunkelheit die  Straßen nicht mehr erkennen konnte und sich  verfuhr. Am 15. November 1918, nachts um 00:45  Uhr, traf der König im unbewohnten und kalten  Schloss Sibyllenort ein.  

Sibyllenort, am 26. Januar 1945 kurz vor Eintreffen der Roten Armee von Offizieren der Luftwaffe in Brand gesetzt/zerstört.

Nach nur wenigen Tagen revolutionärer Unordnung nahm der König wieder sein vertrautes Hof leben auf. Einige seiner Getreuen waren nach Sibyllenort gekommen, etwa der Hofprediger Franz Müller, der täglich die Heilige Messe feierte,  Schlosshauptmann Wolf von Tümpling (1861– 1938), der Leiter der Vermögensverwaltung des  Königs, und der vom König zum „Kabinettschef“  ernannte Generaladjutant Georg Freiherr O’Byrn.  Schon am Abend des 16. November nahm der König wieder seine Gewohnheit auf, nach dem  Abendessen in geselliger Runde Skat zu spielen.  Am 18. November 1918 brach der Ex-König erstmals nach seiner Abdankung wieder zur Jagd auf,  nachdem er fast zwei Wochen auf diese Leidenschaft hatte verzichten müssen. Es ging nach Dobrischau zu den dort gelegenen Feldern der Herrschaft Sibyllenort, wo Friedrich August mit zwei  Gästen auf Fasanenjagd ging. Er erlegte 48 Fasanen  und 20 Hasen.  

… und wie ging’s weiter? KI gibt uns darüber Auskunft:

Nach der Abdankung des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. am 13. November 1918 wurde die Vermögensfrage zwischen dem neu gegründeten Freistaat Sachsen und dem vormaligen Herrscherhaus der Wettiner im Gegensatz zu anderen Ländern vergleichsweise geräuschlos und einvernehmlich geregelt. Die wichtigsten Meilensteine und Regelungen zum Privatbesitz des Königshauses stellten sich wie folgt dar:

Der Auseinandersetzungsvertrag von 1924

Das wichtigste Fundament bildete der Vertrag zur Vermögensauseinandersetzung, der am 24. Juni 1924 zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Haus Wettin unterzeichnet wurde und im August 1924 in Kraft trat. Er trennte das staatliche Vermögen strikt vom privaten Familienbesitz. 

  • Abfindungszahlung: Die Wettiner erhielten eine erhebliche finanzielle Entschädigung in Millionenhöhe. Da die Hyperinflation von 1923 gerade erst überstanden war, orientierte sich die Summe stabil an der Goldmark.
  • Immobilien und Ländereien: Große Teile des privaten Grundbesitzes wurden der Familie zugesprochen oder verblieben in ihrem Eigentum. Dazu gehörten landwirtschaftliche Nutzflächen, umfangreiche Gewässer und Forstreviere sowie diverse Gebäude. Das schlesische Schloss Sibyllenort (heute Szczodre, Polen) diente Friedrich August III. fortan als primärer privater Wohn- und Altsitz, auf dem er 1932 auch verstarb. 
  • Kunst- und Kulturgüter: Das Königshaus erhielt zahlreiche wertvolle Kunstwerke, Porzellane und historische Stücke aus den vormaligen Staatlichen Sammlungen zurück.

Gründung des „Vereins Haus Wettin Albertinischer Linie e.V.“

Um den zurückgegebenen Privatbesitz, die Ausgleichszahlungen, die Familienschmuckbestände und das Familienarchiv gemeinschaftlich zu verwalten, gründete die Königsfamilie den „Verein Haus Wettin Albertinischer Linie e.V.“. Dieser Verein sorgte für die Verteilung der Gelder und die Organisation des verbliebenen privaten Vermögens innerhalb des sächsischen Adelsgeschlechts. 

Das spätere Schicksal nach 1945

Obwohl der Privatbesitz in der Weimarer Republik und während der NS-Zeit rechtlich geschützt blieb, kam nach dem Zweiten Weltkrieg die Zäsur:

  • Enteignung 1945: Mit der sowjetischen Besatzung und der anschließenden Gründung der DDR wurde die Familie der Wettiner im Zuge der Bodenreform im Osten Deutschlands vollständig und entschädigungslos enteignet.
  • Auflösung des Vereins: Der wettinische Familienverein wurde im Oktober 1946 von den neuen Machthabern zwangsweise aus dem Vereinsregister gelöscht. Archiv Sachsen
  • Nachwende-Vergleiche: Nach der deutschen Wiedervereinigung kam es ab den späten 1990er-Jahren zu langjährigen Verhandlungen und mehreren neuen ⁠Vergleichsverträgen zwischen dem Freistaat Sachsen und den Wettiner-Nachfahren, bei denen die Familie Millionenzahlungen als Entschädigung für Kunstgüter und Porzellan erhielt, die im Staatsbesitz verblieben.

Die Verteilung der Besitztümer im Rahmen des Auseinandersetzungsvertrages von 1924 basierte auf einer klaren Dreiteilung: Staatseigentum verblieb beim Land Sachsen, reines Privateigentum ging zurück an die Wettiner, und der komplizierte Kronfideikommiss(das ehemalige „Dienstvermögen“ der Krone) wurde aufgeteilt. 

Die Zuordnung der wichtigsten Schlösser, Ländereien und Kunstschätze gestaltete sich wie folgt:

Schlösser und Immobilien

An das Haus Wettin fielen (Privatbesitz):

  • Schloss Moritzburg: Das berühmte barocke Jagdschloss August des Starken wurde der königlichen Familie mitsamt dem Fasanenschlösschen, der traditionsreichen Teichwirtschaft und den umliegenden großen Forstrevieren komplett als Privateigentum übertragen. Es wurde ab 1933 der Hauptwohnsitz von Prinz Ernst Heinrich von Sachsen. 
  • Schloss Sibyllenort (Schlesien): Da dieses schlesische Schloss außerhalb der sächsischen Landesgrenzen lag und bereits reiner Privatbesitz war, verblieb es uneingeschränkt bei der Familie und diente dem abgedankten König Friedrich August III. als Ruhesitz. 
  • Schloss Wachwitz: Die königliche Villa oberhalb der Elbe in Dresden blieb im Familienbesitz und wurde in den Folgejahren baulich erweitert.
  • Umfangreiche Forstreviere: Die Familie erhielt zehntausende Hektar Wald- und Jagdgebiete in Sachsen, die im vormaligen Fideikommiss gebunden waren, zur wirtschaftlichen Eigennutzung zugesprochen.

🏛️ Beim Freistaat Sachsen verblieben (Staatsbesitz):

  • Residenzschloss Dresden: Das historische Machtzentrum im Herzen Dresdens verblieb vollständig beim Staat und wurde Sitz staatlicher Behörden und Museen. 
  • Der Zwinger: Die barocke Anlage in Dresden blieb Staatsbesitz. 
  • Schloss Albrechtsburg Meißen & Festung Königstein: Die historisch bedeutenden Landesfestungen und geschichtsträchtigen Wiegen Sachsens verblieben ausnahmslos in staatlicher Hand. 
  • Weitere Residenzschlösser: Große Schlossanlagen wie Schloss Augustusburg, Schloss Colditz, Schloss Rochlitz oder Schloss Mildenstein blieben dauerhaft staatlich. 

Kunstsammlungen, Porzellan und Schätze

Die wertvollen staatlichen Sammlungen (wie das Grüne Gewölbe oder die Gemäldegalerien) waren der schwierigste Verhandlungspunkt. Man einigte sich auf eine Gütertrennung und Rückgaben: 

  • Herausgabe an die Wettiner: Die Familie erhielt tausende Einzelobjekte aus dem ehemaligen Hofbesitz zurück. Dazu gehörten wertvolle Möbel, hunderte historische Waffen, Gemälde (darunter Werke von Louis de Silvestre), historische Grafiken sowie bedeutende Bestände an frühem Meißner Porzellan (u.a. seltene Kändler-Figuren).
  • Die Hofsilberkammer: Große Teile des königlichen Tafelsilbers und wertvolle Goldschmiedearbeiten wurden der Familie zugesprochen. Ein Teil dieses Schatzes wurde 1945 im Wald bei Schloss Moritzburg vergraben und erst in den 1990er-Jahren spektakulär wiederentdeckt.
  • Verbleib beim Staat: Die weltberühmten Kernbestände der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) blieben physisch in den staatlichen Museen. Die Wettiner verzichteten gegen die vereinbarten Millionen-Abfindungen in Goldmark auf ihre Eigentumsansprüche an den wichtigsten Museumsstücken. 

Warum beschäftigt uns das heute noch?

Weil die Wettiner 1945 von den Sowjets enteignet wurden, verloren sie all diese 1924 mühsam vertraglich gesicherten Besitztümer wieder. Nach dem Mauerfall forderten die Erben diese Mobilien (Möbel, Porzellan, Bilder) rechtmäßig zurück. Um zu verhindern, dass die Museen in Dresden und Moritzburg geräumt werden müssen, kaufte der Freistaat Sachsen der Familie ab 1999 in mehreren großen ⁠Millionenvergleichen tausende dieser Kunstschätze endgültig ab. 

(Ende der KI-Information)

Fazit der Redaktion von Catracho global : Auch Heute noch sonnen sich nach-monarchische Gesellschaften an der Glorie und imposanten Architektur aus königlichen Zeiten und tragen somit zur Identitätswahrung von Regionen, Nationen und ihrer zugehörigen Nachkommen bei.

So wie sich in der ‘Yellow Press’ Normalbürger gerne an Fotos und Glorien- oder auch Skandalgeschichten der heutigen Monarchen (meist ohne Monarchie) erfreuen bleiben monarchische, vordemokratische bzw. von christlichen Kirchen geprägte Symbole architektonischer Kunst oder die darin befindlichen Kunstschätze Symbol einer Nation und ihrer Bürger … ganz gleich welchen sozialen Standes sie sind … oder sich fühlen, und der Tourismus lebt davon und nur selten von den sachlich-eckigen Bauwerken der Moderne.

Publicado en: Historia, Política Nacional, Sin categorizar

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