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Catracho Global

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Die Hochzeitskuh – eine typisch ostpreußische Geschichte

mayo 14, 2026 por Catracho Global Deja un comentario

Alfred Hein 

Die Hochzeitskuh 

John Muskat, der Dorfkrämer, saß vor seinem kleinen Kolonialwarenladen auf einem Schemel und sonnte sich, das Pfeifchen zwischen den von einem graugesprenkelten Vollbart umhangenen Lippen und die schwieligen Hände friedlich über dem Bauche gefaltet. Es war kurz vor Mittagszeit, da hatten die Hausfrauen alle mit der Vorbereitung des Essens zu tun, wenn sie nicht gar mit den Männern bei der Erntearbeit waren. Die Kinder hörte man noch in der Schule drüben laut buchstabieren. John Muskat genoß diese «stillste» Stunde des Tages, in der das rostige Ladenglöckchen nicht kreischte und klirrte, mit seligem Behagen. In den Knasterduft des Pfeifenrauches mischten sich die aus dem dunklen Ladeninnern entströmenden Gerüche von Zichorie, Tilsiter Käse, Zwiebeln und Essig. 

Ein treuherziges «Na, Mannche, wie geiht?» schreckte ihn auf. Der Emil Hoppkenuscht war’s, John Muskats bester Freund, Briefträger dieses Kirchspiels in der Tilsiter Niederung. Hoppkenuscht kehrte mit leerer Brieftasche von seinem Dienstgang zurück. Er hockte sich auf die oberste der drei Stufen, die in den Laden führten, nieder, zog auch sein Pfeifchen hervor. John reichte ihm stillschweigend seinen Tabakbeutel. Emil griff hinein, stopfte den Pfeifenkopf voll, und nun sogen sie beide an ihren Pfeifen, der Muskat und der Hoppkenuscht. Und sie sagten nuscht. Sie blinzelten in die Augustsonne, die ein flimmerndes Lichtmeer über das Dorf, die Wiesen, Wälder und Felder hinbreitete. Mitten durch das stille Land floß in lustigen Windungen das Mingeflüßchen. 

Nach einer ganzen Weile sagte Emil: «Also hast du alle drei verkauft?»> John Muskat antwortete erst nicht. Langsam dämmerte ihm, daß Hoppkenuscht etwas mit seiner «foẞligen Schnauze» gesagt hatte. 

<<Was -verkauft?»  «Na, deine drei Kühe! Mir nuscht zu erzählen! Wer hat sie denn bekommen?» 

«Bist verrückt! Meine Kühe sind auf der Weide angetiedert und weiden.» 

«Sie sind aber nicht angetiedert», sagte Hoppkenuscht. «Und sie weiden auch nicht. >> 

«Ich hab ihnen noch heut früh das Halfter um den Hals gelegt und hab die Zehn-Meter-Leine an den Pfahl festgemacht. Und das heißt doch bei uns in der Niederung: sie sind angetiedert», brummte John. 

«Die Rothaarige?» 

«Ja.»> 

«Und die Schwarzweiße?» 

«Ja.» 

«Und die Sterke?» 

«Ja.>> 

<<Sind nich mehr da», sagte Emil. «Ich dacht, du hast sie verkauft. Aber sie werden sich ja wohl losgerissen haben. Bei der Hitze!» Das sagte Hoppkenuscht ganz ruhig, und John Muskat hörte es sich ebenso ruhig an. In diesem Augenblick war die Schule aus. Die vom Lehrer entlassenen der Kinder lärmten die Dorfstraße entlang. Die drei vom Muskat Thomas, die Jutta und die Lisa – kamen auch angerast. Zum Fenster über der Ladentür heraus schrie John Muskats älteste Tochter, die siebzehnjährige Heta: «Schnäll! Schnäll! Alle Mann ran! Das Essen is färtig!» Johns Frau war tot, Heta führte ihm die Wirtschaft. 

Das alles in einem Augenblick war dem Muskat zuviel. Dieses Geschwätze vom Hoppkenuscht, die Kühe wären fort, das Geschrei der Heta, das Essen sei fertig, und das lärmende Heranspringen der drei Schulpflichtigen, die ihn ringelreihend umtanzten. John warf die Pfeife fort, gab den drei ahnungslos ihn umtanzenden Kindern je eine gezielte Ohrfeige, schrie: «Heta! Los! Raus aufs Feld!» 

«Aber das Ässen!>> 

«Halt’s Muul! Die Kühe sind fort, sagt der Hoppkenuscht!» Und der Hoppkenuscht nickte bedächtig. John hätte am liebsten auch in sein Vollmondgesicht eine «Zielsichere» gelandet. Aber Emil war sein Freund. 

«Ich komme mit suchen!» sagte der Briefträger. Die Kinder zogen lange Gesichter. Muskat riegelte die Ladentür ab und hängte einen Zettel daran mit der in Krakelschwüngen geschriebenen Inschrift: «Wejen Unglicksfal geschloßen.» Alle mußten mit, um die Kühe zu suchen. Das Essen wurde kalt, schöne Keilchen mit Grieben und Beetensuppe. Kilometerweit, bis zum Nachbardorf, war die Patrouille der Familie Muskat mit Freund Hoppkenuscht vorgestoßen. Überall weideten Kühe. Aber es waren nicht die Rothaarige, die Schwarzweiße und die Sterke vom Muskat. 

<<Hast du unsere Kühe gesehen?» fragte John einen Hütejungen. «Nein. Aber Zigeuner», sagte der Junge. Muskat gab ihm eine Ohrfeige. Hoppkenuscht schüttelte bedächtig sein von der Mütze entblößtes Haupt; seine Glatze schwitzte. «Die Stricke, weißt du, John, die Stricke!» 

«Ach, häng dich auf an den Stricken!>> 

<<Die Stricke waren wie mit einem Zigeunermesser durchgeschnitten.» Die siebenjährige Lisa heulte: «Die Zigeuner! Die Zigeuner!» 

Heta und Jutta sahen etwas Weißes im Gestrüpp an der Minge schimmern. Sie liefen nach dem Fluß: «Die Schwarzweiße! Die Schwarzweiße!» schreiend. Aber es war keine Kuh, sondern ein Mann in Hemdsärmeln. Oh – fast ein feiner Herr! So städtisch sah er aus. So piknobel. 

<<Haben Sie unsere Kühe gesehen, mein Herr?» bemühte sich Heta hochdeutsch zu sprechen. 

<<I wo, nei’che, wo wär ich doch. Ich bin all erst seit gästern hier. Ich bin der neue Stationsassistänt. Lorskat heiß ich.» 

«Ach so – wirklich? » Und Heta ließ sich zutraulich neben ihm nieder. So fein und doch so anheimelnd war der neue Stationsassistent. Heta vergaß das Kühesuchen. Sie schaute nur immer bald in das flotte Gesicht des Herrn Lorskat und bald auf die Angel, ob die Schnur nicht zuckte. Die Schnur zuckte nicht. Aber in ihrem Herzen zuckte es manchmal. 

Jutta war längst zu den andern zurückgelaufen. Einige hundert Meter weiter, dort, wo die Minge um hohe Weiden- und Brombeerbüsche herum eine S-förmige Schleife zog, fand der Hoppkenuscht mit dem zwölfjährigen Thomas endlich die Schwarzweiße. Die beiden schlugen ein lautes Hallo an, alle eilten herbei. Nur Heta nicht. Die sagte bloß immer: «Aber ja, Herr Lorskat !» wenn der etwas fragte, oder: «O nein, Herr Lorskat!» oder sie lächelte nur. Und Herr Lorskat sagte: «Sie können so schön ein Lachmäulchen machen, Fräulein Muskat!» 

Die Schwarzweiße stand am Ufer und soff. John schimpfte: «Durst hatten die Viecher! Die Heta hat beim Melken vergässen, ihnen Wasser zu geben. Wo ist das Mädel? Jutta, wo ist die Heta?» Jutta zuckte die Achseln. Die Heta schlug noch derber zu als der Vater, wenn sie böse war. Das wußte Jutta. Also schwieg sie. John aber schlug nicht zu, er streichelte die Schwarzweiße. Dann schickte er Thomas mit der Kuh heim. 

Mitten in den Mohn- und Kornblumenwiesen lag ein verlassener Bauernhof. Vor einem Jahr hatte ein großes Feuer dort gewütet. Alles war bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Dennoch scholl aus den Ruinen ein klägliches Kuhbrüllen hervor. «Das ist die Sterke! Ich hör’s deutlich», sagte John. Sie war’s. Die Sterke hockte, recht unglücklich beklemmt, im Ziehbrunnen des verlassenen Hofes; sie war wassergierig hineingeplumpst. Nur der Kopf ragte über den Brunnenspiegel. Der halbe Nachmittag verging, ehe die Sterke geborgen war. Man mußte Leitern und Stricke holen, um sie hochzukriegen. 

Aber die Rothaarige blieb verschwunden. Die Heta auch. Sie hatte Herrn Lorskat «bis zum Abendzug» Gesellschaft geleistet. Dann lief sie nach. Scherben bringen Glück, dachte Heta, als sie die Porzellansplitter nach Haus, ließ sich vom Vater ausschelten. Er warf ihr eine Kaffeetasse seelenruhig zusammenfegte. 

John Muskat jammerte um die Rothaarige. Hoppkenuscht mußte ziemlich schweigsam verzehrten Abendbrot (es gab das aufgewärmte abends nach Tilsit zu einer Vereinsversammlung fahren. Nach dem Mittagessen) geleiteten alle den Briefträger zum Bahnhof. Man nahm zwei Stallaternen mit; auf dem Rückweg wollte man die Rothaarige nochmals suchen. Es war schon dunkel, als der Zug langsam heranbimmelte. Heta hielt Ausschau nach Herrn Lorskat, mit ihrer Laterne den Bahndamm ableuchtend. Aber der Herr Bahnassistent saß noch im «Dienstraum»>. 

Hoppkenuscht stieg in den Zug, der eine Ladung Getreide mitnahm und deswegen länger hielt. Die Lampen der Lokomotive warfen die Schienen entlang weit über die Mingewiesen hin ihren hellen Schein. Da schrien plötzlich, gerade als der Zug sich in Bewegung setzte, Thomas, Jutta und Lisa gleichzeitig: «Ein Hirsch! Ein Hirsch! Mitten auf den Schienen !>> 

Der Zug fauchte auf das Tier zu. Da sah Heta, obwohl gerade Herr Lorskat das Zeichen zur Abfahrt gegeben hatte und sich nach ihr um- wandte, daß das ja die Rothaarige war und kein Hirsch. Jäh fiel ihr ein, daß die Bahnbeamten die Laternen im Kreise herumschwenken, wenn ein Zug beim Rangieren halten und zurückdampfen soll. Sie tat’s. Sie schwenkte die Laterne im Kreise. Der Lokomotivführer, den das Geschrei auf dem Bahnsteig noch einmal zurückschauen ließ, sah die sich im Kreise drehende Laterne, dachte, es wäre die Laterne des Herrn Lorskat, und stoppte. 

John Muskat lief die Schienen entlang: «Rothaarche! Rothaarche! Komm!» Und im Triumph wurde die Kuh von den Geleisen weg nach dem Bahnhof gebracht. Das halbe Dorf war schon versammelt. 

ersten Acht Monate später war die Rothaarige Kränzeljungfer. Mit Bändern und Frühlingsblüten geschmückt, führte Thomas sie dem Hochzeitszug voran. In das Glockengeläute klang ihre Kuhglocke drein. Denn sie hatte die glückliche Ehe zwischen dem Herrn Lorskat und der Heta gestiftet, die man heute einsegnete. Hätte die Rothaarige sich nicht an jenem Augusttag losgerissen und verirrt, so hätte Heta Herrn Lorskat niemals beim Angeln getroffen. Aber da war Herr Lorskat in die Heta nur verliebt. Ans Heiraten dachte er noch nicht. Doch dann am Abend, als die Rothaarige auf den Geleisen dem Überfahrenwerden nahe war und Herr Lorskat sah, wie geistesgegenwärtig und fachmännisch Heta die Laterne schwang, da sagte er sich: die hübsche stramme Marjell, das ist die rechte Eisenbahnerfrau. 

So hieß die Rothaarige nun die «Hochzeitskuh». Der Hoppkenuscht aber sagte noch jahrelang, wenn er mit seinem Freund Muskat in der Mittagshitze vor der Ladentür ein Pfeifchen schmauchte, immer wieder einmal: <<Siehste, John, die Kühe waren damals doch nicht angetiedert.» Und John knurrte:

«Halt’s Muul!»>

Publicado en: Historia, Literatur, Sin categorizar

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