Stephan von Sarter, Bauherr der Drachenburg
(Die Redaktion von Catracho global dankt ‘Wikipedia’ für ihre hier wiedergegebenen Recherchen.)

Freiherr Cornelius Stephan von Sarter (* 20. Dezember 1833 in Bonn; † 30. März 1902 in Paris) war ein deutsch-französischer Finanzfachmann, Börsen- und Unternehmensanalyst sowie Anleger, der als Erbauer des Schlosses Drachenburg bekannt wurde.
Leben
Cornelius Stephan von Sarter wurde als Sohn des Bonner Gastwirtes Johann Gottfried Sarter (1788–1862) und seiner Ehefrau Caroline (1802–1880) geboren. Als der Vater 1834 nach einem Streit mit einem zahlungssäumigen Studenten das Gasthaus „Zum Helm“ aufgeben musste, das bei einem Trinkgelage von Studenten zerstört worden war, zog die Familie zu Verwandten nach Köln. Stephan Sarter verließ 1849 das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln mit der Mittleren Reife und machte danach eine Ausbildung beim Kölner Bankhaus Leopold Seligmann. 1856 wechselte er zum Bankhaus Salomon Oppenheim und wurde bald zu dessen Filiale in Paris versetzt.
Zunächst als Analyst für die Bewertung von Anleihen und Aktiengesellschaften tätig machte er sich ab 1862 selbständig und erzielte mit Spekulationsgeschäften, wie z. B. mit Aktien der Sueskanal-Gesellschaft, deren Gründer, Ferdinand de Lesseps, zu seinen Geschäftsfreunden zählte, großen Reichtum. In eigenen Broschüren und einem eigenen Börsenblatt veröffentlichte er seine Einschätzungen des Kapitalmarkts.
Mit Hilfe einer Spende von 40.000 Mark wurde Stephan Sarter am 22. Mai 1881 durch Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen in den Freiherrenstand erhoben. Der damalige deutsche Botschafter in Paris, Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, stellte ihm ein wohlwollendes Gutachten aus, wahrscheinlich beeinflusst durch Sarters Mitgliedschaft im Deutschen Hilfsverein. Der Stadt Meiningen ließ er weitere 25.000 Mark für ein Armenhaus zukommen, das den Namen Sarter-Stift trägt. Als Freiherren-Wappen wählte er eine Waage, getreu seinem Motto: Wäge und wage!
Als er durch die Erhebung in den Adelsstand zur gehobenen Gesellschaft gehörte, ließ Sarter von 1882 bis 1884 für insgesamt 1,7 Mio. Mark das Schloss Drachenburg erbauen. Für den Bau einer standesgemäßen Villa wählte Sarter nicht seine Wahlheimat Paris, sondern den vielbesuchten Drachenfels in Sichtweite seiner Geburtsstadt. Mit dem Bau von Schloss Drachenburg schuf Sarter eine selbstbewusste und weithin sichtbare Demonstration seines Ansehens und Reichtums. Sarter baute das Schloss, um es mit einer Jugendliebe zu beziehen. Bei der Fertigstellung war jene Geliebte bereits verstorben, weswegen er das Schloss nie bezog. Er lebte bis zu seinem Tod in Paris und nahm 1890 die französische Staatsbürgerschaft an. Schloss Drachenburg nutzte er lediglich, um dort prominente Gäste zu empfangen.
Von Sarter starb in seiner Pariser Mietwohnung um Ostern 1902 an einer Lungenentzündung. Auf seiner französischen Totenbescheininung steht Cornelius Etienne Sarter. Der deutsche Adelstitel war in Frankreich nicht offiziell anerkannt worden. Erst ein Jahr später wurde er nach Deutschland überführt. Sein Grab befindet sich unterhalb der Drachenburg auf dem Friedhof Am Palastweiher in Königswinter.
Und was sagt uns der Internetauftritt von Schloss Drachenburg zur Geschichte danach?

1882 – Der architektonische Traum
Stephan Sarter wurde als jüngster Sohn eines Bonner Gastwirts 1833 geboren. Nach einer Banklehre und zahlreichen Auslandsaufenthalten gelangte er als Börsenanalyst zu großem Reichtum, u. a. bei der Finanzierung des Suezkanals. 1881 erhob Herzog Georg von Sachsen-Meiningen Sarter in den Adelsstand. Bereits 1882 legte Baron Stephan von Sarter den Grundstein zu einem repräsentativen Wohnsitz: Schloss Drachenburg, einer Mischung aus Villa, Burg und Schloss.
Das Düsseldorfer Architektenduo Leo von Abbema und Bernhard Tüshaus fertigte die ersten Pläne, die der in Paris lebende Architekt Wilhelm Hoffmann, ein Schüler des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner, überarbeitete. Die historistische Architektur und prachtvolle Ausstattung des Schlosses fanden schon unter Zeitgenossen viele Bewunderer. Sarter bewohnte sein Schloss jedoch nie. Seine Wahlheimat war Paris, wo der Junggeselle 1902 verstarb, ohne seinen Nachlass geregelt zu haben. Jakob Biesenbach, ein Neffe Sarters, kaufte das Schloss aus der Erbmasse.
1903 – Schloss Drachenburg wird Sommerfrische
Jakob Biesenbach hatte als Kind die Grundsteinlegung des Schlosses miterlebt und einige Zeit auf der nahe gelegenen Hirschburg gewohnt. Der Jurist beabsichtigte, Schloss Drachenburg touristisch zu erschließen. Er ließ den mittelalterlichen Burghof, der damals zum Anwesen gehörte, abreißen und baute an seiner Stelle 1904 ein Hotel im «Schweizer Stil». Im Park von Schloss Drachenburg errichtete Biesenbach «nordische» Blockhäuser als exklusive Ferienwohnungen. Für eine stimmungsvolle Rahmung sorgten neu gepflanzte Nadelhölzer und ein Wildgehege. Schloss Drachenburg wurde in eine Art Gesellschaftshaus verwandelt: Im Souterrain befand sich ein Restaurant und die elegant ausgestatteten Räume des Schlosses konnten gegen Entgelt besichtigt werden. Als Souvenirs wurden Postkartenserien und Lithografien mit Außen- und Innenansichten sowie Details der Wandgemälde angeboten.

1910 – Der geplante Volksvergnügungspark
1910 verkaufte Biesenbach das Anwesen an den Rittmeister a. D. Egbert von Simon. Dessen Pläne übertrafen die gemäßigten touristischen Ambitionen seines Vorgängers. Schloss Drachenburg sollte als Freizeitpark Besuchermassen anziehen und damit wirtschaftlich attraktiv werden. Neben einem großen Festspieltheater waren ein Hotel und eine Luftschiffhalle mit Luftschiff für kurze Vergnügungsfahrten vorgesehen. Von Simon konnte die Attraktionen aber nicht finanzieren. Er veranstaltete lediglich Gartenbau- und Kunstausstellungen und betrieb ein Naturtheater. 1915 fiel er im Ersten Weltkrieg.
1923 – Soziales Engagement eines Fabrikanten
Hermann Flohr, der einige Jahre als Mieter das Schloss bewohnt hatte, ersteigerte 1921 den Burghof und 1923 Schloss Drachenburg. Der Kölner Kaufmann und Fabrikant stellte mehrere Blockhäuser dem Frauenverein des Deutschen Roten Kreuzes als Genesungsheim zur Verfügung und nutzte das Schloss als Wochenendresidenz.1930 beschloss er, das Anwesen einem katholischen Orden zu übergeben. Große Teile der Inneneinrichtung wurden versteigert, im Jahr darauf bezogen die Christlichen Schulbrüder das Schloss.
1931 – Christliches Internat – die Kunsthalle wird Kapelle
Schloss Drachenburg war für den Orden der Christlichen Schulbrüder ein geeigneter Ort, pädagogisch wirksam zu werden. In relativer Abgeschiedenheit eröffneten sie ein Jungeninternat, die Heimschule St. Michael. Als anzüglich empfundene Gestalten wie die Venus auf der gleichnamigen Terrasse oder die Bacchantinnen im Kneipzimmer wurden entfernt bzw. verdeckt. Die Ordensleute verwandelten das ehemalige Trinkstübchen in eine Sakristei und nutzten die neogotische Kunsthalle als Kapelle. Klassenräume befanden sich im Schloss, Schlafstellen für die Jugendlichen in den teilweise umgebauten Blockhäusern. So bot Schloss Drachenburg seinen Bewohnern in einer sehr angespannten Zeit nahezu idyllische Verhältnisse. 1938 musste die Heimschule St. Michael jedoch auf Druck der Nationalsozialisten ihre Pforten schließen.


1942 – Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg
Eine nationalsozialistische Eliteschule, die Adolf-Hitler-Schule (AHS 3), bezog 1942 Schloss Drachenburg. Die nachhaltigste bauliche Veränderung aus dieser Zeit ist die Zerstörung des ursprünglichen Hauptportals. Statt der zierlichen doppelläufigen Treppenanlage, die zu einem giebelbekrönten Portikus führte, wurde der Eingang durch eine breite Treppe monumentalisiert. Auch der Park erfuhr durch Aufschüttungen für das Aufstellen von Geschützen starke Veränderungen. Schließlich geriet das Schloss unter Beschuss. Fast alle Glasmalereien gingen dabei zu Bruch, und die Kunsthalle wurde stark beschädigt. Am Ende des Krieges besetzten amerikanische Truppen das Schloss, später diente es als Flüchtlingsquartier.
Exkurs: Adolf-Hitler-Schule
(diese Passage ist nicht in jedem Reiseführer enthalten; Anm. der Redaktion von Catracho global)
Am 19. September 1940 erwarb die Deutsche Arbeitsfront (DAF) Schloss Drachenburg einschließlich des Burghofs von den Schulbrüdern für 600.000 Reichsmark, um dorthin die bisher provisorisch in der Ordensburg Sonthofen in Bayern untergebrachte und eigentlich für Waldbröl vorgesehene Adolf-Hitler-Schule „3“ für den Gau Köln-Aachen zur Ausbildung nationalsozialistischer Führungskräfte zu verlegen. Am 31. Oktober 1940 wurde der DAF das Schlossensemble übergeben und dieses anschließend für die neue Nutzung umgebaut. Nach dem Ende des Jahres 1941 erfolgten Umzug der Schule nach Königswinter mussten die Schüler und das Lehrpersonal aufgrund der noch andauernden Umbauarbeiten zunächst im Hotel Berliner Hof sowie der Landesführerschule im Hotel Mattern wohnen und konnten erst im Sommer 1942 das Schloss beziehen. Dem Umbau fiel der originale Haupteingang, eine zweiläufige Treppenanlage mit einem Portikus, zum Opfer. Sie musste einer einfachen Monumentaltreppe weichen. Die abgebrochenen Werksteine wurden als Bauschutt im Park verstreut. Der Park diente der militärischen Ausbildung der Schüler. Im Verlauf des Krieges wurden unterhalb des Schlosses Flak– und Gefechtsstellungen eingerichtet. Ab dem Sommer 1944 war auch die vormals in der Ordensburg Vogelsang ansässige Koblenzer Adolf-Hitler-Schule „4“ auf Schloss Drachenburg untergebracht.
1947 – Ein Schulungszentrum belebt das Anwesen
Ein Glück für Schloss Drachenburg, dass die Reichsbahndirektion Wuppertal 1947 das Anwesen für sich als Schulungszentrum entdeckte und anmietete. Die Kunsthalle wurde wiederhergestellt, dabei ihr Dach erneuert und die ursprünglich verglaste Parkseite vermauert, um die Rheinseite ausbessern zu können. Ein maßstabgerechtes Lehrstellwerk bereicherte hier, im größten Raum des Schlosses, den Unterricht. Auch die anderen Räume dienten Schulungszwecken. Der Direktor hatte sein Büro im Nibelungenzimmer. 1960 verlegte die Deutsche Bundesbahn die Schule und verließ Schloss Drachenburg.
1971 – Verfall und Neuanfang, die Ära Spinat
Die kommenden 10 Jahre, von 1960-1970, stand Schloss Drachenburg leer und verfiel zusehends. Die Inneneinrichtung wurde stark in Mitleidenschaft gezogen: die geschnitzten Holzvertäfelungen dienten als Feuerholz, große Partien der Wandgemälde im Treppenhaus, Nibelungen- und Speisezimmer wurden ganz oder in Teilen entwendet. Ein geplanter Abriss konnte 1963 verhindert werden, aber erst 1971 erwarb ein Privatmann das Anwesen. Der Textilkaufmann Paul Spinat ließ das Ensemble wieder instandsetzen und neu ausstatten. Junge Künstler schufen dabei teilweise freie Rekonstruktion der fehlenden Wandmalereien. 1973 machte Spinat Schloss Drachenburg einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Bis zu seinem Tode 1989 residierte der exzentrische Schlossherr, um den sich zahlreiche Geschichten ranken, auf der Drachenburg bzw. im Burghof.
Exkurs: Der Godesberger Textilunternehmer Paul Spinat als Glücksritter & Burgherr auf Schloss Drachenburg

Paul Spinat war ein erfolgreicher Unternehmer in der Textilbranche. Bekannt- und Berühmtheit erlangte er durch den Kauf der Schlösser Marienfels (Stadt Remagen) und Drachenburg (Stadt Königswinter) und deren eigenwillige Restaurierung und Ausstattung.

Paul Spinat wurde am 3.11.1904 in Godesberg (heute Stadt Bonn) als Sohn des Postbeamten Peter Spinat (1879-1953) und seiner Ehefrau Anna Maria Weber (1882-1947) geboren. Die Mutter war ebenfalls berufstätig, sie betrieb seit 1925 einen Kiosk mit „Schreibwaren und Konfitüren“ neben der Godesberger Burgschule. Spinat besuchte das Aloisiuskolleg und bewunderte dort die adeligen Mitschüler. Nach dem Schulabschluss nahm er eine Lehre als Bankkaufmann in der Sparkasse in Godesberg auf und arbeitete sich hier immerhin bis zum Vize-Direktor hoch.
Am 17.1.1931 heiratete der Sparkassensekretär Spinat Gertrud „Trude“ Heimann (geboren 1910). Die gemeinsame Tochter Erika kam im Mai des gleichen Jahres zur Welt. Für seine junge Familie erwarb Spinat 1933/1934 auf der Viktorshöhe im heutigen Bonner Ortsteil Schweinheim ein Grundstück und baute in der Waldstraße 31 ein einfaches Holzhaus. Während des Zweiten Weltkriegs diente Spinat als Oberleutnant der Marine. Nach der Währungsreform 1948 entschied er sich den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Am 18.3.1949 meldete er auf dem Gewerbeamt der Bad Godesberger Stadtverwaltung seine Firma „Spitan-Bekleidung“ an. Unternehmenszweck war die „fabrikmässige Fertigung von Kleidern“, Sitz das Haus in der Waldstraße 31. Während Paul Spinat als Geschäftsführer für den Einkauf der Stoffe und den Vertrieb der Produkte zuständig war, übernahm seine Tochter Erika den Entwurf und die Herstellung von maßgeschneiderten Damenkleidern. Das Geschäft entwickelte sich erfolgreich, 1950 waren bei Spitan schon 18 Personen beschäftigt.
Während es beruflich aufwärts ging, kam es in Spinats Privatleben zu einer Trennung. Seine Frau hatte nach dem Krieg einen anderen Mann, einen Amerikaner kennengelernt, die Ehe ging in die Brüche und wurde 1950 geschieden. Sein Geld steckte Spinat seit 1956 in den Um- und Ausbau seines Wohnhauses nach eigenen Vorstellungen und in Kunstgegenstände. 1968 berichtete die „Bonner Rundschau“ über die eigenwillige Gestaltung des Gebäudes, dessen Zinnen, Bogen und Türmchen schlossähnliche Merkmale aufwiesen. Auch ein Familienwappen fehlte nicht. Im Inneren des Hauses befand sich Spinats Sammlung von Kunst und Kitsch, die er zum Teil über seinen Onkel, den Auktionator Bernhard Spinat (1883-1969), erworben haben dürfte. Im August 1968 heiratete er seine zweite Frau, Karla Laber-Kuban (1928-1982).
Auf seinem riesigen Grundstück errichtete er Ende der 1960er Jahre drei weitere Häuser, von denen er eines als Residenz für den indischen Botschafter vermietete. Im Alter von 67 Jahren erfüllte sich Spinat einen Kindheitstraum: Mit dem Kauf und Besitz von Schloss Drachenburg zeigte er gleichzeitig, dass er es zu etwas gebracht hatte. Die Gründerzeitvilla „Schloss Drachenburg“ war von dem in Bonn geborenen und in Paris lebenden Bank- und Börsenexperten Stephan von Sarter nach seiner Nobilitierung zwischen 1882 und 1884 erbaut worden. Bekannte Künstler hatten die Innenausstattung gestaltet. Ab 1931 hatte sie als katholische Internatsschule, dann kurz als Adolf-Hitler-Schule gedient. Nach 1945 im Besitz des Staates, hatte die Eisenbahnverwaltung die Immobilie als Einrichtung zur Personalschulung genutzt. Seit der Verlegung der Eisenbahnerschule 1960 stand das Gebäude über ein Jahrzehnt leer. Eine Nutzung als Schulungseinrichtung für die Landesfinanzverwaltung, aber auch der Abriss wurde diskutiert. Proteste der Denkmalpflege, von Bevölkerung und Politikern verhinderten zwar letzteres, die Frage der Nutzung blieb jedoch weiterhin offen.
Paul Spinat wandte sich 1971 an die nordrhein-westfälische Landesregierung und machte ein Angebot für Schloss Drachenburg. Die Darlegung seiner Vermögensverhältnisse und eines Konzeptes für das bis dahin ungenutzt verfallende Gebäude überzeugte die Landesregierung von der Ernsthaftigkeit des Bieters. Der Schätzwert der Immobilie lag bei 450.000 DM; einzige Auflage war, das Gelände der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Kaufsumme im Vertrag vom 10.12.1971 betrug schließlich 500.000 DM, zahlbar innerhalb von zehn Jahren. Den Kauf finanzierte Spinat über einen Bausparvertrag bei einer schwäbischen Bausparkasse.
Die eigenwillige Weise, in der Spinat Schloss Drachenburg mit Elan „restaurierte“ und ausstattete, war eine Mischung von Notwendigem und sehr persönlichem Geschmack. Die fehlenden Turmhauben der Südfassade wurden wieder aufgesetzt, die Figuren von Julius Caesar, Karl dem Großen und Wilhelm I. mit Schlagmetall „vergoldet», die Burgterrasse und der Park erhielten neuen Zierrat. Bei der Innenausstattung versuchte er mit Hilfe von Restauratoren und Künstlern die verstümmelten Gemäldezyklen der Repräsentationsräume zu rekonstruieren. Allerdings blieb vieles aus Kostengründen nur Improvisation und zudem sehr vom Geschmack Spinats geprägt. Möbel und Tand zogen in die Räume ein. Außerdem reichten Spinats Finanzen nicht wirklich, um Erhalt und Unterhalt von Schloss Drachenburg zu tragen. Auch die nach der Wiedereröffnung 1973 Eintrittsgelder zahlenden Besucher – angeblich 200.000 im Jahr -, deckten nicht die laufenden Kosten. Spinat bemühte sich daher um „Events“. Schon früh fanden regelmäßig Konzerte auf der Drachenburg statt, unter anderem des Chur-Cölnischen Orchesters. Durch den Bonner Kunstsammler und Galeristen Hermann Wünsche (1941-1993) kamen weltberühmte Künstler und ihre Kunstwerke auf die Drachenburg. Wünsche, der seine Galerie 1981 in den Bredershof in Königswinter-Niederdollendorf verlegte, brachte Andy Warhol (1928-1987) mit auf Schloss Drachenburg. Warhol nahm ein Foto der Vorburg als Vorlage für eines seiner Kunstwerke. Wünsche stellte im gleichen Jahr erstmals auf der Drachenburg Kunstwerke von Marc Chagall (1887-1985) aus. Im Jahr darauf folgte eine Ausstellung „Literarische Zyklen“ mit Werken von Salvador Dalí (1904-1989).

Spinat inszenierte Schloss Drachenburg, aber vor allem gerne sich. Als standesgemäßes Fahrzeug für einen Schlossherrn erschien ihm ein goldener Rolls Royce Silver Shadow, in dem er sich von seinem Fahrer durch Königswinter chauffieren ließ. Auch empfing er Gäste gerne in einer Phantasieuniform. Um Besucher zu beeindrucken, ließ er eine Freitreppe in die Kunsthalle einbauen, die zwar ins Nichts führte, aber von der aus er seine Gäste begrüßen konnte. Auf der neugotischen Balustrade an der Ostwand des Musikzimmers stand eine Orgelattrappe, die teilweise aus Regenfallrohren bestand. Spinat setzte sich mit Vorliebe an das „Instrument“ und gab für Besucher „Orgelkonzerte“, wobei er das Orgelspiel mimte, während die Musik vom Tonbandgerät kam. In Königswinter kursieren heute noch zahlreiche Anekdoten über Erlebnissen mit dem exzentrischen Schlossherrn.
Zudem hatte Spinat 1975 ein weiteres repräsentatives Gebäude erworben: Schloss Marienfels bei Remagen. Das 1859-1863 von dem Architekten Karl Schnitzler (1789-1864) für den (Krefeld-) Uerdinger Zuckerfabrikanten Eduard Frings (1816-1875) als Landhaus erbaute Gebäude beherbergte in den 1960er Jahren ein Sanatorium. Spinat begann auch hier sogleich mit der Renovierung, deren sichtbarstes Zeichen bis heute der leuchtend weiße Außenanstrich ist.
Drei Jahre nach dem Tod seiner Frau Karla, im Juli 1985, heiratete Spinat zum dritten Mal, diesmal eine Adelige: Erina Prinzessin von Sachsen (1921-2010). Sie war jedoch keine geborene Adelige, sondern als Erna Eilts in Emden zur Welt gekommen und war Wirtin der Szenekneipe „Mariandl“. 1974 hatte sie in dritter Ehe den Prinzen Timo von Sachsen (1923-1982), den Enkel des letzten Königs von Sachsen Friedrich August III. (1865-1932), geheiratet. Durch die Hochzeit war Paul Spinat zwar nicht selbst adelig geworden – was er möglicherweise insgeheim erhofft hatte -, aber nichtsdestotrotz verbreitete er, er stamme von einem „Comte de Spina´t“ ab.
Im März 1986 erhielt Spinat endlich die Würdigung und Anerkennung, die er sich als Burgherr wohl immer erhofft hatte. Für seine Verdienste um den Erhalt von Schloss Drachenburg wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Aller vermeintlicher Glanz und Glamour aber konnte nicht verhindern, dass Spinat hohe Schulden anhäufte und Schloss Drachenburg trotz aller Bemühungen wieder verfiel. Schweren Herzens musste er sich sowohl von Schloss Drachenburg als auch von Schloss Marienfels trennen. Als Käufer trat im Dezember 1988 der „Burgenkönig“ Herbert Hillebrand (geboren 1940) auf. Quasi in letzter Minute entschied sich im Februar 1989 das Land Nordrhein-Westfalen, sein Vorkaufsrecht wahrzunehmen und erwarb die Immobilie für acht Millionen DM. Schloss Marienfels wurde hingegen von Hillebrand gekauft. Nach einer erneuten Renovierung vermietete er es von 1994 bis 1999 an die Republik Kasachstan, der es als Botschaftsgebäude diente. Anschließend war es Wohnsitz der Familie Hillebrand. Im November 2004 erwarb schließlich der Fernsehmoderator Thomas Gottschalk (geboren 1950) Schloss Marienfels. Seit Januar 2013 befindet es sich im Besitz des Bonner Solarworld-Unternehmers Frank Asbeck.
Spinat starb am 23.2.1989. Sein Grab auf dem Königswinterer Friedhof am Palastweiher liegt direkt neben dem Grab des Erbauers von Schloss Drachenburg, Stephan von Sarter. (…. «Noblesse oblige»; Anm. der Redaktion von Catracho global.)
Paul Spinats Verdienst ist es, die Diskussion um einen Abriss von Schloss Drachenburg beendet zu haben. Es war ihm aber nicht möglich, die Anlage vor dem Verfall zu retten, dafür reichte sein Geld nicht aus. Aber er konnte ihn eine Zeit lang verzögern. Die Räume wurden genutzt und beheizt, trotzdem war der Schwamm eingezogen, das Treppenhaus eingebrochen. Erst die Nordrhein-Westfalen-Stiftung realisierte eine Sanierung und behutsame Restaurierung des Gebäudes und seiner Ausstattung. Sie brauchte dafür vom Kauf bis zur Wiedereröffnung im Jahre 2010 insgesamt 21 Jahre und 31,5 Millionen Euro.
Quelle dieses Exkurses: Klein, Ansgar S., Paul Spinat, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/paul-spinat/DE-2086/lido/57c953a4e71d33.81170891 (abgerufen am 17.08.2026)
1986 – Denkmalschutz und Restaurierung
1986 wurde Schloss Drachenburg unter Denkmalschutz gestellt. Die dringend erforderlichen Schritte zu einer umfassenden Restaurierung leitete 1989 die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege ein. Seit 1995 ließ die NRW-Stiftung in enger Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Königswinter das Ensemble Schloss Drachenburg behutsam restaurieren. Die Sonderausstellung «Wegen Renovierung geöffnet – Einblicke in die Baustelle Schloss Drachenburg» informierte die Besucher von 2003 bis 2009 ausführlich über die Restaurierungsarbeiten. Seit Frühjahr 2010 sind die Sanierungsarbeiten im Schloss beendet und alle restaurierten und remöblierten Räume wieder für die Besucher zugänglich. Der Landschaftspark des Ensembles konnte 2011 vollständig fertiggestellt werden.
KONTAKT
Schloss Drachenburg gGmbH
Drachenfelsstraße 118
53639 Königswinter



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