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Catracho Global

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Eine «normale» deutsche Geschichte von Erfolg & Scheitern

agosto 17, 2026 por Catracho Global Deja un comentario

Stephan von Sarter, Bauherr der Drachenburg

(Die Redaktion von Catracho global dankt ‘Wikipedia’ für ihre hier wiedergegebenen Recherchen.)

Stephan von Sarter, um 1858
Sarters Grab auf dem Friedhof Am Palastweiher in Königswinter bei Bonn

Freiherr Cornelius Stephan von Sarter (* 20. Dezember 1833 in Bonn; † 30. März 1902 in Paris) war ein deutsch-französischer Finanzfachmann, Börsen- und Unternehmensanalyst sowie Anleger, der als Erbauer des Schlosses Drachenburg bekannt wurde.

Leben

Cornelius Stephan von Sarter wurde als Sohn des Bonner Gastwirtes Johann Gottfried Sarter (1788–1862) und seiner Ehefrau Caroline (1802–1880) geboren. Als der Vater 1834 nach einem Streit mit einem zahlungssäumigen Studenten das Gasthaus „Zum Helm“ aufgeben musste, das bei einem Trinkgelage von Studenten zerstört worden war, zog die Familie zu Verwandten nach Köln. Stephan Sarter verließ 1849 das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln mit der Mittleren Reife und machte danach eine Ausbildung beim Kölner Bankhaus Leopold Seligmann. 1856 wechselte er zum Bankhaus Salomon Oppenheim und wurde bald zu dessen Filiale in Paris versetzt.

Zunächst als Analyst für die Bewertung von Anleihen und Aktiengesellschaften tätig machte er sich ab 1862 selbständig und erzielte mit Spekulationsgeschäften, wie z. B. mit Aktien der Sueskanal-Gesellschaft, deren Gründer, Ferdinand de Lesseps, zu seinen Geschäftsfreunden zählte, großen Reichtum. In eigenen Broschüren und einem eigenen Börsenblatt veröffentlichte er seine Einschätzungen des Kapitalmarkts.

Mit Hilfe einer Spende von 40.000 Mark wurde Stephan Sarter am 22. Mai 1881 durch Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen in den Freiherrenstand erhoben. Der damalige deutsche Botschafter in Paris, Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, stellte ihm ein wohlwollendes Gutachten aus, wahrscheinlich beeinflusst durch Sarters Mitgliedschaft im Deutschen Hilfsverein. Der Stadt Meiningen ließ er weitere 25.000 Mark für ein Armenhaus zukommen, das den Namen Sarter-Stift trägt. Als Freiherren-Wappen wählte er eine Waage, getreu seinem Motto: Wäge und wage!

Als er durch die Erhebung in den Adelsstand zur gehobenen Gesellschaft gehörte, ließ Sarter von 1882 bis 1884 für insgesamt 1,7 Mio. Mark das Schloss Drachenburg erbauen. Für den Bau einer standesgemäßen Villa wählte Sarter nicht seine Wahlheimat Paris, sondern den vielbesuchten Drachenfels in Sichtweite seiner Geburtsstadt. Mit dem Bau von Schloss Drachenburg schuf Sarter eine selbstbewusste und weithin sichtbare Demonstration seines Ansehens und Reichtums. Sarter baute das Schloss, um es mit einer Jugendliebe zu beziehen. Bei der Fertigstellung war jene Geliebte bereits verstorben, weswegen er das Schloss nie bezog. Er lebte bis zu seinem Tod in Paris und nahm 1890 die französische Staatsbürgerschaft an. Schloss Drachenburg nutzte er lediglich, um dort prominente Gäste zu empfangen.

Von Sarter starb in seiner Pariser Mietwohnung um Ostern 1902 an einer Lungenentzündung. Auf seiner französischen Totenbescheininung steht Cornelius Etienne Sarter. Der deutsche Adelstitel war in Frankreich nicht offiziell anerkannt worden. Erst ein Jahr später wurde er nach Deutschland überführt. Sein Grab befindet sich unterhalb der Drachenburg auf dem Friedhof Am Palastweiher in Königswinter.

Und was sagt uns der Internetauftritt von Schloss Drachenburg zur Geschichte danach?

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1882 – Der architektonische Traum

Stephan Sarter wurde als jüngster Sohn eines Bonner Gastwirts 1833 geboren. Nach einer Banklehre und zahlreichen Auslandsaufenthalten gelangte er als Börsenanalyst zu großem Reichtum, u. a. bei der Finanzierung des Suezkanals. 1881 erhob Herzog Georg von Sachsen-Meiningen Sarter in den Adelsstand. Bereits 1882 legte Baron Stephan von Sarter den Grundstein zu einem repräsentativen Wohnsitz: Schloss Drachenburg, einer Mischung aus Villa, Burg und Schloss.

Das Düsseldorfer Architektenduo Leo von Abbema und Bernhard Tüshaus fertigte die ersten Pläne, die der in Paris lebende Architekt Wilhelm Hoffmann, ein Schüler des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner, überarbeitete. Die historistische Architektur und prachtvolle Ausstattung des Schlosses fanden schon unter Zeitgenossen viele Bewunderer. Sarter bewohnte sein Schloss jedoch nie. Seine Wahlheimat war Paris, wo der Junggeselle 1902 verstarb, ohne seinen Nachlass geregelt zu haben. Jakob Biesenbach, ein Neffe Sarters, kaufte das Schloss aus der Erbmasse.

1903 – Schloss Drachenburg wird Sommerfrische

Jakob Biesenbach hatte als Kind die Grundsteinlegung des Schlosses miterlebt und einige Zeit auf der nahe gelegenen Hirschburg gewohnt. Der Jurist beabsichtigte, Schloss Drachenburg touristisch zu erschließen. Er ließ den mittelalterlichen Burghof, der damals zum Anwesen gehörte, abreißen und baute an seiner Stelle 1904 ein Hotel im «Schweizer Stil». Im Park von Schloss Drachenburg errichtete Biesenbach «nordische» Blockhäuser als exklusive Ferienwohnungen. Für eine stimmungsvolle Rahmung sorgten neu gepflanzte Nadelhölzer und ein Wildgehege. Schloss Drachenburg wurde in eine Art Gesellschaftshaus verwandelt: Im Souterrain befand sich ein Restaurant und die elegant ausgestatteten Räume des Schlosses konnten gegen Entgelt besichtigt werden. Als Souvenirs wurden Postkartenserien und Lithografien mit Außen- und Innenansichten sowie Details der Wandgemälde angeboten.

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1910 – Der geplante Volksvergnügungspark

1910 verkaufte Biesenbach das Anwesen an den Rittmeister a. D. Egbert von Simon. Dessen Pläne übertrafen die gemäßigten touristischen Ambitionen seines Vorgängers. Schloss Drachenburg sollte als Freizeitpark Besuchermassen anziehen und damit wirtschaftlich attraktiv werden. Neben einem großen Festspieltheater waren ein Hotel und eine Luftschiffhalle mit Luftschiff für kurze Vergnügungsfahrten vorgesehen. Von Simon konnte die Attraktionen aber nicht finanzieren. Er veranstaltete lediglich Gartenbau- und Kunstausstellungen und betrieb ein Naturtheater. 1915 fiel er im Ersten Weltkrieg.

1923 – Soziales Engagement eines Fabrikanten

Hermann Flohr, der einige Jahre als Mieter das Schloss bewohnt hatte, ersteigerte 1921 den Burghof und 1923 Schloss Drachenburg. Der Kölner Kaufmann und Fabrikant stellte mehrere Blockhäuser dem Frauenverein des Deutschen Roten Kreuzes als Genesungsheim zur Verfügung und nutzte das Schloss als Wochenendresidenz.1930 beschloss er, das Anwesen einem katholischen Orden zu übergeben. Große Teile der Inneneinrichtung wurden versteigert, im Jahr darauf bezogen die Christlichen Schulbrüder das Schloss.

1931 – Christliches Internat – die Kunsthalle wird Kapelle

Schloss Drachenburg war für den Orden der Christlichen Schulbrüder ein geeigneter Ort, pädagogisch wirksam zu werden. In relativer Abgeschiedenheit eröffneten sie ein Jungeninternat, die Heimschule St. Michael. Als anzüglich empfundene Gestalten wie die Venus auf der gleichnamigen Terrasse oder die Bacchantinnen im Kneipzimmer wurden entfernt bzw. verdeckt. Die Ordensleute verwandelten das ehemalige Trinkstübchen in eine Sakristei und nutzten die neogotische Kunsthalle als Kapelle. Klassenräume befanden sich im Schloss, Schlafstellen für die Jugendlichen in den teilweise umgebauten Blockhäusern. So bot Schloss Drachenburg seinen Bewohnern in einer sehr angespannten Zeit nahezu idyllische Verhältnisse. 1938 musste die Heimschule St. Michael jedoch auf Druck der Nationalsozialisten ihre Pforten schließen.

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1942 – Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg

Eine nationalsozialistische Eliteschule, die Adolf-Hitler-Schule (AHS 3), bezog 1942 Schloss Drachenburg. Die nachhaltigste bauliche Veränderung aus dieser Zeit ist die Zerstörung des ursprünglichen Hauptportals. Statt der zierlichen doppelläufigen Treppenanlage, die zu einem giebelbekrönten Portikus führte, wurde der Eingang durch eine breite Treppe monumentalisiert. Auch der Park erfuhr durch Aufschüttungen für das Aufstellen von Geschützen starke Veränderungen. Schließlich geriet das Schloss unter Beschuss. Fast alle Glasmalereien gingen dabei zu Bruch, und die Kunsthalle wurde stark beschädigt. Am Ende des Krieges besetzten amerikanische Truppen das Schloss, später diente es als Flüchtlingsquartier.

Exkurs: Adolf-Hitler-Schule

(diese Passage ist nicht in jedem Reiseführer enthalten; Anm. der Redaktion von Catracho global)

Am 19. September 1940 erwarb die Deutsche Arbeitsfront (DAF) Schloss Drachenburg einschließlich des Burghofs von den Schulbrüdern für 600.000 Reichsmark, um dorthin die bisher provisorisch in der Ordensburg Sonthofen in Bayern untergebrachte und eigentlich für Waldbröl vorgesehene Adolf-Hitler-Schule „3“ für den Gau Köln-Aachen zur Ausbildung nationalsozialistischer Führungskräfte zu verlegen. Am 31. Oktober 1940 wurde der DAF das Schlossensemble übergeben und dieses anschließend für die neue Nutzung umgebaut. Nach dem Ende des Jahres 1941 erfolgten Umzug der Schule nach Königswinter mussten die Schüler und das Lehrpersonal aufgrund der noch andauernden Umbauarbeiten zunächst im Hotel Berliner Hof sowie der Landesführerschule im Hotel Mattern wohnen und konnten erst im Sommer 1942 das Schloss beziehen. Dem Umbau fiel der originale Haupteingang, eine zweiläufige Treppenanlage mit einem Portikus, zum Opfer. Sie musste einer einfachen Monumentaltreppe weichen. Die abgebrochenen Werksteine wurden als Bauschutt im Park verstreut. Der Park diente der militärischen Ausbildung der Schüler. Im Verlauf des Krieges wurden unterhalb des Schlosses Flak– und Gefechtsstellungen eingerichtet. Ab dem Sommer 1944 war auch die vormals in der Ordensburg Vogelsang ansässige Koblenzer Adolf-Hitler-Schule „4“ auf Schloss Drachenburg untergebracht.

1947 – Ein Schulungszentrum belebt das Anwesen

Ein Glück für Schloss Drachenburg, dass die Reichsbahndirektion Wuppertal 1947 das Anwesen für sich als Schulungszentrum entdeckte und anmietete. Die Kunsthalle wurde wiederhergestellt, dabei ihr Dach erneuert und die ursprünglich verglaste Parkseite vermauert, um die Rheinseite ausbessern zu können. Ein maßstabgerechtes Lehrstellwerk bereicherte hier, im größten Raum des Schlosses, den Unterricht. Auch die anderen Räume dienten Schulungszwecken. Der Direktor hatte sein Büro im Nibelungenzimmer. 1960 verlegte die Deutsche Bundesbahn die Schule und verließ Schloss Drachenburg.

1971 – Verfall und Neuanfang, die Ära Spinat

Die kommenden 10 Jahre, von 1960-1970, stand Schloss Drachenburg leer und verfiel zusehends. Die Inneneinrichtung wurde stark in Mitleidenschaft gezogen: die geschnitzten Holzvertäfelungen dienten als Feuerholz, große Partien der Wandgemälde im Treppenhaus, Nibelungen- und Speisezimmer wurden ganz oder in Teilen entwendet. Ein geplanter Abriss konnte 1963 verhindert werden, aber erst 1971 erwarb ein Privatmann das Anwesen. Der Textilkaufmann Paul Spinat ließ das Ensemble wieder instandsetzen und neu ausstatten. Junge Künstler schufen dabei teilweise freie Rekonstruktion der fehlenden Wandmalereien. 1973 machte Spinat Schloss Drachenburg einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Bis zu seinem Tode 1989 residierte der exzentrische Schlossherr, um den sich zahlreiche Geschichten ranken, auf der Drachenburg bzw. im Burghof.

Exkurs: Der Godesberger Textilunternehmer Paul Spinat als Glücksritter & Burgherr auf Schloss Drachenburg

Paul Spinat, auch als Nachfahre eines italienischen ‘Comte de Spina’ (t) aufgetreten

Paul Spi­nat war ein er­folg­rei­cher Un­ter­neh­mer in der Tex­til­bran­che. Be­kannt- und Be­rühmt­heit er­lang­te er durch den Kauf der Schlös­ser Ma­ri­en­fels (Stadt Re­ma­gen) und Dra­chen­burg (Stadt Kö­nigs­win­ter) und de­ren ei­gen­wil­li­ge Re­stau­rie­rung und Aus­stat­tung. 

Spinats Rolls Royce im Garten seines ‘Traums’ Schloss Drachenburg

Paul Spi­nat wur­de am 3.11.1904 in Go­des­berg (heu­te Stadt Bonn) als Sohn des Post­be­am­ten Pe­ter Spi­nat (1879-1953) und sei­ner Ehe­frau An­na Ma­ria We­ber (1882-1947) ge­bo­ren. Die Mut­ter war eben­falls be­rufs­tä­tig, sie be­trieb seit 1925 ei­nen Ki­osk mit „Schreib­wa­ren und Kon­fi­tü­ren“ ne­ben der Go­des­ber­ger Burg­schu­le. Spi­nat be­such­te das Aloi­si­us­kol­leg und be­wun­der­te dort die ade­li­gen Mit­schü­ler. Nach dem Schul­ab­schluss nahm er ei­ne Leh­re als Bank­kauf­mann in der Spar­kas­se in Go­des­berg auf und ar­bei­te­te sich hier im­mer­hin bis zum Vi­ze-Di­rek­tor hoch. 

Am 17.1.1931 hei­ra­te­te der Spar­kas­sen­se­kre­tär Spi­nat Ger­trud „Tru­de“ Hei­mann (ge­bo­ren 1910). Die ge­mein­sa­me Toch­ter Eri­ka kam im Mai des glei­chen Jah­res zur Welt. Für sei­ne jun­ge Fa­mi­lie er­warb Spi­nat 1933/1934 auf der Vik­tor­s­hö­he im heu­ti­gen Bon­ner Orts­teil Schwein­heim ein Grund­stück und bau­te in der Wald­stra­ße 31 ein ein­fa­ches Holz­haus. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs dien­te Spi­nat als Ober­leut­nant der Ma­ri­ne. Nach der Wäh­rungs­re­form 1948 ent­schied er sich den Schritt in die Selb­stän­dig­keit zu wa­gen. Am 18.3.1949 mel­de­te er auf dem Ge­wer­be­amt der Bad Go­des­ber­ger Stadt­ver­wal­tung sei­ne Fir­ma „Spi­tan-Be­klei­dun­g“ an. Un­ter­neh­mens­zweck war die „fa­brik­mäs­si­ge Fer­ti­gung von Klei­dern“, Sitz das Haus in der Wald­stra­ße 31. Wäh­rend Paul Spi­nat als Ge­schäfts­füh­rer für den Ein­kauf der Stof­fe und den Ver­trieb der Pro­duk­te zu­stän­dig war, über­nahm sei­ne Toch­ter Eri­ka den Ent­wurf und die Her­stel­lung von ma­ß­ge­schnei­der­ten Da­men­klei­dern. Das Ge­schäft ent­wi­ckel­te sich er­folg­reich, 1950 wa­ren bei Spi­tan schon 18 Per­so­nen be­schäf­tigt. 

Wäh­rend es be­ruf­lich auf­wärts ging, kam es in Spi­nats Pri­vat­le­ben zu ei­ner Tren­nung. Sei­ne Frau hat­te nach dem Krieg ei­nen an­de­ren Mann, ei­nen Ame­ri­ka­ner ken­nen­ge­lernt, die Ehe ging in die Brü­che und wur­de 1950 ge­schie­den. Sein Geld steck­te Spi­nat seit 1956 in den Um- und Aus­bau sei­nes Wohn­hau­ses nach ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen und in Kunst­ge­gen­stän­de. 1968 be­rich­te­te die „Bon­ner Rund­schau“ über die ei­gen­wil­li­ge Ge­stal­tung des Ge­bäu­des, des­sen Zin­nen, Bo­gen und Türm­chen schloss­ähn­li­che Merk­ma­le auf­wie­sen. Auch ein Fa­mi­li­en­wap­pen fehl­te nicht. Im In­ne­ren des Hau­ses be­fand sich Spi­nats Samm­lung von Kunst und Kitsch, die er zum Teil über sei­nen On­kel, den Auk­tio­na­tor Bern­hard Spi­nat (1883-1969), er­wor­ben ha­ben dürf­te. Im Au­gust 1968 hei­ra­te­te er sei­ne zwei­te Frau, Kar­la La­ber-Ku­ban (1928-1982). 

Auf sei­nem rie­si­gen Grund­stück er­rich­te­te er En­de der 1960er Jah­re drei wei­te­re Häu­ser, von de­nen er ei­nes als Re­si­denz für den in­di­schen Bot­schaf­ter ver­mie­te­te. Im Al­ter von 67 Jah­ren er­füll­te sich Spi­nat ei­nen Kind­heits­traum: Mit dem Kauf und Be­sitz von Schloss Dra­chen­burg zeig­te er gleich­zei­tig, dass er es zu et­was ge­bracht hat­te. Die Grün­der­zeit­vil­la „Schloss Dra­chen­bur­g“ war von dem in Bonn ge­bo­re­nen und in Pa­ris le­ben­den Bank- und Bör­sen­ex­per­ten Ste­phan von Sar­ter nach sei­ner No­bi­li­tie­rung zwi­schen 1882 und 1884 er­baut wor­den. Be­kann­te Künst­ler hat­ten die In­nen­aus­stat­tung ge­stal­tet. Ab 1931 hat­te sie als ka­tho­li­sche In­ter­nats­schu­le, dann kurz als Adolf-Hit­ler-Schu­le ge­dient. Nach 1945 im Be­sitz des Staa­tes, hat­te die Ei­sen­bahn­ver­wal­tung die Im­mo­bi­lie als Ein­rich­tung zur Per­so­nal­schu­lung ge­nutzt. Seit der Ver­le­gung der Ei­sen­bah­ner­schu­le 1960 stand das Ge­bäu­de über ein Jahr­zehnt leer. Ei­ne Nut­zung als Schu­lungs­ein­rich­tung für die Lan­des­fi­nanz­ver­wal­tung, aber auch der Ab­riss wur­de dis­ku­tiert. Pro­tes­te der Denk­mal­pfle­ge, von Be­völ­ke­rung und Po­li­ti­kern ver­hin­der­ten zwar letz­te­res, die Fra­ge der Nut­zung blieb je­doch wei­ter­hin of­fen. 

Paul Spi­nat wand­te sich 1971 an die nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­re­gie­rung und mach­te ein An­ge­bot für Schloss Dra­chen­burg. Die Dar­le­gung sei­ner Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und ei­nes Kon­zep­tes für das bis da­hin un­ge­nutzt ver­fal­len­de Ge­bäu­de über­zeug­te die Lan­des­re­gie­rung von der Ernst­haf­tig­keit des Bie­ters. Der Schätz­wert der Im­mo­bi­lie lag bei 450.000 DM; ein­zi­ge Auf­la­ge war, das Ge­län­de der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich zu ma­chen. Die Kauf­sum­me im Ver­trag vom 10.12.1971 be­trug schlie­ß­lich 500.000 DM, zahl­bar in­ner­halb von zehn Jah­ren. Den Kauf fi­nan­zier­te Spi­nat über ei­nen Bau­spar­ver­trag bei ei­ner schwä­bi­schen Bau­spar­kas­se. 

Die ei­gen­wil­li­ge Wei­se, in der Spi­nat Schloss Dra­chen­burg mit Elan „re­stau­rier­te“ und aus­stat­te­te, war ei­ne Mi­schung von Not­wen­di­gem und sehr per­sön­li­chem Ge­schmack. Die feh­len­den Turm­hau­ben der Süd­fas­sa­de wur­den wie­der auf­ge­setzt, die Fi­gu­ren von Ju­li­us Cae­sar, Karl dem Gro­ßen und Wil­helm I. mit Schlag­me­tall „ver­gol­det», die Burg­ter­ras­se und der Park er­hiel­ten neu­en Zier­rat. Bei der In­nen­aus­stat­tung ver­such­te er mit Hil­fe von Re­stau­ra­to­ren und Künst­lern die ver­stüm­mel­ten Ge­mäl­de­zy­klen der Re­prä­sen­ta­ti­ons­räu­me zu re­kon­stru­ie­ren. Al­ler­dings blieb vie­les aus Kos­ten­grün­den nur Im­pro­vi­sa­ti­on und zu­dem sehr vom Ge­schmack Spi­nats ge­prägt. Mö­bel und Tand zo­gen in die Räu­me ein. Au­ßer­dem reich­ten Spi­nats Fi­nan­zen nicht wirk­lich, um Er­halt und Un­ter­halt von Schloss Dra­chen­burg zu tra­gen. Auch die nach der Wie­der­er­öff­nung 1973 Ein­tritts­gel­der zah­len­den Be­su­cher – an­geb­lich 200.000 im Jahr -, deck­ten nicht die lau­fen­den Kos­ten. Spi­nat be­müh­te sich da­her um „Events“. Schon früh fan­den re­gel­mä­ßig Kon­zer­te auf der Dra­chen­burg statt, un­ter an­de­rem des Chur-Cöl­ni­schen Or­ches­ters. Durch den Bon­ner Kunst­samm­ler und Ga­le­ris­ten Her­mann Wün­sche (1941-1993) ka­men welt­be­rühm­te Künst­ler und ih­re Kunst­wer­ke auf die Dra­chen­burg. Wün­sche, der sei­ne Ga­le­rie 1981 in den Bre­ders­hof in Kö­nigs­win­ter-Nie­der­dol­len­dorf ver­leg­te, brach­te An­dy War­hol (1928-1987) mit auf Schloss Dra­chen­burg. War­hol nahm ein Fo­to der Vor­burg als Vor­la­ge für ei­nes sei­ner Kunst­wer­ke. Wün­sche stell­te im glei­chen Jahr erst­mals auf der Dra­chen­burg Kunst­wer­ke von Marc Cha­gall (1887-1985) aus. Im Jahr dar­auf folg­te ei­ne Aus­stel­lung „Li­te­ra­ri­sche Zy­klen“ mit Wer­ken von Sal­va­dor Dalí (1904-1989). 

Schloss Drachenburg von Südosten, 2008, Foto: Tohma.

Spi­nat in­sze­nier­te Schloss Dra­chen­burg, aber vor al­lem ger­ne sich. Als stan­des­ge­mä­ßes Fahr­zeug für ei­nen Schloss­herrn er­schien ihm ein gol­de­ner Rolls Roy­ce Sil­ver Shadow, in dem er sich von sei­nem Fah­rer durch Kö­nigs­win­ter chauf­fie­ren ließ. Auch emp­fing er Gäs­te ger­ne in ei­ner Phan­ta­sie­uni­form. Um Be­su­cher zu be­ein­dru­cken, ließ er ei­ne Frei­trep­pe in die Kunst­hal­le ein­bau­en, die zwar ins Nichts führ­te, aber von der aus er sei­ne Gäs­te be­grü­ßen konn­te. Auf der neu­go­ti­schen Ba­lus­tra­de an der Ost­wand des Mu­sik­zim­mers stand ei­ne Or­ge­latt­rap­pe, die teil­wei­se aus Re­gen­fall­roh­ren be­stand. Spi­nat setz­te sich mit Vor­lie­be an das „In­stru­men­t“ und gab für Be­su­cher „Or­gel­kon­zer­te“, wo­bei er das Or­gel­spiel mim­te, wäh­rend die Mu­sik vom Ton­band­ge­rät kam. In Kö­nigs­win­ter kur­sie­ren heu­te noch zahl­rei­che An­ek­do­ten über Er­leb­nis­sen mit dem ex­zen­tri­schen Schloss­herrn. 

Zu­dem hat­te Spi­nat 1975 ein wei­te­res re­prä­sen­ta­ti­ves Ge­bäu­de er­wor­ben: Schloss Ma­ri­en­fels bei Re­ma­gen. Das 1859-1863 von dem Ar­chi­tek­ten Karl Schnitz­ler (1789-1864) für den (Kre­feld-) Uer­din­ger Zu­cker­fa­bri­kan­ten Edu­ard Frings (1816-1875) als Land­haus er­bau­te Ge­bäu­de be­her­berg­te in den 1960er Jah­ren ein Sa­na­to­ri­um. Spi­nat be­gann auch hier so­gleich mit der Re­no­vie­rung, de­ren sicht­bars­tes Zei­chen bis heu­te der leuch­tend wei­ße Au­ßen­an­strich ist. 

Drei Jah­re nach dem Tod sei­ner Frau Kar­la, im Ju­li 1985, hei­ra­te­te Spi­nat zum drit­ten Mal, dies­mal ei­ne Ade­li­ge: Eri­na Prin­zes­sin von Sach­sen (1921-2010). Sie war je­doch kei­ne ge­bo­re­ne Ade­li­ge, son­dern als Er­na Eilts in Em­den zur Welt ge­kom­men und war Wir­tin der Sze­ne­knei­pe „Ma­ri­andl“. 1974 hat­te sie in drit­ter Ehe den Prin­zen Ti­mo von Sach­sen (1923-1982), den En­kel des letz­ten Kö­nigs von Sach­sen Fried­rich Au­gust III. (1865-1932), ge­hei­ra­tet. Durch die Hoch­zeit war Paul Spi­nat zwar nicht selbst ade­lig ge­wor­den – was er mög­li­cher­wei­se ins­ge­heim er­hofft hat­te -, aber nichts­des­to­trotz ver­brei­te­te er, er stam­me von ei­nem „Comte de Spi­na´t“ ab. 

Im März 1986 er­hielt Spi­nat end­lich die Wür­di­gung und An­er­ken­nung, die er sich als Burg­herr wohl im­mer er­hofft hat­te. Für sei­ne Ver­diens­te um den Er­halt von Schloss Dra­chen­burg wur­de ihm das Bun­des­ver­dienst­kreuz ver­lie­hen. Al­ler ver­meint­li­cher Glanz und Gla­mour aber konn­te nicht ver­hin­dern, dass Spi­nat ho­he Schul­den an­häuf­te und Schloss Dra­chen­burg trotz al­ler Be­mü­hun­gen wie­der ver­fiel. Schwe­ren Her­zens muss­te er sich so­wohl von Schloss Dra­chen­burg als auch von Schloss Ma­ri­en­fels tren­nen. Als Käu­fer trat im De­zem­ber 1988 der „Bur­gen­kö­ni­g“ Her­bert Hil­le­brand (ge­bo­ren 1940) auf. Qua­si in letz­ter Mi­nu­te ent­schied sich im Fe­bru­ar 1989 das Land Nord­rhein-West­fa­len, sein Vor­kaufs­recht wahr­zu­neh­men und er­warb die Im­mo­bi­lie für acht Mil­lio­nen DM. Schloss Ma­ri­en­fels wur­de hin­ge­gen von Hil­le­brand ge­kauft. Nach ei­ner er­neu­ten Re­no­vie­rung ver­mie­te­te er es von 1994 bis 1999 an die Re­pu­blik Ka­sachs­tan, der es als Bot­schafts­ge­bäu­de dien­te. An­schlie­ßend war es Wohn­sitz der Fa­mi­lie Hil­le­brand. Im No­vem­ber 2004 er­warb schlie­ß­lich der Fern­seh­mo­de­ra­tor Tho­mas Gott­schalk (ge­bo­ren 1950) Schloss Ma­ri­en­fels. Seit Ja­nu­ar 2013 be­fin­det es sich im Be­sitz des Bon­ner So­lar­world-Un­ter­neh­mers Frank As­beck. 

Spi­nat starb am 23.2.1989. Sein Grab auf dem Kö­nigs­win­te­rer Fried­hof am Pa­last­wei­her liegt di­rekt ne­ben dem Grab des Er­bau­ers von Schloss Dra­chen­burg, Ste­phan von Sar­ter. (…. «Noblesse oblige»; Anm. der Redaktion von Catracho global.)

Paul Spi­nats Ver­dienst ist es, die Dis­kus­si­on um ei­nen Ab­riss von Schloss Dra­chen­burg be­en­det zu ha­ben. Es war ihm aber nicht mög­lich, die An­la­ge vor dem Ver­fall zu ret­ten, da­für reich­te sein Geld nicht aus. Aber er konn­te ihn ei­ne Zeit lang ver­zö­gern. Die Räu­me wur­den ge­nutzt und be­heizt, trotz­dem war der Schwamm ein­ge­zo­gen, das Trep­pen­haus ein­ge­bro­chen. Erst die Nord­rhein-West­fa­len-Stif­tung rea­li­sier­te ei­ne Sa­nie­rung und be­hut­sa­me Re­stau­rie­rung des Ge­bäu­des und sei­ner Aus­stat­tung. Sie brauch­te da­für vom Kauf bis zur Wie­der­er­öff­nung im Jah­re 2010 ins­ge­samt 21 Jah­re und 31,5 Mil­lio­nen Eu­ro. 

Quelle dieses Exkurses: Klein, Ansgar S., Paul Spinat, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/paul-spinat/DE-2086/lido/57c953a4e71d33.81170891 (abgerufen am 17.08.2026)

1986 – Denkmalschutz und Restaurierung

1986 wurde Schloss Drachenburg unter Denkmalschutz gestellt. Die dringend erforderlichen Schritte zu einer umfassenden Restaurierung leitete 1989 die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege ein. Seit 1995 ließ die NRW-Stiftung in enger Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Königswinter das Ensemble Schloss Drachenburg behutsam restaurieren. Die Sonderausstellung «Wegen Renovierung geöffnet – Einblicke in die Baustelle Schloss Drachenburg» informierte die Besucher von 2003 bis 2009 ausführlich über die Restaurierungsarbeiten. Seit Frühjahr 2010 sind die Sanierungsarbeiten im Schloss beendet und alle restaurierten und remöblierten Räume wieder für die Besucher zugänglich. Der Landschaftspark des Ensembles konnte 2011 vollständig fertiggestellt werden.

KONTAKT

Schloss Drachenburg gGmbH
Drachenfelsstraße 118
53639 Königswinter

Publicado en: Cultura, Geschichte, Social

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