Zuerst erschienen in Folha Pomerana /Brasilien
Probleme zwischen Deutschen und Polen – real oder geschürt?
Die USA wollen China ausbremsen
Der zur Zeit größte Herausforderer des nordamerikanischen Imperiums ist ohne jeden Zweifel China … und Chinas Aufstieg müssen die nordamerikanischen Eliten soweit es geht bremsen, damit sie ihre ‘pole position’ beim Rennen um die Weltherrschaft noch eine Weile aufrecht erhalten können. Seltsam mag es in diesem Zusammenhang anmuten, dass insbesondere amerikanische und auch europäische Firmen (wie z.B. Volkswagen) und amerikanische Großinvestoren ihr Kapital nach China gebracht haben, damit es dort – nicht zuletzt wegen niedrigerer Löhne und niedrigerer Umweltstandards – höhere Renditen erzielte. An dieser Stelle kommt mir Lenins sarkastischer Spruch in den Sinn, dass «die Kapitalisten so gierige Geschäftsleute sind, dass sie sogar den Strick an Denjenigen verkaufen, der sie damit aufhängt». Manche Dinge sind nun mal im Leben fatal und man kann nicht Alles haben: kurzfristige hohe Gewinne und gleichzeitig langfristige Wohlstandssicherung.

Zum China-Ausbremsen gehört auch Europa. Das versuchen die amerikanischen Geschäftsleute/ mithilfe der US-Administration indem sie den bereits bestehenden Einfluss chinesischer Investoren auf Länder wie Griechenland, Italien etc. zu konterkarieren und durch die Erhöhung ihres direkten Einflusses auf andere Länder wie insbesondere Polen und auch Deutschland im Zentrum Europas zu vereiteln. Polnische Politiker/Eliten sind schon seit vielen Jahrzehnten aufgeschlossene Partner für angelsächsisch-amerikanische Interessen, weil sie meinen, ihre Existenz den militärischen Versprechungen und dem Schutz der Briten und Nordamerikaner in der Eingrenzung der Russen und der Deutschen zu verdanken. Dieses nicht in Gänze belegbare Denken ist ein permanenter Sprengsatz für das deutsch-polnische Verhältnis und zudem die Integration Polens in der Europäischen Gemeinschaft. Das «DIVIDE» der Angelsachsen bzw. heutzutage Nordamerikaner greift an dieser Stelle an. Ziel ist offenbar weiterhin, die Russen mithilfe der Polen von Deutschland und der EU fernzuhalten. Putins Rede im Deutschen Bundestag, als er – in Zeiten der Entspannung der 90er Jahre – vom großen HAUS EUROPA sprach, in das auch Russland gut hinein passe, muss so manchem Geschäftsmann in USA wie die Ankündigung eines «wirtschaftlichen Atomangriffs» auf US-amerikanische Interessen in Europa geklungen haben. Nicht lange Zeit danach war es dann auch mit dem Kalte-Kriegs-Tauwetter der neunziger Jahre zu Ende und amerikanische Medienkonglomerate bemühten sich seitdem erneut und unermüdlich darum, ein neues Kalte-Kriegs-Feindbild zuerst einmal stellvertretend mit Putin als Galionsfigur und «China-Freund und Westen-Feind» aufzubauen.
CIA mischt kräftig mit
Eine weitere Sollbruchstelle für Frieden in Europa und Frieden zwischen den europäischen Nationen und Russland wurde dann noch in der Ukraine aufgepäppelt. Mit Milliardensummen wurden ukrainische Oppositionsgruppen vom nordamerikanischen CIA um jede Menge Menge sogenannter think tanks gegen eine zwischen Russland und der EU schwankende Regierung stark gemacht und in Stellung gebracht. Dabei nutzten die US-Akteure die traditionellen Unterschiede zwischen der West- und der Ost-Ukraine bei der Anwendung des (alt-römischen) Konzepts «DIVIDE ET IMPERA». Der Osten der Ukraine war seit vielen Jahren mehr von Russen zw. Russisch-Sprachigen bewohnt und tendierte daher auch mehr zur Beibehaltung seiner Kontakte wirtschaftlicher und politischer Art zu Russland. Anders war das in der Westukraine. Dort sah man mehr in Richtung Westeuropa. Friedlich orientierte Menschen hätten diesen Unterschied nicht als Sprengsatz für eine Spaltung der Ukraine genutzt. Expansiv und imperial orientierte Geschäftsleute allerdings schon … und so ist es dann auch gekommen. Akteure für eine Spaltung waren die Nordamerikaner. Versuche einer Harmonisierung der Interessen zwischen Russland und Europa unternahmen zwar einige EU-Länder, doch vergeblich. Die “Verlockungen» (Gelder/Drohungen) der USA waren offenbar größer. Die EU wieder von Russland zu entfernen wurde durch nordamerikanische Einflussnahme insbesondere auf Polen und die Ukraine erreicht. Seither gelten wieder Embargos gegenüber «Neu-Feind Russland».
Polens Interessen zwischen der EU und den USA
Nordstream 2 ist ein weiteres Symbol für «DIVIDE ET IMPERA».
Nordstream 2, ein komplett privatwirtschaftliches Projekt zwischen deutschen und russischen Firmen zur Lieferung von russischem Erdgas nach Deutschland/Westeuropa, was zu 90% bereits fertiggestellt ist, wird jetzt mit Geld und der “Androhung von xyz” zu verhindern versucht. (Anmerkung der Redaktion von Catracho global : Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels in der Folha Pomerana war Nordstream 2 NOCH NICHT gesprengt worden). Mithilfe der nordamerikanischen «Freunde» in Polen und der Ukraine versucht die US-Administration unter Biden die Nordstream 2-Gaspipeline noch kurz vor ihrer endgültigen Fertigstellung an der Inbetriebnahme zu hindern. Das ist aber noch nicht alles. Sowohl in Polen als auch in der Ukraine führen die USA sowohl direkt als auch durch von ihnen bezahlte Militärs in Polen und der Ukraine militärische «Show- Übungen» wie Defender 21 durch.
Als Mitglied der Europäischen Union sollte sich die polnische Regierung eigentlich mehr auf ihre Interessenlage hinsichtlich Europas und Deutschlands einstellen, denn dort liegt eigentlich auch die größere und direktere Chance der Polen, ihrem privaten Lebensunterhalt nachzugehen oder ihre Erzeugnisse exportieren. Wir sind schließlich Nachbarn und eigentlich auch Mitglieder in einer solidarischen und auch strategischen Gemeinschaft. Zumindest sollte das JEDES Mitglied einer UNION so verstehen. Wenn man das Verhalten Russlands und Deutschlands in den letzten 75 Jahren betrachtet kann man als nüchterner Analytiker NICHT auf die Idee kommen, dass Russland oder Deutschland die Existenz Polens (als Puffer zwischen den Deutschen und den Russen) in Frage stellen oder gar an diesem Status quo etwas ändern wollen.

Daher sind aus meiner persönlichen Sicht diese «Ängste» auch völlig unbegründet. Da aber alle Ängste bekanntlich
irrational sind …. kann man sie auch heraufbeschwören bzw. medial produzieren. Allgemein bekannt ist ferner, dass man Behauptungen, auch wenn sie NICHT den Tatsachen entsprechen, durch permanente Wiederholung Wahrheit werden lassen kann. Genau das geschieht zur Zeit.
Nur durch Aufklärung und Bewusstmachung lassen sich derart produzierte «Ängste» abbauen. Das wiederum ist die Aufgabe der Bevölkerungen selbst. Deutsche und Polen haben eigentlich überhaupt keine Probleme mehr miteinander. Sie leben seit zumindest 75 Jahren friedlich als Nachbarn nebeneinander und wirtschaftlich miteinander als Geschäftspartner und Kollegen. Es wird Zeit, dass sich die Völker von den «DIVIDE ET IMPERA»-Strategen ihrer Hinterzimmer-Politiker befreien. Nur so können sie ihre Energie für friedliche Zwecke und die Verbesserung ihrer eigenen privaten Lebensverhältnisse nutzen. An Konflikten und Kriegen verdienen nur ANDERE.


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