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Catracho Global

Revista Digital hondureña enfocada en temas nacionales e internacionales

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WER gab Hitler eigentlich das Geld?

febrero 22, 2026 por Catracho Global Deja un comentario

Der folgende Text ist einem ‘epochemachenden’ Buch des russischen Historikers Nicolay Starikov entnommen, der im Jahr 2017 der bei deutschen Historikern zu einem TABU zählenden Frage, wie eigentlich ein simpler ehemaliger österreichischer Gefreiter des 1. Weltkriegs eine so große Rolle in Deutschland erringen konnte, nachgegangen und hat dabei die Initialzünder – auch wenn dazu die Beweise von führenden Nazis gezielt dem Feuer übergeben wurden – identifizieren können. Ein Buch zur Widerlegung bisheriger Historiker-Propaganda und deshalb tatsächlich ‘epochemachend’.

Ähnlich wie der Russe Starikov hat auch der Angelsachse Antony C. Sutton sein Leben als Wirtschaftshistoriker damit verbracht, Belege für die Beteiligung der Wallstreet als Wegbereiter für Hitlers Aufstieg beizubringen. Auch bei ihm hat diese mühsame Arbeit Erfolg gehabt. Die Suche nach der ‘historischen Wahrhaftigkeit’ geht also Dank einiger weniger Historiker der Sieger der beiden Weltkriege weiter und könnte dazu beitragen, den Deutschen ein Tatsachen-basiertes Selbstverständnis von ihrer Geschichte der letzten hundert Jahre zu vermitteln und die zurzeit versuchte Wiederholung der «gleichen Imperialmasche auf dem Rücken unter anderem von uns Deutschen im Zusammenhang mit dem Krieg um die Ukraine» – wenn auch recht spät – noch zu verhindern.

Wer gab Hitler das Geld?
„Ganz gleich, ob sie über uns lachen oder uns beleidigen, ob
sie uns als Dümmlinge oder Verbrecher hinstellen, die Hauptsache ist,
dass sie uns wahrnehmen.“

(Adolf Hitler „Mein Kampf“ , geb. 20. 04.1889, † 30.04.1945)

„In Deutschland wird es keine Revolutionen geben, weil alle
Revolutionen in Deutschland streng verboten sind.“

(Britischer Witz)

Am zwölften September 1919 erschien in der Bierstube „Sterneckerbräu“
zur Versammlung einer winzigen Partei der damals noch niemandem bekannte
Frontsoldat a. D., Adolf Hitler. Millionen von Menschen kamen nach dem Ende
des Ersten Weltkrieges gerade wieder zur Besinnung, als die Geschichte der
Menschheit fast unbemerkt schon wieder einen Weg einschlug, der zu noch
schrecklicheren Schlachten, zu noch grausameren Verbrechen, zu den
entsetzlichen Gaskammern und Verbrennungsöfen in Majdanek und Treblinka, zur
Blockade von Leningrad, zu den Schlachten in Stalingrad und am Kursker Bogen
führte.
Das Datum des zaghaft und kläglich ans Licht strebenden Pflänzchens,
welches sich in kurzer Zeit zum gigantischen Baum des deutschen
Nationalsozialismus entwickelte, kann ziemlich genau genannte werden. Am 7.
März 1915 gründete ein gewisser Anton Drexler in München ein Komitee mit dem
schönen Namen „ Freier Arbeiterausschuss für einen guten Frieden“. Während des
Ersten Weltkrieges trafen sich im Rahmen dieses Komitees ca. 40 Schwätzer und
Fantasten in harmlosen Versammlungen, tranken viel Bier und diskutierten über
die Vorzüge eines allgemeinen Friedens. Während eines beliebigen Krieges
existieren nur drei Möglichkeiten den Frieden zu erreichen:

  1. den Krieg zu verlieren;
  2. den Krieg zu gewinnen oder
  3. durch Verhandlungen eine Pattsituation zu erreichen.
    Während sich Drexler mit solchen Fragen von Krieg und Frieden
    beschäftigte, entwickelten sich die Ereignisse in Deutschland in Richtung der 1.
    Variante. Angestiftet durch die von außen hineingetragene Revolutionspropaganda
    und durch das russische Beispiel brach das Kaiserreich zusammen und verschwand
    spurlos in der Versenkung. Der Frieden kam, nur nicht so, wie ihn sich Drexler und
    seine Kumpanen vorgestellt haben. Es kam der Frieden von Versailles! Genau in
    diesem Vorort von Paris wurden am 28. Juni 1919 die Bedingungen des
    14
    Friedensvertrages unterschrieben, die in der Folge zur Geburt des Nationalsozialismus und zu einem neuen Krieg geführt haben. Warum wird der Versailler
    Friedensvertrag als Vorbote eines neuen Krieges bezeichnet? Weil es ein
    schändlicher Raubfrieden war, der, um wenigstens den Schein zu wahren, in Form
    eines internationalen Abkommens unterzeichnet wurde. An seinem Wesen hat sich
    durch diesen Staatsakt nichts geändert. Bezeichnend ist, dass nicht nur Lenin und
    deutsche Politiker den Friedensvertrag von Versailles aufs schärfste kritisierten,
    sondern auch Vertreter der Entente. Allgemein bekannt sind die Aussagen des
    Oberbefehlshabers der französischen Armee, Marschall Foch, der wie ein
    Wahrsager die künftigen Ereignisse exakt beschrieb: „Es ist kein Frieden, sondern
    ein 20-jähriger Waffenstillstand“. Es gab auch andere Aussagen von westlichen
    Politikern, die weniger bekannt sind. „Die wirtschaftlichen Vereinbarungen waren
    in einem derartigen Grade bösartig und dumm, dass sie den ganzen Vertrag ad
    absurdum stellten“. Deutschland wurde gezwungen, unglaubliche Reparationen zu
    zahlen [13]. Das sind nicht die Worte von Adolf Hitler, der mit seiner Kritik über
    den Vertrag von Versailles seine Karriere machte, sondern die des britischen
    Premierministers, Winston Churchill.
    Die Deutschen wurden förmlich ausgeplündert. Deutschland verlor ungefähr
    73.000 km2 seines Territoriums (ca. 13,5 % seiner Gesamtfläche), auf dem 6,5
    Millionen Menschen (ca. 10 % der gesamten Bevölkerung) lebten. Außerdem
    verlor das auf diese Art und Weise beschnittene Land seine gesamten
    überseeischen Kolonien und musste den Siegermächten alle materiellen und
    finanziellen Verluste begleichen, die ihnen im Verlaufe des Militärkonfliktes
    entstanden sind. Die Höhe der zu zahlenden Reparationen wurde bei der
    Vertragsunterzeichnung nicht, sondern erst später genannt. Die Summe war
    astronomisch hoch und wurde mehrmals korrigiert. Interessant ist auch, dass im
    Rahmen der abschließend korrigierten Variante die letzte Zahlung der besiegten
    Deutschen im Jahre … 1988 erfolgen sollte [14]!
    Es war, als ob ein Orkan oder Tornado ein ehemals blühendes Land
    verwüstet hat. Zur Zahlung der Reparationen wurde praktisch das gesamte Hab
    und Gut konfisziert, dazu gehörten auch 140.000 Milchkühe. Bevor Deutschland
    gründlich ausgeraubt wurde, war es natürlich notwendig, jeglichen Widerstand
    gegen die Räuber, d.h. gegen die „Sieger“ zu unterbinden. „Deutschland wurde
    deshalb entwaffnet. Seine gesamte Artillerie und andere Waffen wurden vernichtet.
    Seine Kriegsflotte wurde von den Deutschen selbst in der britischen Bucht Scapa
    Flow versenkt, seine riesige Armee wurde aufgelöst. Deutschland wurde
    ausdrücklich verboten, Luft- und Seestreitkräfte zu besitzen“ [15].
    Die Stärke der deutschen Armee durfte 100.000 Mann nicht überschreiten.
    Der Bau von Flugzeugen, Panzern, Seekriegsschiffen, darunter auch von U-Booten
    war verboten. Im besiegten Deutschland herrschten Chaos und Anarchie, d.h.
    katastrophale Zustände, die durch den wirtschaftlichen Kollaps noch verstärkt
    wurden. Angesichts dieser verhängnisvollen Lage entschied Anton Drexler sich in
    seinem Komitee mit ernsthafteren Fragen zu befassen und gründete am 5. Januar
    1919 die „Deutsche Arbeiterpartei“. Der neue junge Anführer, Adolf Hitler,
    15
    verdrängt mit seinen hervorragenden rhetorischen Fähigkeiten sehr schnell den
    Gründer dieser Partei und wurde zum alleinigen Führer – zum Führer einer neuen
    politischen Kraft. Er veränderte nicht nur den Inhalt und das Wesen dieser Partei,
    sondern auch ihren Namen. Zur ursprünglichen Bezeichnung fügte er ein Wort
    hinzu und die von ihm geführte politische Kraft ging in die Geschichte der
    Menschheit als NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) ein.
    Der Geschichte dieser nazistischen Partei und ihrem Führer sind wahrlich
    Tonnen völlig verschiedener Werke der Literatur gewidmet. In jeder beliebigen
    Buchhandlung finden wir immer ein paar Buchumschläge, von denen uns die
    verrückten Augen von Adolf Hitler oder die kräftigen Silhouetten seiner SA- und
    SS-Männer anschauen. Es scheint, als ob auf alle Fragen die Antworten bereits seit
    langem gegeben worden sind. Doch dieser Schein trügt! Mit jedem Buch, das wir
    über die Geschichte des 3. Reiches lesen und kritisch überdenken, nehmen die
    Unklarheiten in unserem Kopf nur zu. Sogar in den Büchern weltweit anerkannter
    Forscher finden wir äußerst widersprüchliche Informationen. Die Angabe der
    Mitgliederzahl der NSDAP scheint trivial, d.h. keine offene Frage zu sein. Nichts
    scheint einfacher zu sein, als in den Archiven der nazistischen Partei danach zu
    suchen. Dort finden wir ohne Zweifel die Antwort auf die Frage, wie sich die
    Mitgliedschaft in der Partei in den Jahren entwickelt hat. Die Faschisten liebten es,
    über ihre „Jahre des Kampfes“ und über ihre „gefallenen Kameraden“ zu sprechen
    und zu schreiben. Deshalb müsste sich die Entwicklung der Mitgliedschaft in
    diesen Dokumenten klar widerspiegeln. Weit gefehlt!
    „Im November 1923 hatte die Partei 15.000 Mitglieder“[16]. Das ist die
    Meinung des Zeitzeugen, Konrad Heiden, dessen Buch im Jahre 1936
    veröffentlicht wurde.
    Der Brite Ian Kershaw schrieb im Jahre 1990 „Die Anzahl der Mitglieder in
    der Partei nahm schnell zu. Ende 1922 waren es 22.000, zum Zeitpunkt des
    Putsches etwa 55.000.“ [17]. Wir erinnern uns, dass der misslungene Putsch
    Hitlers im November 1923 stattgefunden hat, d.h. der Unterschied in der
    Bewertung der Mitgliederzahl hat sich in 55 Jahren fast vervierfacht. Wie ist das
    möglich? Wenn sich dieser Zuwachs an Parteigenossen in den Werken der so
    genannten Historiker in diesem Tempo fortsetzt, dann werden wir in dreihundert
    Jahren erfahren, dass die gesamte Bevölkerung Deutschlands 1923 schon Nazis
    waren. Zur Beruhigung unseres Gewissens nehmen wir noch das Buch des dritten
    „Sachverständigen“ des faschistischen Deutschlands, Alan Bullock, in die Hand.
    Im völligen Widerspruch zu den Aussagen der beiden anderen „Experten“ lesen
    wir: „Die Anzahl der Mitglieder in der Zeit vom Juni 1920 bis Anfang des Jahres
    1922 wuchs von 1.100 auf 6.000. Anfang 1923 erreichte sie die Zahl 20.000.“ [18].
    Haben die Historiker der Nazipartei vielleicht doch ihre Informationen aus
    eigenen, völlig voneinander isolierten „Archiven“ geschöpft? Ergeben sich daraus
    die erheblichen Differenzen? Nein! Die Archive waren und sind immer die
    gleichen, die Historiker studieren alle die gleichen Dokumente. Aber jeder hat
    seine eigenen Zahlen. Woher nehmen sie diese? Das ist offensichtlich ein
    Geheimnis, das schrecklicher ist, als alle anderen Geheimnisse des faschistischen
    16
    deutschen Reiches.
    Kurz gesagt, je mehr Autoren umso mehr Versionen. Auf Kosten der
    Qualität schreibt einer vom anderen ab. Der Leser staunt und der Experte wundert
    sich!
    Wie können wir die Geschichte des Zweiten Weltkrieges erforschen,
    wenn es einerseits notwendig ist, die genaue Anzahl der Kanonen, Panzer und
    Soldaten zu bestimmen, aber andererseits sich die Historiker nicht einmal
    einig sind, wie viele „Mitglieder“ die NSDAP in den jeweiligen Jahren hatte?
    Warum versuchen wir, uns in dieser Frage Klarheit zu verschaffen? Wozu
    brauchen wir das? Wir wollen an Hand dieses einfachen Beispiels nur
    demonstrieren, dass selbst anerkannte Forscher und Biographen des Führers der
    Nazis in Deutschland nicht so richtig wussten, was und worüber sie schreiben.
    Denn ohne eine kritische Überprüfung durch den eigenen Verstand, dürfen wir
    irgendwelchen unsinnigen Behauptungen, die über den Zweiten Weltkrieg
    geschrieben werden, nicht glauben. Nicht weniger Blödsinn wurde und wird auch
    über den Großen Vaterländischen Krieg geschrieben. Dieses Buch hat die
    Aufgabe, aus der riesigen Menge von Informationen, die Fakten herauszufiltern,
    die uns helfen, die Wahrheit über die größte Tragödie Russlands, die am 22. Juni
    1941 begann, zu finden.
    In der Geschichte gibt es eine Menge Klischees. Diese Klischees sind uns
    allen gut bekannt. Wie und wann sie entstanden sind, weiß keiner. Auf die Frage:
    „Wer hat Hitler das Geld gegeben?“, bekommen wir in der Regel nur eine
    Antwort: die deutschen Industriellen. Nuancen dieses Klischees sind: das
    Großkapital, Krupp, deutsche Unternehmen usw. usw. Betrachten wir diese
    Frage etwas genauer. Eine sehr verbreitete Meinung des naiven Kleinbürgers ist,
    dass jede Partei von ihren Sympathisanten finanziert wird. Die richtige
    Formulierung dieser Auffassung muss in Wirklichkeit lauten: Die Parteien werden
    grundsätzlich von den Kräften finanziert, die mit ihrer Hilfe bestimmte Ziele
    erreichen wollen. Das muss nicht in jedem Falle negativ sein. Z.B. eine Partei, die
    in ihrem Programm die nationalen Produzenten unterstützt, kann ohne weiteres von
    den eigenen Schuh- und Textilfabrikanten finanziert werden. Falls diese Partei
    tatsächlich an die Macht kommt, wird sie im Interesse der örtlichen Unternehmen
    die Zölle für die entsprechenden Importwaren erhöhen. Entstehen der eigenen
    Bevölkerung dadurch irgendwelche Nachteile? Nein, nur in dem Fall, wenn mit
    diesen Zöllen die gesamte ausländische Konkurrenz verdrängt wird. Jede Partei,
    die für die Sicherheit ihres Landes eintritt, wird selbstverständlich immer
    großzügig von den Rüstungskonzernen unterstützt. Im Falle eines Sieges derartiger Parteien erhalten sie neue Aufträge für die Produktion von Raketen,
    Radaranlagen, Panzer und Flugzeugen. Entstehen der eigenen Bevölkerung
    dadurch irgendwelche Nachteile? Nein, wenn beachtet wird, dass die
    Rüstungsausgaben eine notwendige und vernünftige Grenze nicht überschreiten.
    Mit anderen Worten, die finanzielle Unterstützung der politischen Kräfte durch die
    Oligarchen war, ist und bleibt auch in Zukunft eine unumstößliche Tatsache. Das
    ist keine russische Entdeckung – das geschieht in allen Ländern, in denen die
    17
    führende Macht durch das Volk gewählt wird. Die Demokratie als höchste Form
    der Volksmacht zwingt jeden beliebigen Politiker zu einer traurigen
    Schlussfolgerung. Um die Stimmen seiner Wähler zu erhalten, braucht er keine
    schönen Losungen, sondern Geld. Nicht für die Bestechung der Wählerschaft,
    sondern um ihr effektiv seinen Standpunkt aufs Auge zu drücken. Dies wird nur
    durch den massiven Einsatz aller Massenmedien, insbesondere mit Hilfe der
    Presse, der Radio- und Fernsehsender erreicht. Dafür sind enorme finanzielle
    Mittel notwendig. Die Regel ist einfach: Je größer das Land, je größer die
    Wählerschaft, desto mehr Geld wird benötigt.
    In Deutschland, nach dem Untergang der Monarchie im Jahre 1918, entstand
    ein derartiges demokratisches System. Der Zeitraum von der Niederlage
    Deutschlands im Ersten Weltkrieg bis zur Machtergreifung Hitlers wurde in der
    Geschichtsschreibung als Weimarer Republik bezeichnet. In dieser Republik galten
    selbstverständlich genau die oben beschriebenen Regeln. Jede politische Tätigkeit
    erfordert, wie der Kessel einer Lokomotive, viel Kohle. Ohne diesen „Brennstoff“
    bewegt sich weder etwas in der Lokomotive noch in der Politik. Der Erfolg und die
    Dauer der politischen „Reise“ sind deshalb immer von der Geldbörse abhängig.
    Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, nach dieser Abschweifung in die Geschichte,
    auf unsere ursprüngliche Frage zurückzukehren.
    Woher nahm Adolf Hitler, der 15 Jahre nach dem schicksalhaften
    Besuch der Münchener Bierkneipe an die Macht kam, tatsächlich seine
    „Kohle“.
    Die Antwort auf diese Frage liegt offensichtlich auf der Hand. Genau das
    gleich Klischee: Das Geld gaben die Haie des deutschen Kapitalismus. Eine gute
    Antwort, bequem für alle! In der sowjetischen Geschichtsschreibung gab es nur
    diese Antwort. Dank der Bemühungen von Suworow-Resun gibt es Westen
    inzwischen eine zweite Antwort.
    Angeblich hat Stalin selbst Hitler als zukünftigen „Eisbrecher der
    Revolution“ an die Macht geführt. Folglich erhielten die Faschisten das Geld von
    den Kommunisten-Bolschewiken. Die Logik dieser letzten Behauptung ist gleich
    Null. Mit der gleichen Logik könnten wir auch behaupten, dass Russland unter der
    Führung von Jelzin, in der Zeit, in der es überhaupt kein Geld gab um dieses zu
    drucken, den internationalen Terrorismus mit großen Geldbeträgen unterstützt hat.
    Die Beschuldigung der Sowjetunion, die Entwicklung des Faschismus unterstützt
    zu haben, ist genau so absurd: Als die Faschisten ihre ersten Schritte machten, war
    in Russland der Bürgerkrieg noch nicht beendet. Wie und auf welcher finanziellen
    Grundlage sollten die Kommunisten die antikommunistischen Bewegungen in
    Deutschland unterstützen? Mit dem gleichen „Erfolg“ könnte Lenin auch den
    Admiral Koltschak und General Wrangel der zaristischen Armee beglücken.
    Warum müssen derartige Dummheiten in die Welt gesetzt werden? Um Russland
    zu beschuldigen, alle nur denkbaren Todsünden begangen zu haben. Darüber
    hinaus, um jeden Verdacht von den wirklich Schuldigen der Machergreifung von
    Hitlers menschenverachtender Partei in Deutschland abzulenken.
    Die deutschen Industriellen sind auch dank der verbreiteten Klischees als
    18
    wichtigste Sponsoren Hitlers in die Geschichte eingegangen. Stellen wir uns die
    Frage:
    Wozu sollten die deutschen Industriellen den Nationalsozialisten in der
    Anfangsphase Geld geben?
    Na klar, die Nazis waren wütende Antikommunisten und die Bourgeoisie
    kämpfte mit ihrer Finanzierung gegen die Gefahr einer kommunistischen
    Revolution. Diese Behauptung ist genauso ein Klischee und Mythos und hat mit
    der Realität nichts zu tun. Es ist deshalb nicht zufällig, dass in den Büchern, in
    denen solche Argumente genannt werden, die entsprechenden Zahlen und Daten
    fehlen. Wir sind nicht faul und werden „ Die Spreu vom Weizen trennen“. Gleich
    nach dem Untergang der Monarchie im November 1918 stand Deutschland an der
    Schwelle einer sozialistischen Revolution. Eine derartige Revolution hat es in
    Deutschland tatsächlich gegeben, und zwar lange bevor der tollwütige Führer auf
    die politische Bühne trat. In einer Periode von Chaos und Anarchie, bildeten sich
    nach dem Sturz des Kaisers zwei politische Lager: die sozialdemokratische
    Regierung und die an einer Revolution interessierten Kommunisten. Dies führte
    1919 zu einer Revolution in Berlin, zur Verhaftung und Ermordung von Rosa
    Luxemburg und Karl Liebknecht.
    Damit war der Kampf jedoch nicht beendet. In der gleichen Zeit erwiesen
    sich die Kommunisten in Bremen als besonders flink. Am 10. Januar 1919 wurde
    die Bremer Räterepublik ausgerufen. Aus der Stadt Hamburg kam ihnen der Rote
    Soldatenbund unter dem Kommando von Ernst Thälmann zu Hilfe. Die
    Unterstützung half jedoch nicht, die Armee in Deutschland stand eindeutig auf der
    Seite des Staates. Schon am 4. Februar wurde das Rote Bremen von der Division
    des Generals Gerstenberg besiegt. Die zeitweilige Räterepublik verschwand so
    schnell wie sie gekommen war. Die Kinder in der UdSSR kannten diese Stadt nur
    aus dem schönen Märchen der Brüder Grimm aus dem viel schöneren sowjetischen
    Trickfilm. Anfang 1919 flammte der Wiederstand in der deutschen Hauptstadt
    wieder auf. Der Generalstreik, von den Kommunisten organisiert, entwickelte sich
    allmählich zu einem Aufstand gegen die Regierung. Der Aufstand wurde blutig
    niedergeschlagen. Allein in Berlin wurden 1.200 Menschen ermordet. Freiwillig
    dienende Offiziere und Unteroffiziere, d.h. so genannte Freikorps, haben
    gemeinsam mit der Polizei brutal Ordnung geschaffen. Es sind Fälle bekannt, dass
    wegen einer einzigen roten Fahne in der Kolonne der streikenden Arbeiter, die
    Menschenmenge pausenlos mit schweren Maschinengewehren beschossen wurde.
    Wer hat derart entschlossen die Unruhen erstickt? Das war Gustav Noske,
    das deutsche Mitglied im Arbeiter- und Soldatenrat während der
    Novemberrevolution. Dieser ehrenhafte Sohn des deutschen Volkes ist in die
    Geschichte als „Bluthund“ eingegangen. In den entscheidenden Tagen hat Noske
    selbst die berühmten Worte ausgesprochen: „… Einer muss den Bluthund machen!
    Ich scheue die Verantwortung nicht!“ (Bloodhound – ist eine Hunderasse, die als
    Bluthunde bezeichnet werden. Sie sind durch ihren ausgezeichneten Geruchssinn
    bekannt. Im Mittelalter sind sie in England für die Verfolgung von Dieben,
    Mördern und anderen Verbrechern eingesetzt worden. Bluthunde verfolgen
    19
    ausgezeichnet die Spuren und haben die Verfolgten stets gefasst. Außerdem fangen
    sie angeschossene Tiere bei der Jagd. In Kriegen verfolgten sie die flüchtenden
    Soldaten des Feindes).
    Im April 1919 kam es zu neuen Unruhen. Am 13. April wurde in München
    die Bayrische Räterepublik gegründet. Tatsächlich existierte sie nicht lange, schon
    am 5. Mai wurde sie gestürzt. Alles begann nach dem Muster der Machtübernahme
    durch die Bolschewiken in Russland. Es wurden ein Zentralrat, der zum
    Führungsorgan der Republik wurde und ein Exekutivkomitee unter Leitung der
    Kommunisten, dem zunächst auch unabhängige Sozial-demokraten angehörten,
    gegründet. Die Taktik der jungen deutschen Räterepublik ist denen bekannt, die die
    „Geschichte der KPdSU“ studiert haben: Entwaffnung der Polizei und
    Bourgeoisie, Enteignung, Nationalisierung der Banken, Geiselnahme, Kontrolle in
    den Unternehmen und sogar eine deutsche Variante des Komitees für den Kampf
    gegen die Konterrevolution [19]. Bei den deutschen Freunden gab es jedoch auch
    eigene „Erfindungen“: Abschaffung des Geschichtsunterrichtes in den Schulen und
    die Herausgabe eigener Banknoten mit der Angabe des Verfallsdatums [20].
    Außerdem wurde eine deutsche Rote Armee geschaffen, die in der
    Anfangsphase sehr erfolgreich war. Zunächst hat sie die Regierungstruppen
    nördlich von München geschlagen und die Städte Karlsfeld und Freising besetzt.
    Große Erfolge hatten die deutschen Rotarmisten auch im Kampf um einen
    Wohnort, der später eine schreckliche Berühmtheit erlangte. Es handelt sich um
    Dachau. Gerade vor diesem Ort wurde die Rote Armee von den herangezogenen
    Regierungstruppen zum Stehen gebracht. Dort begann die 60-tausend Mann starke
    Armee unter Führung des „Bluthundes“, Gustav Noske, die Gegenoffensive.
    Gemeinsam mit der regulären Armee vernichteten die Freikorps die Bayrische
    Räterepublik, wobei sie ihre Gegner mit der gleichen Grausamkeit töteten, wie die
    Kommunisten. Die Straßenkämpfe in München dauerten 5 Tage. Anschließend
    erfolgten zahlreiche Hinrichtungen im Hof des Gefängnisses.
    Tatsache ist, dass die bayrische Konterrevolution weit blutiger war,
    als die Revolution. Von der Roten Armee wurden 8 Geisel erschossen. Sie
    waren Mitglieder der Thule-Gesellschaft (ein politischer Geheimbund, der
    im August 1918 in München von dem Aristokraten, Rudolf von Sebottendorf,
    gegründet wurde, Anm. d. Übers.). Die „Weißen“ erschossen fast sämtliche
    Soldaten eines Sanitätsbataillons, 21 Mitglieder eines katholischen
    Gesellenvereins, 12 Arbeiter aus Perlach, 50 freigelassene russische
    Kriegsgefangene, die führenden Mitglieder der Bayrischen Räterepublik,
    Rudolf Egelhofer, Gustav Landauer und Eugen Leviné u.a. Nach offiziellen
    Angaben forderte die Niederschlagung der Räterepublik 625 Todesopfer. An
    der „Befreiung“ Münchens nahmen auch die künftigen Nazis, Ernst Röhm
    und Rudolf Heß, teil. Hitler, der sich zu dieser Zeit in München befand, hat
    am Kampf gegen den Kommunismus aus unerklärlichen Gründen nicht
    teilgenommen. In der nationalsozialistischen Geschichtsschreibung wurde
    die Frage nach dem Warum tunlichst vermieden.
    20
    Die rote Revolution in Deutschland wurde niedergeschlagen, aber
    irgendwelche Verdienste hatten die Faschisten daran nicht. Das ist verständlich,
    weil es zum Zeitpunkt der Niederschlagung noch keine Nationalsozialisten gab.
    Außer den 20 bis 30 Schwätzern, die während des Bürgerkrieges in München
    genüsslich ihr Bier tranken, gab es praktisch auch keine Partei. Adolf Hitler war
    damals ein bescheidener Frontsoldat und kein Politiker.
    Haben die Kommunisten weitere Versuche unternommen, die Macht zu
    ergreifen? Das haben sie. In allen Fällen wurden derartige Versuche von der
    Armee und Polizei, aber nicht von den Sturmabteilungen Hitlers, im Keime
    erstickt. Die nächste Welle der Gewalt, die mit dem „Kampf des Proletariats“
    verbunden war, überflutete Deutschland im Jahre 1923. Am 23. Oktober kam es
    unter der Führung von Ernst Thälmann zum Aufstand in Hamburg. Drei Tage und
    drei Nächte führten sie Barrikadenkämpfe in der Stadt und in den Vororten. Auch
    an diesen Kämpfen nahmen die Nationalsozialisten nicht teil. Adolf Hitler hatte in
    dieser Zeit seine eigenen Sorgen: Die Vorbereitung seines eigenen Umsturzes, des
    so genannten „Bierputsches“, stand kurz vor dem Abschluss.
    In der Zeit vom 8. bis 9. November 1923 versuchten die Nazis in München
    die Macht an sich zu reißen. In der ersten Reihe der Demonstranten, mit Stahlhelm
    und mit einer Pistole in der Hand, marschierte Adolf Hitler. Die Polizei eröffnete
    das Feuer – durch ein Wunder blieb der Führer am Leben. Der neben Hitler
    marschierende Max Erwin von Scheubner-Richter wurde erschossen. Als er
    stürzte, riss er Hitler mit sich und verletzte ihn am Schlüsselbein. Hermann Göring
    erhielt eine schwere Verwundung in der Leistengegend. Die damit verbundenen
    unerträglichen Schmerzen zwingen Göring schmerzstillende Drogen zu nehmen
    und machen ihn in seinem ganzen späteren Leben zum rauschgiftsüchtigen
    Reichsmarschall. Insgesamt wurden auf dem Münchener Pflaster 14
    Nationalsozialisten und 3 Polizisten erschossen. Wie bereits beschrieben, wurden
    alle bewaffneten Versuche der Kommunisten, die Macht zu übernehmen, von den
    militärischen Kräften der amtierenden Regierung erfolgreich niedergeschlagen. In
    diesem Kampf unterstützten die Nationalsozialisten nicht die Regierung, sondern,
    im Gegenteil, haben ihr eine ganze Menge zusätzliche Probleme geschaffen. Nur
    wenige Wochen nach dem „roten“ Putsch in Hamburg organisierten sie den
    „braunen Bierputsch“ in München. Wenn Sie, verehrte Leser, Krupp oder Thyssen
    wären, wem würden Sie das Geld geben? Der amtierenden sozialdemokratischen
    Macht, die, wenn erforderlich ausgezeichnete „Bluthunde“ bereitstellt, oder
    irgendeiner anderen Partei? Wozu Extremisten bezahlen? Wenn ein Haus vom
    Ungeziefer befallen ist, braucht man es nicht gleich abzufackeln. Es gibt auch
    andere Mittel! Hitler mit seinem Radikalismus repräsentiert geradezu diese absurde
    Handlungsweise. Warum sollte die deutsche Industrie den Faschisten Geld geben?
    Sie leisteten keine Hilfe im Kampf gegen die rote Gefahr. Umgekehrt, sie
    versuchten selbst, die Macht an sich zu reißen. Bei den Kapitalisten jener Zeit
    könnte ohne weiteres der Eindruck entstehen, dass „das eine nicht besser ist als das
    andere“. Dabei ist nicht entscheidend, dass die Farben der Fahnen von den
    Kommunisten und Faschisten gleich und ihre Propagandamethoden sehr ähnlich
    21
    waren. Entscheidend ist, dass beide zwar antagonistisch, aber auch revolutionäre
    Lehren sind!
    x „Wir fordern die Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens und
    die Brechung der Zinsknechtschaft;
    x „Wir fordern … die restlose Einziehung aller Kriegsgewinne“;
    x „Wir fordern die Verstaatlichung aller (bisher) bereits vergesellschafteten
    (Trusts) Betriebe“;
    x „Wir fordern die Gewinnbeteiligungen an den Großbetrieben“;
    x „Wir fordern die Schaffung eines gesunden Mittelstandes und seiner
    Erhaltung, sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre
    Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende…“;
    x „Wir fordern eine unseren nationalen Bedürfnissen angepasste Bodenreform,
    Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für
    gemeinnützige Zwecke. Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung
    jeder Bodenspekulation“.
    Wenn Sie, verehrte Leser, denken, dies sei ein Ausschnitt aus einer
    kommunistischen Broschüre, so irren Sie sich gewaltig. Das sind alles Punkte aus
    dem Programm der Nationalsozialisten. Tolle Verteidiger des Kapitals, nicht wahr!
    Sie sind sogar bereit, die Besitzer des Bodens entschädigungslos zu enteignen.
    Sind das keine Bolschewisten? Würden Sie, an Stelle des Großkapitals, die
    Extremisten, die den Kommunisten so erstaunlich ähnlich sind, finanzieren? Oder
    wäre es nicht besser, die bestehende Weimarer Republik zu stärken? Deshalb, wäre
    es nicht besser, das Geld in die Polizei zu investieren, um ihre Mannschaften zu
    stärken oder das Geld in die Armee zu investieren, um ihre Gehälter zu erhöhen.
    Wahrscheinlich würden Sie ruhiger leben, wenn die staatlichen Organe und nicht
    die „Braunhemden“ Ihre Sicherheit gewährleisten und Ihr Eigentum schützen
    würden?
    Das bedeutet, wir müssen Gustav Noske, der 1919 den kommunistischen
    Aufstand niedergeschlagen hat, zum Helden erklären. Er ist doch ein
    Kriegsminister wie aus dem Bilderbuch: mit eiserner Hand, mit einem
    unerschütterlichen Willen und der Bereitschaft, jederzeit die Verantwortung zu
    übernehmen. Doch was geschieht wirklich: Im Jahre 1920 wird der „Bluthund“ in
    den Ruhezustand geschickt und nie wieder in die Politik zurückgerufen. Wozu
    brauchten die Deutschen eine noch blutigere Diktatur mit Hitler, wenn Noske im
    Vergleich mit diesem Diktator wie ein harmloser Pfadfinder aussieht? Die
    Polizisten, die mit wahrhaft deutschem Mut die Thälmann-Kämpfer von den
    Barrikaden in Hamburg vertrieben haben, würden wahrscheinlich einen weit
    besseren Ersatz für Gustav Noske darstellen. Diese sind doch auch von einer sehr
    entschlossenen Person geführt worden.
    Warum sollte man ausgerechnet Adolf Hitler das Geld geben? Wird er
    irgendwann helfen, die Streikbewegung zu beenden und die Kommunistische
    Partei zu zerschlagen? Schafft er das überhaupt? Wer kann das wissen? In den
    20iger Jahren war Hitler „weder ein Spatz in der Hand noch eine Taube auf dem
    22
    Dach“. Er war eher ein kleines Krokodil mit scharfen Zähnchen. Ungeziefer gab es
    in Deutschland schon genug. Natürlich kann ein Krokodil dressiert werden,
    Ungeziefer zu fressen. Aber das ist eine komplizierte und gefährliche Prozedur: Es
    kann passieren, dass nicht nur das Ungeziefer, sondern auch die Bewohner des
    Landes gefressen werden. Genau das ist in der Realität auch passiert: Gemeinsam
    mit der Kommunistischen Partei verschwanden von der deutschen politischen
    Landschaft die Sozialdemokraten, die Unabhängigen Sozialdemokraten und die
    Mitglieder der Wirtschaftspartei. Außerdem die Deutsche Zentrumspartei, die
    Bayerische Volkspartei, die Deutsche Demokratische Partei, die Deutsche
    Volkspartei, die Deutschnationale Volkspartei und auch alle anderen kleinen
    Parteien (insgesamt 38 Parteien). Nicht wenige Mitglieder dieser Parteien wurden
    von den Nazis zur Umerziehung ins Konzentrationslager geschickt. Brauchen das
    die deutschen Industriellen wirklich [21]?
    Interessant ist, dass nach den fast zeitgleichen Umsturzversuchen sowohl die
    Kommunisten als auch die Faschisten im gegenseitigen Einklang zu richtigen
    gesetzestreuen Parteien wurden. Nach seinem kurzen Gefängnisaufenthalt erklärt
    Adolf Hitler 1924, dass er ein für alle Mal nur auf dem legalen Weg zur Macht
    streben wird. Auf dem im April 1924 stattgefundenen IX. Parteitag der KPD haben
    sich die Kommunisten ebenfalls für die Legalität entschieden. Die
    Kommunistische Partei wurde zu diesem Zeitpunkt eine Parlamentspartei und
    kämpfte im Rahmen von Wahlen um die Macht. Sie verzichtete gänzlich auf die
    Vorbereitung von Staatsstreichen. Die Kommunisten beschäftigten sich mit der
    Agitation, organisierten Demonstrationen und Meetings, nähten rote Fahnen und
    druckten Flugblätter. Sie hatten wie die Nazis sogar ihre eigenen
    Sturmabteilungen. Aber sie haben nie wieder irgendwelche Umstürze vorbereitet!
    Es gibt kein einziges glaubwürdiges historisches Dokument, das derartige
    Aktivitäten beweist. Kein einziges!
    Die kommunistische Bedrohung verlor in Deutschland ihre Schärfe. Sogar
    auf parlamentarischem Wege konnten die Kommunisten nicht an die Macht
    kommen. Ihr bestes Wahlergebnis erzielten die Anhänger des bärtigen Marx am 6.
    November 1932 mit 5.980.200 Stimmen, d.h. mit 16,9 % der Wahlberechtigten.
    War das gefährlich? Natürlich nicht! Von einer kommunistischen Mehrheit im
    Parlament konnte nicht die Rede sein. Wenn dem so ist, dann sollen die roten
    Abgeordneten ruhig im Parlament sitzen und für die Rechte der Arbeiter kämpfen.
    Wozu sollte man die Nazis fördern, die dann später alle Parteien verbieten und sich
    selbst als die besten Verteidiger der Interessen der arbeitenden Menschen in
    Deutschland erklären werden?
    Besonders erstaunlich ist die Tatsache, dass selbst Adolf Hitler – der größte
    Kämpfer gegen den Kommunismus – nicht an eine kommunistische Gefahr in
    Deutschland glaubte. „Eine solche Gefahr besteht nicht und hat auch niemals
    existiert“ sagte er Hermann Rauschning. „Diesen Umstand habe ich immer
    berücksichtigt und ich habe angeordnet, dass die Kommunisten in unsere Partei
    ungehindert aufgenommen werden. Die Nationalsozialisten kommen niemals aus
    den Reihen der kleinbürgerlichen Sozialdemokraten oder Gewerkschaftlern, aber
    23
    wunderbar aus den Reihen der Kommunisten“[22].
    Tatsächlich, eine große Anzahl ehemaliger Kommunisten ist damals in die
    Reihen der NSDAP eingetreten. Sie wurden später in dieser Partei als „Beefsteaks“
    bezeichnet: „braun“ von außen und „rot“ von innen. In Deutschland finden schon
    keinerlei Aufstände und Umstürze mehr statt – nicht von den Rechten, und was für
    uns besonders wichtig ist, auch nicht von den Linken. Die Gefahr einer Vergiftung
    bestand nicht, d.h. es wurden auch keine Entgiftungsmittel gebraucht. Es bestanden
    gute Voraussetzungen, die Rechtsordnung, Rechtsorgane und ihre Beschützer zu
    stärken und alle Extremisten – sowohl rechte als auch linke – schonungslos zu
    bestrafen. Aber irgendjemand brauchte unbedingt die Machtübernahme durch
    Adolf Hitler. Ganz sicher waren das nicht die deutschen Industriellen.
    Bis jetzt haben wir keinen einzigen Grund gefunden, warum die Klasse der
    deutschen Großbourgeoisie die Nationalsozialisten finanzieren sollte. Natürlich
    gab es einige Vertreter, die ohne Zweifel Hitler Geld gaben. Aber das war eher die
    Ausnahme als die Regel. Das waren offensichtlich diejenigen, die das Programm
    der NSDAP nicht gelesen haben und bestrebt waren, die erheblichen
    sozialistischen Tendenzen in diesem Papier nicht zu bemerken. Aber es geht nicht
    nur um das Programm! Erinnern wir uns an den Namen der Hitlerpartei
    (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) und die Frage der Beziehung des
    Großkapitals zu ihr entfällt von selbst. Wo haben Sie, verehrte Leser, Magnaten
    gesehen, die eine sozialistische Arbeiterpartei finanzieren? Gibt es auf der
    politischen Bühne in Deutschland keine respektableren Parteien?
    Betrachten wir folgende interessante Frage: Wann gaben die berüchtigten
    „deutschen Industriellen“ den Nazis das Geld? Fünfzehn Jahre, d.h. von 1919 bis
    1933, dauerte der Aufstieg von Adolf Hitler zur Macht. In der Literatur über den
    Weg des Führers der Nazis zu den Gipfeln der politischen Macht ist eine
    interessante Gesetzmäßigkeit zu finden: Je näher der Sieg von Adolf Hitler umso
    mehr Informationen über Sponsoren werden von den Historikern mitgeteilt. Als
    Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, haben sicher nur Faulpelze keine Gelder
    in die Parteikasse der NSDAP eingezahlt. Die Zahl der Sponsoren wurde immer
    größer. Der Führer der NSDAP konnte nun auf gleicher Augenhöhe Gespräche mit
    allen Magnaten in Deutschland über Unterstützungen führen. Hinter seinem
    Rücken standen hunderttausende SA-Männer, viele Mitglieder seiner Partei und
    die Sympathie von Millionen seiner Wähler. Von diesem Zeitpunkt an verhandelte
    er tatsächlich mit den „deutschen Industriellen“ und bekam von Ihnen die
    entsprechenden Mittel. Aus irgendeinem Grund lieben es die Historiker nicht, ein
    äußerst wichtiges Detail zu beachten. Fast alle Fakten dieser Unterstützung Hitlers
    beziehen sich auf die letzten zwei Jahre vor seiner Machtübernahme. Der bekannte
    deutsche Unternehmer, Fritz Thyssen, hat in seinem Buch „Ich zahlte Hitler“
    zugegeben, dass der Gesamtbetrag, den die Schwerindustrie Hitler übergab,
    insgesamt zwei Millionen Mark betrug [23]. Die Rheinwestfälische Gruppe der
    Industriellen hat nach den Worten von Walther Funk auf dem Nürnberger Prozess,
    Hitler einen Geldbetrag von mehr als einer Millionen Mark gegeben [24]. Dies
    geschah alles in den Jahren von 1931 bis 1932.
    24
    Die Sieger des Zweiten Weltkrieges haben aus irgendeinem Grund diese
    Tatsachen völlig außer Acht gelassen. Keiner der reichen Industriellen wurde für
    die Finanzierung der Hitlerpartei, die letztendlich zum Tod von zig Millionen
    Menschen beigetragen hat, zur Verantwortung gezogen und vor ein Gericht
    gestellt. Im Jahre 1947 wurde z.B. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach zu 12
    Jahren Haft mit Einbeziehung seines Vermögens verurteilt. Diese Strafe erhielt er
    nicht für die Finanzierung der Nazis, sondern dafür, dass in seinen Fabriken völlig
    unschuldige Menschen aus Osteuropa als Zwangsarbeiter tätig waren. Der
    Industrielle, Emil Kirdorf, aus dem Ruhrgebiet, der schon frühzeitig von den Ideen
    Hitlers begeistert war, hat von jeder Tonne der verkauften Kohle 5 Pfennige an die
    Parteikasse der NSDAP abgeführt. Diese „Spende“ betrug 6 Millionen Mark/Jahr.
    Das war sehr viel Geld! Aber auch dafür wurde er nicht vor ein Gericht gestellt.
    Nur wenn die Kohle von den Häftlingen eines Konzentrationslagers abgebaut
    wurde und dabei hunderte oder tausende Menschen vor Erschöpfung starben, dann
    erhielt der entsprechende „Sponsor“ der Nazis seine Haftstrafe. Keine Häftlinge –
    keine Anklageschrift!
    Für die Finanzierung von Hitler und seiner Partei wurde niemand angeklagt
    und verurteilt. Nicht weil die Industriellen dank ihrer vielen Milliarden gerichtlich
    nicht belangt werden konnten, sondern weil die Summe ihrer „Opfergaben“ im
    Vergleich mit den Ausgaben der Hitlerpartei lächerlich gering waren. Ihre Hilfe für
    die Nazis war wichtig, aber nicht entscheidend. Sogar in den 30iger Jahren, d.h. in
    den „goldenen Jahren“ Adolf Hitlers, standen die Ausgaben der Nazis in keinem
    Verhältnis zu den Einnahmen! Nach vorsichtigen Schätzungen betrugen die
    Ausgaben der NSDAP für Propaganda, für die SA-Männer und für die ständigen
    Wahlen 70 bis 90 Millionen Mark im Jahr [25].
    Die nachweisbaren Spenden für die NSDAP in Höhe von 3 Millionen Mark,
    1 Million Mark und sogar von 6 Millionen Mark aus dem Kohlepfennig sind im
    Vergleich mit den Ausgaben nur Kopeken. Selbst wenn wir die Parteibeiträge und
    Opfergaben der Deutschen dazu zählen, ergibt sich eine Differenz von 30 bis 40
    Millionen Mark, die zwangsläufig aus anderen Quellen gedeckt werden mussten.
    Lügen die Industriellen? Spielen sie die Höhe ihres Anteils an der Finanzierung
    von Hitler herunter? Nein, sie sagen die reine Wahrheit. Wer gab Hitler die
    fehlenden Millionen? Er hat sie doch nicht aus dem Nichts geschaffen!
    Eine überzeugende Antwort auf diese Frage hat bisher kein einziger
    Forscher gegeben. Genauer gesagt, es wurden nur solche Antworten gegeben, die
    die Leser veranlassen, den Historikern künftig keine derartigen unbequemen
    Fragen mehr zu stellen. Vielleicht sind auch deshalb in den letzten Tagen des 3.
    Reiches ungefähr 90% aller Finanzunterlagen der Nazipartei spurlos
    verschwunden. Im Frühjahr 1945 haben die Faschisten hektisch viele
    Beweisunterlagen vernichtet. Unberührt blieben die Archive der Gestapo, in die
    Hände der Sieger gelangte außerdem der vollständige Schriftverkehr der SS- und
    der Parteiführung (z.B. der Briefwechsel zwischen Kaltenbrunner und Bormann).
    Diese Dokumente haben entscheidend dazu beigetragen, die höchsten Beamten des
  4. Reiches an den Galgen und hinter Gitter zu bringen. Warum haben sie diese
    25
    gefährlichen Dokumente nicht rechtzeitig vernichtet? Weil sie in dieser Zeit damit
    beschäftigt waren, die Unterlagen der Partei über ihre Finanzen zu vernichten. In
    erster Linie wurden diese Unterlagen vernichtet, erst dann wurde der so genannte
    „Kleinkram“, d.h. die Befehle über Massenerschießungen und Deportationen,
    verbrannt. Lohnte es sich, angesichts des bevorstehenden Untergangs, inmitten der
    Ruinen von Berlin und München, Unterlagen über die Finanzquellen Hitlers aus
    der Zeit vor seinem Machtantritt zu vernichten? Himmler oder Göring könnte es
    doch völlig egal sein, ob die Weltöffentlichkeit etwas über die Hintergründe der
    Finanzierung von Hitlers Machtantritt erfährt oder nicht. Ihnen drohte so oder so
    mindestens eine langjährige Gefängnisstrafe. Warum in dieser Situation
    Archivunterlagen mit Geldüberweisungen verbrennen und nicht mit Befehlen über
    Erschießungen und Hinrichtungen? Für Göring und Himmler machte das alles
    natürlich keinen Sinn, denn ihre Verbrechen waren wesentlich schwerwiegender.
    Aber die kleinen Fische im Naziapparat wollten gern weiter leben. Z.B. der
    ständige Schatzmeister der NSDAP, Reichsleiter und Obergruppenführer der SS,
    Franz Xaver Schwarz. Er verbrannte eigenhändig alle Finanzunterlagen der Partei
    im „Braunen Haus“ in München. Schwarz kannte jedes Detail der Finanzierung
    seiner Partei. Wegen seines Geizes beschwerte sich Hitler mehrmals. Er schimpfte
    „Für jeden Pfennig muss man ihn anbetteln“, „Mit seinem … sitzt er fest auf den
    Geldtruhen“ und „Auf der Straße bekommt man mehr, als bei ihm“. Aber seinen
    Schatzmeister Schwarz hat Hitler weder rausgeschmissen noch bestraft, denn so
    wie er, sollte jeder Finanzminister sein.
    Warum hat Schwarz die Finanzdokumente vernichtet? Viel interessanter ist
    die Frage: Warum hat er nicht ohne Ausnahme sämtliche Dokumente vernichtet,
    sondern einen Teil davon nicht angerührt? Weil Franz Xaver Schwarz an seinem
    Leben hing und dafür etwas tun musste. Er war verpflichtet, alle komprimierenden
    Dokumente zu verbrennen und die unverfänglichen an ihrem Platz zu belassen.
    Von wem hing das zukünftige Schicksal der Naziführer ab? Von den
    deutschen Industriellen Krupp und Borsig! Selbstverständlich nicht! Es hing von
    denen ab, die das faschistische Deutschland besiegt haben – von den führenden
    Persönlichkeiten der Länder der Antihitlerkoalition. In welche Okkupationszone
    strebten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften die Bonzen des
    Dritten Reiches? In die anglo-amerikanische Zone. Von den in München
    einmarschierenden Verbündeten wurde auch Franz Xaver Schwarz verhaftet, der
    vorbeugend in seinem Archiv alles Überflüssige bereits verbrannt hatte. Auf der
    Basis der erhalten gebliebenen Unterlagen der NSDAP zogen unsere Historiker die
    Schlussfolgerung, dass die deutschen Industriellen Hitler finanziert haben.
    Siehe da, hier geschah ein „Verwandlungswunder“: in 10% der verbliebenen
    Dokumente ist die Rede von deutschen Sponsoren für die Nazis, was automatisch
    bedeutet, das auch in den 90 % der verbrannten Dokumente genau das gleiche
    stand! Diese umwerfende Schlussfolgerung ziehen sowohl die westlichen als auch
    die sowjetischen Historiker. Für Sie, verehrter Leser, bleibt der Verstoß gegen die
    Gesetze der Logik im Verborgenen. Doch warum einen großen Teil der
    Dokumente verbrennen und einen kleinen Teil erhalten, wenn auf seiner Grundlage
    26
    alle Dokumente „wiederhergestellt“ werden können? Der Logik folgend, müssten
    sich doch die verbrannten Dokumente radikal von den erhaltenen gebliebenen
    unterscheiden! Natürlich müssen die Dokumente vernichtet werden, die kein
    einziger Forscher sehen darf. D.h. jene, welche die Regierungen der Siegerländer,
    ihre Geheim- und Nachrichtendienste kompromittieren. Erhalten blieben dank
    Obergruppenführer Schwarz genau die Dokumente, die belegen, dass Opfergaben
    von Krupp, Borsig u.a. erfolgten, d.h. von deutschen Industriellen, von denen der
    ehemalige Schatzmeister der NSDAP jetzt nicht mehr abhängig ist. Das weitere
    Schicksal von Franz Xaver Schwarz beweist, dass unsere Schlussfolgerungen der
    Wahrheit sehr nahe kommen. Nach der Vernichtung der Papiere, welche die Sieger
    kompromittieren könnten, erhielt der große NSDAP-Mann und SS-Mann eine
    „kindische“ Gefängnisstrafe von 2 Jahren. Schon im Jahre 1947 ist der
    Schatzmeister des Führers wieder auf freiem Fuß. Ihm scheint, dass alles wie
    vereinbart läuft. Im Gericht macht er die richtigen Aussagen, schweigt, wo er
    schweigen muss, erhält ein paar Jahre Gefängnis und ist schnell wieder auf freien
    Fuß. Nur eins hat er leider vergessen – nur ein toter Zeuge ist ein guter Zeuge!
    Franz Xaver Schwarz, schon 1947 wieder in Freiheit, ist plötzlich im gleichen Jahr
    gestorben. Im Gefängnis ist er gesund, in der Freiheit stirbt er.
    Die Namen der Personen, die Hitler finanziell unterstützten, sind oft genannt
    worden. In der Regel sind das entweder die berühmten „Krupp und Borsig“ oder
    irgendwelche Figuren von provinzieller Natur. Als Hitler wegen seines
    „Bierputsches“ vor dem Gericht stand, wurde festgestellt, dass seine Partei
    finanzielle Unterstützungen vom Direktor des bayerischen Industriellenverbandes,
    vom Geheimrat, Hermann Aust, und vom Rechtsberater des Bündnisses, Doktor
    Kuhlo, erhalten hatte.
    Derartige Namen kann man ohne Ende aufzählen – sie sagen uns gar nichts.
    Die Summen dieser Unterstützungen sind derart gering und lächerlich, dass sie auf
    keinen Fall Hitler geholfen haben, in Deutschland die Macht zu ergreifen. Warum
    lieben es die Historiker, uns verschiedene rührende Geschichten darüber zu
    erzählen, wie Bürger und Bürgerinnen den jungen Hitler unterstützt haben? Von
    einem Buch zum anderen Buch über Hitler wandert z.B. die Geschichte von der
    wichtigen Spende der Ehefrau des Besitzers der bekannten Pianofabrik, Helene
    Bechstein. Diese ältere Dame entwickelte zum Waisen Adolf eine wahre
    Mutterliebe. Um mit Hitler während seines Aufenthaltes im Gefängnis eine
    Rendezvous zu bekommen, gab sie ihn als ihren Adoptivsohn aus. Ebenso
    freigebig war Frau von Seidlitz: nach den Worten der Hitler-Biographen übergab
    sie ihren gesamten Besitz den Nazis [26]. Will man damit andeuten, der Platz
    solcher flinker Damen wäre auf der Bank der Angeklagten des Nürnberger
    Prozesses? Sollen bornierte Damen im hohen Balzac-Alter für die zig Millionen
    Opfer des Naziregimes die Verantwortung übernehmen? Diejenigen, die uns so
    farbenfroh die Vorlieben solcher Großmütter beschreiben, verstehen entweder gar
    nichts von der Finanzierung von politischen Parteien oder, im Gegenteil, sie sind
    bestens mit dieser Frage vertraut. Allen ist sicher klar, dass mit den Opfergaben
    einiger Damen keine Partei und auch keine Sturmabteilungen finanziert werden
    27
    können. Irgendjemand gab den Nazis das Geld, denn die Sturmabteilungen
    entwickelten sich rasant. Jeder Stürmer (SA-Mann) erhielt von der Partei kostenlos
    seine Kleidung, feste Schuhe und eine gute Verpflegung. Jeder SA-Mann erhielt in
    der Zeit der schrecklichen totalen Arbeitslosigkeit in Deutschland außerdem ein
    bescheidenes Gehalt. Diese Maßnahmen und nicht die schönen Reden des Führers,
    Adolf Hitler, trugen maßgeblich dazu bei, viele neue Mitglieder für die
    faschistische Partei zu werben und zu gewinnen. Zieh das braune Hemd an, dann
    haben deine Kinder etwas zu Essen. Die Sturmabteilungen wuchsen und wuchsen,
    d.h. die Ausgaben für sie auch. Woher nahm der Führer das Geld? Die
    Mitgliedsbeiträge können das auch nicht erklären. Das wäre schon sehr komisch:
    Es kommt der zukünftige SA-Mann in die NSDAP und zahlt seinen
    Mitgliedsbeitrag. Auf der Grundlage dieses Beitrages wird er eingekleidet, erhält
    seine Verpflegung und ein Gehalt?
    Die Antwort auf die Frage über die tatsächlichen Geldquellen der
    Nationalsozialisten finden wir, so seltsam es klingt, in den gleichen Büchern über
    den Führer. „Hitler organisierte auch systematisch die Sammlung von Geld im
    Ausland. Einer seiner eifrigsten Eintreiber war ein gewisser Doktor Hanser in der
    Schweiz (K. Heiden „Geschichte des Nationalsozialismus“ russ. Ausgabe „Der
    Weg der NSDAP“) [27].
    Ich gebe zu, als ich auf diesen Satz gestoßen bin, musste ich, um zu
    begreifen, dass ich den Inhalt richtig verstanden habe, ihn immer und immer
    wieder lesen.
    Der angehende Politiker Hitler sucht das Geld im Ausland!
    Um uns nicht völlig zu verwirren und unsere Psyche zu schonen, nutzen die
    Autoren der Bücher über den Führer unbedingt das kleine Wort „auch“, damit wir,
    Gott bewahre, nicht denken, dass ALL IHR GELD die junge und hungrige
    nazistische Partei aus dem Ausland erhielt! Außerdem haben sie zur Ablenkung ein
    paar nette ältere Damen arischer Herkunft und irgendeinen Industriellen aus
    Deutschland auf Lager, die Hitler ein wenig Geld gegeben haben.
    Es ist verständlich, dass Bürger irgendeines Landes ihre eigenen Politiker
    mit Geldspenden unterstützen wollen. Ihnen gefallen die führende Persönlichkeit,
    ihr Programm und vielleicht noch irgendetwas anderes. Letztendlich können
    Spenden an politische Parteien nicht verboten werden. Mögen sie spenden! Jedoch
    in einem beliebigen unabhängigen Land ist es den Politikern verboten, Spenden
    aus dem Ausland anzunehmen. Unter dem Deckmantel derartiger persönlicher und
    gutgemeinter Spende verbergen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Geheimdienste
    des Machtkonkurrenten, die auf diesem Wege eine Marionette, d.h. ihren Favoriten
    an die Macht bringen wollen. Natürlich zum eigenen Vorteil und Wohle. Aus
    diesem Grund wird jeder beliebige Staat, der seine Unabhängigkeit bewahren
    möchte, die Bildung verschiedener Geldanlagen und Organisationen, die von
    ausländischen „Menschenfreunden“ finanziert werden, sehr aufmerksam
    beobachten. Bei uns (in Russland, d. Übers.) werden solche „brüderliche
    Gemeinschaften“ als „Nichtstaatliche Organisationen“ (NSO) bezeichnet. Warum
    wird diesen NSOs im modernen Russland so viel Aufmerksamkeit geschenkt?
    28
    Damit die Finanzierung und Steuerung des politischen Kampfes nicht aus dem
    Ausland erfolgt!
    Der zur Macht strebende Politiker, Adolf Hitler, erinnerte sogar aus größerer Entfernung
    nicht an einen großen Führer.
    Das ist vernünftig und richtig. Unser Buch beschäftigt sich jedoch nicht mit
    den Problemen der jungen russischen Demokratie, sondern mit den Schwierigkeiten eines anderen, wenn auch jungen Staates, der Weimarer Republik. Sogar auf
    der Grundlage unbedeutender und lückenhafter Informationen und Nachrichten aus
    dieser Zeit ist festzustellen, dass Anfang der 20iger Jahre des 20. Jahrhunderts dort
    ein einmaliges Chaos herrschte. Im Unterschied zu der heutigen Macht in der
    Russischen Förderration interessierte sich im damaligen Deutschland niemand von
    den Machthabern dafür, warum die NSDAP aus dem Ausland finanziert wird. Das
    Ergebnis dieser völlig fehlenden Neugierde der Macht ist allgemein bekannt: Im
    Jahre 1933 kam Adolf Hitler an die Macht…
    Wer aus dem Ausland wollte dem kaum bekannten deutschen Politiker
    Geld geben? Die Historiker entwickeln dazu verschiedene Varianten und
    Versionen. Wer sie liest kann nur staunen.
    „Die Partei, die sich so erfolgreich behauptete, erhielt ihre finanzielle
    Unterstützung auch aus tschechoslowakischen, skandinavischen und in erster Linie
    aus den schweizerischen Finanzkreisen“[28], schreibt Joachim Fest, der als einer
    der besten Biographen des Führers bezeichnet wird.
    Wir müssen zugeben, das ist eine ziemlich unerwartete Behauptung. Wo
    bleiben die „deutschen Industriellen“? Es zeigt sich, dass ernsthafte Forscher der
    Geschichte des Nationalsozialismus, obwohl sie sich nicht einmal besonders
    bemühen, die geschichtlichen Klischees ihrer Leser zu zerstören, selbst – im
    29
    Unterschied zu vielen Lesern – diesen Klischees keinen Glauben schenkt.
    Wozu sollten die Tschechen ihr Geld dem angehenden Fanatiker Adolf
    Hitler geben? Nichts, außer laute Auftritte in Bierkneipen und Zirkuszelten hatte
    der Führer bis zu diesem Zeitpunkt geleistet. Ja, seine Auftritte sind gut, ja, er ist
    talentiert, ja, er ist eine Bestie. Aber er ist gegenwärtig nur eine von vielen Figuren
    in der regionalen bayerischen politischen Szene! Ja, was ist er! Die
    Nationalsozialisten sind vorläufig nur eine winzige politische Gruppierung. Das
    schreiben die „großen Kenner“ des Dritten Reiches sogar selbst.
    „Bis zum Jahre 1930 waren die Nazis nur eine unbedeutende Partei, die sich
    an der Peripherie des politischen Lebens in Deutschland tummelte“ [29].
    Welches Interesse hatten die Tschechen an den Nazis? Welchen Grund
    haben die Skandinavier, Hitler zu finanzieren? Wozu brauchen die Schweizer die
    Nationalsozialisten? In der Regel werden wir auf diese Fragen keine Antworten
    von den Historikern erhalten. Es ist schwierig, sich dafür plausible Gründe
    auszudenken. In der Regel finden wir solche nichtssagenden Sätze wie: „die
    Beweggründe für die Unterstützung der Partei waren so vielfältig wie die Quellen
    der Finanzierung“ [30].
    Wir brauchen keine Ausreden, sondern Antworten! Natürlich gibt es
    Wissenschaftler, die Bücher schreiben, sie in millionenfachen Auflagen verlegen
    und verkaufen, gut davon leben, aber die von ihnen untersuchten Probleme und
    Fragen nicht verstehen. Ich habe nichts dagegen, wenn Schriftsteller und Forscher
    gut leben. Aber ich möchte, dass sie zumindest ihre Leser respektieren!
    In den Jahren 1938 bis 1939 wird die Tschechoslowakei von Hitler
    zerstückelt und anschließend Stück für Stück annektiert. Für was haben die
    geheimnisvollen tschechischen Freunde der NSDAP das Geld gegeben? Waren sie
    noch bei Verstand?
    Die neutralen „Skandinavier“ haben angeblich auch Adolf Hitler geholfen.
    Wer waren diese Skandinavier? Vielleicht waren es die Norweger, deren
    Territorium 1940 von den Empfängern ihres Geldes erobert wurde? Oder war es
    der norwegische König, der vor langer Weile politisches Roulett spielte, dem
    Führer Geld schickte und später auf einem britischen Minenboot aus seinem Land
    flüchtete? Sicher gibt es einfachere Möglichkeiten, einen Ausflug auf hoher See zu
    organisieren. Vielleicht waren diese „Skandinavier“ auch Dänen, deren Land ohne
    jeglichen Widerstand seiner Armee annektiert wurde? Oder die Schweden, die wie
    durch ein Wunder bis zum Ende des Krieges neutral blieben?
    Wie bereits erwähnt wurde, dienen finanzielle Zuwendungen an politische
    Parteien immer einem bestimmten Ziel. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich
    um die Finanzierung von Politikern durch Bürger fremder Staaten handelt. In
    diesem Fall sind die damit verbundenen Zielstellungen besonders schwerwiegend.
    Sie sind nicht nur von wirtschaftlicher, sondern vor allem von geopolitischer und
    strategischer Natur.
    Einen realen Sinn, Hitler und seine Partei zu finanzieren, sehe ich bei
    keinem der o.g. „Geldgeber“. Worin besteht das „Geschäft“, worin der Gewinn?
    Worin besteht der geopolitische Nutzen? Welchen Nutzen haben die
    30
    Tschechoslowakei, Norwegen oder die Schweiz von der Wiedergeburt eines
    starken deutschen Staates? Überhaupt keinen! Vielleicht sind sie geheime
    Anhänger der Nazis? Nein, derartiges ist weder in Dänemark, in der
    Tschechoslowakei noch in der Schweiz bekannt geworden. Natürlich, ein paar
    hundert Fanatiker, welche die Reihen der SS-Divisionen und später die
    Massengräber füllten, gab es. Geldspenden und Kanonenfutter sind jedoch
    offensichtlich zwei völlig verschiedene Dinge!
    In seinem Buch schreibt Joachim Fest „Im Herbst 1923 ist Hitler nach
    Zürich gereist und kehrte von dort, wie man sagte, mit einer Kiste, gefüllt mit
    Schweizer Franken und Dollarscheinen, zurück”[31]. D.h., am Vorabend des
    Putschversuches in München hat irgendjemand dem künftigen Führer eine solide
    Geldsumme bereitgestellt. Uns versuchen bestimmte Wissenschaftler davon zu
    überzeugen, dass dies die Schweizer waren!
    Zu diesem Sachverhalt ist eine Erklärung notwendig. Im April 1917 ist
    Wladimir Iljitsch Lenin von Zürich in der Schweiz über das Deutsche Reich und
    Skandinavien nach Petrograd gefahren. Durch Deutschland fuhr er in einem
    plombierten Eisenbahnwaggon. Warum schreiben viele Autoren, dass die großen
    Finanzmittel, welche die Bolschewiki besaßen, Gelder des deutschen
    Generalstabes waren? Was ist das für ein Blödsinn? Lenin lebte doch in der
    Schweiz, in der Stadt Zürich, in die nach nur sechs Jahren Adolf Hitler fuhr. Wenn
    wir der Logik der Hitler-Biographen folgen, dann gaben die Schweizer Lenin das
    Geld! Der Schweizer Geheimdienst ist demnach der Organisator der
    Oktoberrevolution in Russland! Niemand ist bisher darauf gekommen. Weil, wie
    im Fall mit den Nazis völlig unklar ist, warum die Schweizer Geld für die russische
    Revolution oder für deutsche Randgruppen ausgeben. Vielleicht, damit sie mehr
    Schokolade im zerstörten Europa verkaufen können? Oder um auf diese Art und
    Weise den Verkauf ihrer Uhren zu steigern?
    Solang wir die Tschechen und die Schweizer für die Schatzmeister der
    Nationalsozialisten halten, werden wir die Geschichte des Aufstieges von Hitler an
    die Macht und die Geschichte der Entfesselung des Zweiten Weltkrieges nicht
    verstehen. Warum schreiben die Hitler-Biographen einen derartigen Unsinn?
    Verstehen sie tatsächlich nicht die Naivität ihrer Behauptungen?
    Sie verstehen dies sehr wohl. Deshalb werden wir mit nichtssagenden
    Antworten abgespeist. Als gewissenhafte Menschen müssen sie darüber schreiben,
    weil es viele Zeugen gibt, die beweisen, dass über die Tschechoslowakei, die
    skandinavischen Länder und die Schweiz Finanzen zu Hitler geflossen sind.
    Obwohl diese Informationen nur wenige Zeilen einnehmen, sagen sie mehr über
    die Hintergründe, den Verlauf und die Folgen des Zweiten Weltkrieges aus, als
    ganze Seiten vieler historischer Arbeiten.
    Die Finanzierung dunkler Machenschaften und fragwürdiger
    Geschichten in der Weltpolitik werden immer über Banken und
    Persönlichkeiten neutraler Länder abgewickelt! Kommt die Wahrheit ans Licht,
    dann wird alles auf die „Neutralen“ geschoben, keine Supermacht hat damit etwas
    zu tun. Deshalb werden von den Historikern nur diese genannt. Die
    31
    schweizerischen Bankiers haben nur ihre Aufgabe erfüllt. Sie wurden beauftragt –
    Hitler das Geld zu übergeben. Und das taten sie auch.
    Eine weitere wichtige Frage ist: Warum gaben die „guten“ Neutralen gerade
    ihm das Geld? Vielleicht haben sie alle Parteien gesponsert? Nach der Devise:
    Egal wie es kommt! Nein nicht alle. Nur die Perspektivreichsten. „Das so genannte
    „dunkle Pferdchen“, Kurt Lüdecke, hat in dieser Zeit offensichtlich auch aus
    unbekannten ausländischen Quellen erhebliche Geldmittel erhalten. Er finanzierte
    damit z.B. eine „private“ Sturmabteilung mit mehr als 50 Kämpfern“ [32].
    Wer war Kurt Lüdecke? Ein hochgestellter Nazi? Nein! In den Büchern
    können wir über ihn folgende Beschreibung finden: „er gehörte zu den ersten
    Anhängern der Bewegung“, „einer der Freund“ und sogar „ein Agent Hitlers“.
    Dieser, sich durch nichts besonders auszeichnende „Freund“ schöpfte aus
    unbekannten ausländischen Quellen Geld für den jungen aufstrebenden Hitler.
    Später finden wir das „dunkle Pferdchen“ als Korrespondenten der Zeitung
    „Völkischer Beobachter“ des Zentralorgans der Nationalsozialistischen Deutschen
    Arbeiterpartei. Warum ernennt Hitler seinen „Geldbeschaffer“ nicht zum
    Gauleiter, nicht zum Gruppenführer der SS und nicht einmal zum Hauptredakteur,
    sondern nur zum Korrespondenten? Ein derartiger alter cleverer Freund könnte
    dem neuen Reichskanzler, Adolf Hitler, auf einem verantwortungsvollen Posten
    sicher sehr nützlich sein. Aber Kurt Lüdecke wird zum Schreiben von Reportagen
    abkommandiert.
    Doch wir brauchen uns nicht zu wundern, denn die Bezeichnung „dunkles
    Pferdchen“ ist nichts anderes als ein Synonym für die Worte „Kundschafter“ oder
    „Agent“. Korrespondent einer Zeitung zu sein – das ist eine beliebte Legende für
    die verdeckte Tätigkeit eines Geheimdienst-Mitarbeiters. Anhand der Information,
    wohin Lüdecke in den 30iger Jahren delegiert wird, können wir ableiten, woher er
    seine finanziellen „Inspirationen“ in den Jahren 1920 bis 1922 erhielt. Wohin wird
    er geschickt? Nach Bremen, Rostock oder Berlin? Vielleicht sogar nach Moskau,
    Prag oder Genf? Nein, Kurt Lüdecke wird in die USA geschickt …
    Es gibt eine weitere interessante Variante: Hitler wurde vom
    französischen Geheimdienst finanziert [33]!
    Mit dieser Logik sind wir schon vertraut. Es gibt Informationen, dass die
    Nazis Finanzspritzen aus dem benachbarten Frankreich erhalten haben. Irgendwie
    muss man den Lesern erklären, warum die Franzosen das gemacht haben. Deshalb
    schreiben die „Wissenschaftler“, dass für die Franzosen die Nazis bayrische
    Separatisten sind, die unterstützt werden müssen!
    Frankreich war schon immer ein Anhänger einer Politik der Zersplitterung
    Deutschlands in viele kleine Länder. Deshalb hat die Idee, den Anhängern einer
    Politik der Abspaltung Bayerns von Deutschland Geld zu geben, eine reale
    Grundlage. Der einzige Haken: Die Anhänger Hitlers waren keine Separatisten und
    für Hitler war Frankreich der Hauptfeind von Deutschland. „Denn über folgendes
    muss man sich völlig klar sein: Der Todfeind des deutschen Volkes ist und bleibt
    Frankreich. Egal wer in Frankreich regiert oder regieren wird, ob Bourbonen oder
    Jakobiner, Napoleoniden oder bürgerliche Demokraten, klerikale Republikaner
    32
    oder rote Bolschewisten – das Endziel ihrer außenpolitischen Tätigkeit wird immer
    die Eroberung des Rheins sein. Damit Frankreich diesen großen Fluss in seinen
    Händen behält, wird es immer bestrebt sein, dass Deutschland ein schwacher und
    zersplitterter Staat bleibt.“, schrieb Hitler ein wenig später in seinem Buch „Mein
    Kampf“. Wird der französische Geheimdienst tatsächlich von solchen
    Dummköpfen geführt?
    Zum Zeitpunkt der so genannten französischen Zuwendungen gab es Hitlers
    Buch noch gar nicht. Vielleicht ist das der Grund für die merkwürdige
    „Verwirrung“ der Hitlerforscher? Das Programmwerk des Führers existierte nicht,
    aber das Programm der NSDAP gab es. Schon aus reiner Neugier sollten sich die
    Franzoden mit ihm vertraut machen, zumindest vor der Bereitstellung finanzieller
    Mittel einmal durchblättern. Eine Verwechslung von Separatisten und Nazis wäre
    damit völlig ausgeschlossen. Die Franzosen haben offensichtlich das Programm
    der NSDAP nicht gelesen. Wahrscheinlich hatten die französischen Geheimdienste
    so viel Geld, dass sie sich erst gar nicht der Mühe unterzogen, die Dokumente der
    Organisationen zu lesen, an die sie ihre Finanzhilfen austeilten. Haben sie
    Finanzmittel verteilt, die zur Unterstützung von extremistischen Organisationen
    der deutschen Nachbarn vorgesehen waren?
    Warum können wir das lauthals behaupten? Weil jeder, der das Programm
    der Hitlerpartei gelesen hat, feststellen wird, dass vom Separatismus in diesem
    Dokument überhaupt nicht die Rede ist. Genau wie jeder „Kapitalist“ in diesem
    Programm auch keine „kapitalistischen“ Punkte über die „unentgeltliche
    Enteignung des Bodens“ und über die „Nationalisierung der Industriebetriebe“
    lesen wird. Im Gegenteil, die NSDAP trat in ihrem Programm für die Einheit
    Deutschlands auf. Schon der erste Punkt in diesem Programm zerstreut in dieser
    Frage jeglichen Zweifel:
    „Wir fordern den Zusammenschluss aller Deutschen auf der Grundlage des
    Selbstbestimmungsrechtes der Völker in einem großen Deutschland.“ Sogar wenn
    der französische Geheimdienst aus Zeitgründen nur den letzten, d.h. den Punkt 25,
    gelesen hat, gibt es keinerlei Zweifel an den Plänen der Hitlerpartei. Im Programm
    der NSDAP, das am 1. April 1920 beschlossen wurde, lautet der letzte, d.h. der 25.
    Punkt:
    „Zur Durchführung all dessen fordern wir die Schaffung einer starken
    Zentralgewalt des Reiches. Unbedingte Autorität des zentralen politischen
    Parlaments auf dem Territorium des Reiches und in allen seinen Organisationen.“
    Mit dem gleichen Erfolg können wir General Denikin (Kommandeur der
    Weißen Armee während des Bürgerkrieges 1917-1923 – Anm. d. Übers.) mit
    seiner Losung für ein „Einheitliches und unteilbares“ Russland oder die Führer des
    Volksaufstandes gegen die polnische-litauische Besetzung, Minin und Poscharski,
    Anfang des 17. Jahrhunderts (Führer der russischen Volkserhebung gegen die
    polnisch-litauische Besetzung während der Wirren Anfang des 17. Jahrhunderts)
    als Separatisten bezeichnen. Bedeutet das, dass die Franzosen tatsächlich zu faul
    waren, das Programm der Faschisten zu lesen? Oder haben sie es gelesen und
    hervorragend verstanden, wem sie das Geld geben? Aber warum sollten die
    33
    Franzosen einer politischen Bewegung helfen, die fünfzehn Jahren später ihre
    Heimat zerschlägt und okkupiert? Es soll auch schon folgendes vorgekommen
    sein: Ein gewisser Herr züchtet einen riesigen bösen Hund, der seinen Nachbarn
    töten soll. Plötzlich reißt er sich von der Kette und frisst seinen eigenen Herrn.
    Das, was in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg geschah, erfordert eine
    gesonderte detaillierte Erläuterung. Die Zahlung der ungeheuerlichen Reparationen
    führte zu einer unvorstellbaren Inflation, zu einer schrecklichen Arbeitslosigkeit
    und insgesamt zu einem katastrophalen Abfall der Lebensqualität. Verhungernde
    Kriegsinvaliden waren Anfang der 20iger Jahre des vorigen Jahrhundert eine
    bittere Realität in Deutschland. Die Häuser waren nicht beheizt, die Kinder halb
    verhungert, eine Welle der Selbstmorde durchlief das Land. Schwache Menschen
    sahen ihren Ausweg aus diesem Alptraum nur im Suizid. Ganze Familien sind auf
    diese Art und Weise ums Leben gekommen.
    Gut gekleidete Menschen (die Kleidung aus den Vorkriegsjahren war noch
    nicht verschlissen) wühlten in den Mülltonnen auf der Suche nach Essensresten.
    Eine aufblühende Prostitution. Arme, Bettler, demonstrierende Invaliden, die
    höhere Renten forderten um sich davon ein Glas Milch zu kaufen.
    Den Zeitzeugen der Perestroika und des Untergangs der Sowjetunion sind
    diese Bilder gut bekannt. Mit dem einzigen Unterschied, dass im Vergleich mit
    den Zuständen in den deutschen Nachkriegsjahren die Zeit der Reformen Gaidars
    nahezu paradiesisch waren. Deutschland ist damals wahrlich durch ein Fegefeuer,
    durch alle Höllenkreise Dantes gegangen. Die Inflation war unvorstellbar! Im
    Herbst 1923 kostete ein Hühnerei so viel, wie ca. 30 Mio. Eier im Jahre 1913 [34]!
    Dem jungen amerikanischen Reporter, Ernest Hemingway, erzählte ein deutscher
    Kellner die rührende Geschichte, wie er genügend Geld gespart hat, um ein Hotel
    zu kaufen. „Aber jetzt kann er sich für dieses Geld nur vier Flaschen Champagner
    leisten“ schreibt er. Ernst Hanfstaengl (über den im Folgenden noch die Rede ist),
    in seine Heimat zurückgekehrt, kann für seinen kleinen Sohn keine Milch kaufen.
    Es gab sie nur auf Lebensmittelkarten. Trotzdem war sie auch damit nicht zu
    bekommen. Der einzige Ausweg war, in einem 5-Sterne-Hotel so viel an Kaffee zu
    bestellen, dass man aus den beigefügten Sahneportionen die Milchflasche des
    Kindes füllen konnte [35].
    Denjenigen, die sich genauer informieren wollen, wie die Deutschen nach
    dem Krieg gelebt haben, empfehle ich die Romane von Erich Maria Remarque,
    insbesondere das Buch „Der schwarze Obelisk“ zu lesen. In diesem Buch ist
    hervorragend die Situation beschrieben, wie Mitarbeiter mit dem bis zum Mittag
    erhaltenen Lohn schnell in ein Geschäft laufen mussten, weil sich bereits am
    Nachmittag die Preise verzehnfachten.
    So lebte der einfache Deutsche. Die Nazis hatten anfangs auch finanzielle
    Schwierigkeiten. Die ersten Sturmabteilungen konnten im Winter keine
    Truppenkontrollen durchführen: Sie hatten keine warmen Schuhe. Aber allmählich
    regelte sich die Situation. SA-Führer und Parteifunktionäre erhalten ihr Gehalt in
    ausländischer Währung [36]. Das bedeutete Stabilität und Garantie eines guten
    Lebens im hyperinflationären Deutschland. Wie auch jede andere Partei sammelten
    34
    die Nazis Beiträge und Spenden. Die SA-Männer liefen mit Sammeldosen durch
    die Straßen der deutschen Städte, für die Auftritte Hitlers, in Zirkuszelten und im
    Theater wurden Eintrittskarten verkauft. Bei diesen Einkünften handelte es sich
    stets um Gelder in Deutscher Mark, die sich ständig entwerteten. Gutmütige ältere
    Damen spendeten auch Gelder in Deutscher Mark. „Keine Partei konnte damals
    von den Mitgliedsbeiträgen, die in Reichsmark eingezahlt wurden, existieren“
    [37], schreiben über diese Zeit selbst die Historiker. Wer aber Hitler die Dollars
    und die Schweizer Franken gab, das haben sie uns bis heute nicht genau erklärt.
    Wir können diese Frage auch selbst beantworten. Wenn wir verstehen, welchen
    Interessen der Führer und seine Partei entsprachen, dann wissen wir auch, wer das
    Geld für ihre Gründung und für ihre Entwicklung gab. Wie sollen wir erkennen,
    auf wessen Mühle Adolf Hitler Wasser gießen wollte? Sehr einfach. Im
    Unterschied zum französischen Geheimdienst blättern wir in seinem Programm.
    Lesen wir das Buch „Mein Kampf“ (Quelle: Auflage 1943, Bd. I und II; in diesem
    Buch wird nur die Seite genannt; Anm. d. Übers.) und wir werden alles verstehen.
    Das Buch ist sehr vielseitig. In ihm sind persönliche Erinnerungen eines
    Frontsoldaten mit antisemitischen Aussagen vermischt. Uns interessieren jedoch in
    erster Linie die politischen Ansichten des Autors. Alles, was die Möglichkeit gibt,
    sein Programm zu bewerten, zu verstehen und seine künftigen Handlungen
    vorauszusehen. Im Unterschied zu uns, wussten die Sponsoren von Hitler noch
    nicht, wie und weshalb seine Karriere beendet wird.
    Am Anfang des Buches wird eine Analyse der Gründe für die Niederlage
    Deutschlands im Ersten Weltkrieg durchgeführt.
    „Wenn europäische Bodenpolitik nur zu treiben war gegen Russland mit
    England im Bunde, dann war aber umgekehrt Kolonial- und Welthandelspolitik
    nur denkbar gegen England mit Russland… Allein man dachte ja auch gar nicht
    daran, sich mit Russland gegen England zu verbünden, so wenig wie mit England
    gegen Russland, denn in beiden Fällen wäre das Ende ja Krieg gewesen,…“ (Seite
    157).
    Schon allein aus diesen Aussagen wird die klare und präzise Ausrichtung der
    künftigen Politik Hitlers erkennbar. Um irgendetwas irgendjemanden
    wegzunehmen, muss man sich mit denjenigen verbünden, dem man nichts
    wegnehmen will. Die kaiserliche Diplomatie hat darüber nie nachgedacht und
    wurde deshalb in einen Krieg gegen die ganze Welt gezogen.
    „Da man aber überhaupt von einer planmäßigen Vorbereitung des Krieges
    nichts wissen wollte, verzichtete man auf Grunderwerb in Europa und opferte,
    indem man sich statt dessen der Kolonial- und Handelspolitik zuwandte, das sonst
    mögliche Bündnis mit England, ohne aber nun logischerweise sich auf Russland
    zu stützen, und stolperte endlich, von allen, außer dem habsburgischen Erbübel,
    verlassen, in den Weltkrieg hinein.“ (Seite 691).
    Wenn wir mit allen gleichzeitig kämpfen, dann ist es ausgeschlossen zu
    siegen. Das ist die erste wichtige Schlussfolgerung des Buchautors „Mein
    Kampf“. Außerdem analysiert er die „Festigkeit der Reihen“ der Gegner seines
    Landes.
    35
    „Denn darüber muss man sich endlich vollständig klar werden: Der
    unerbittliche Todfeind des deutschen Volkes ist und bleibt Frankreich.“ (Seite
    733).
    Im Gegensatz dazu charakterisiert Hitler den anderen Gegner der Entente –
    Großbritannien – in einer ganz anderen Tonart. Er rechtfertigt ihn sogar.
    „Gerade um Frankreichs Macht nicht übergroß anwachsen zu lassen, war
    eine Beteiligung Englands an seinen Raubgelüsten die einzig mögliche Form des
    eigenen Handelns. Tatsächlich hat England sein Kriegsziel nicht erreicht.“ (Seite
    695).
    Die Söhne des nebligen Albion (antiker Name für England – Anm. d.
    Übers.) bemühten sich ständig, die stärkste Macht auf dem Kontinent zu
    schwächen. Vor einiger Zeit war dies Deutschland. Nunmehr zerschlagen und
    ausgeraubt, stellte es keinerlei Gefahr mehr für die Briten dar. Nach der Meinung
    von Hitler kann Großbritannien nur mit Frankreich unzufrieden sein!
    „So war die Frucht des Kampfes gegen die Machtentwicklung Deutschlands
    politisch die Herbeiführung der französischen Hegemonie auf dem Kontinent.“
    (Seite 696).
    Die Grundsätze der britischen Politik werden nicht für Jahrzehnte sondern
    für Jahrhunderte geschmiedet! Nach der Auffassung Hitlers sollten sie auf keinen
    Fall davon Abstand nehmen.
    „Englands Wunsch ist und bleibt die Verhütung des übermäßigen
    Emporsteigens einer kontinentalen Macht zur weltpolitischen Bedeutung, d.h. also
    die Aufrechterhaltung einer bestimmten Ausgeglichenheit der Machtverhältnisse
    der europäischen Staaten untereinander; denn dies erscheint als Voraussetzung
    einer britischen Welthegemonie.“ (Seite 696).
    An dieser Stelle formulierte Hitler eine Schlussfolgerung. Eine der
    wichtigsten Schlussfolgerungen in seinem Buch. Schon allein deshalb musste
    dieses Buch geschrieben werden:
    „Wer von dem obigen Gesichtspunkt aus eine Prüfung der heutigen
    Bündnismöglichkeiten für Deutschland vornimmt, muss zu der Überzeugung
    gelangen, dass als letzte durchführbare Bindung nur eine Anlehnung an
    England übrigbleibt.“ (Seite 697).
    Wie heißt es doch so schön: „Aus den Augen, aus dem Sinn!“. Hitler will
    die alten Sünden von Großbritannien vergessen. Die Niederlage im Jahre 1918, die
    Revolution, die versenkte deutsche Flotte, die Reparationen – dies alles ist er bereit
    zu vergessen. Die Briten hätten das alles nicht aus Bosheit getan. Wir können auch
    sagen: „It’s nothing personal, it’s only business“.
    „Nun wird aber Bündnispolitik nicht getrieben vom Gesichtspunkt
    rückblickender Verstimmungen aus, sondern vielmehr befruchtet von der
    Erkenntnis zurückblickender Erfahrungen. Die Erfahrung aber sollte uns nun
    belehrt haben, dass Bündnisse zur Durchführung negativer Ziele an innerer
    Schwäche kranken.“ (Seite 697).
    Deshalb müssen wir positiv denken. Wir dürfen die Briten nicht verärgern,
    36
    aber von ihnen auch keine übertriebene Güte erwarten. Schon gar nicht eine prodeutsche Orientierung. Solche Politiker wird es in Großbritannien niemals geben.
    Einband der ersten Auflage vom Buch des Dritten Reiches „Mein Kampf“. Die
    grundlegende politische Idee dieses Buches ist, dass Großbritannien der größte und wichtigste
    Verbündete Deutschlands ist.
    „Es wird jeder Engländer als Staatsmann natürlich erst recht Engländer
    sein, jeder Amerikaner Amerikaner, und es wird sich kein Italiener bereitfinden,
    eine andere Politik zu machen als eine pro-italienische. Wer also Bündnisse mit
    fremden Nationen aufbauen zu können glaubt auf einer pro-deutschen Gesinnung
    der dort leitenden Staatsmänner, ist entweder ein Esel oder ein unwahrer Mensch.
    Die Voraussetzung zur Aneinanderkettung von Völkerschicksalen liegt niemals in
    einer gegenseitigen Hochachtung oder gar Zuneigung begründet, sondern in der
    Voraussicht einer Zweckmäßigkeit für beide Kontrahenten. D.h. also: So sehr,
    sagen wir, ein englischer Staatsmann immer pro-englische Politik betreiben wird
    und niemals pro-deutsche, so sehr können aber ganz bestimmte Interessen dieser
    pro-englischen Politik aus den verschiedensten Gründen heraus pro-deutschen
    Interessen gleichen.“ (Seite 698).
    „England wünscht kein Deutschland als Weltmacht, Frankreich aber keine
    Macht, die Deutschland heißt: ein denn doch sehr wesentlicher Unterschied! Heute
    aber kämpfen wir nicht für eine Weltmachtstellung, sondern haben zu ringen um
    den Bestand unseres Vaterlandes, um die Einheit unserer Nation und um das
    tägliche Brot für unsere Kinder. Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus
    37
    Ausschau halten wollen nach europäischen Bundesgenossen, so bleiben nur zwei
    Staaten übrig: England und Italien.“ (Seite 733).
    Interessant ist, dass in den Büchern der sowjetischen und westlichen
    Historiker sowie von den Politikern die Frage der ungehemmten Liebe Hitlers zu
    Großbritannien nicht berührt wird. Die Autoren erwähnen diesen Sachverhalt
    entweder gar nicht oder sie beschränken sich nur auf die Zeile: „Die einzig
    möglichen Verbündeten Deutschlands sind England und Italien“ [38].
    Außerdem lässt sich Hitler darüber aus, dass für Großbritannien und Italien
    ein starkes Frankreich auf dem europäischen Kontinent wie ein „Knochen im Hals“
    sein muss. Die Logik des Führers ist einfach und durchschaubar. Weil die o.g.
    Länder an einem starken Frankreich, welches auch dank fremder Hilfe und der
    Schwäche Deutschlands zu einer Führungsmacht wird, nicht interessiert sind,
    werden sie zu deutschen Freunden. Vielleicht sogar gegen ihren eigenen Willen.
    Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Vielleicht nicht mein Freund, aber auf
    jeden Fall nicht mein Feind!
    „Bei nüchternster und kältester Überlegung sind es heute in erster Linie
    diese beiden Staaten England und Italien , deren natürlichste eigene Interessen
    den Existenzvoraussetzungen der deutschen Nation wenigstens im
    allerwesentlichsten nicht entgegenstehen, ja in einem bestimmten Maße sich mit
    ihnen identifizieren.“ (Seite 700)
    Im Rahmen dieses Kapitels wird das Wort „England“ so oft wiederholt, dass
    dies den Leser nur in Erstaunen versetzen kann. Wieder und wieder beschäftigt
    sich Hitler mit dem gleichen Gedanken, betrachtet ihn von verschiedenen Seiten
    und wiederholt mehrmals ein und dasselbe.
    „Für Deutschland jedoch bedeutet die französische Gefahr die
    Verpflichtung, unter Zurückstellung aller Gefühlsmomente, dem die Hand zu
    reichen, der, ebenso bedroht wie wir, Frankreichs Herrschgelüste nicht erdulden
    und ertragen will.“(Seite 705)
    Worüber spricht Hitler? Bietet der Führer dem nebligen Albion seine
    Freundschaft an? Zehn Jahren vor seinem Machtantritt? Ja, das sagt und tut er.
    Denn geradezu und ohne Umschweife schreibt er:
    „In Europa wird es für Deutschland in absehbarer Zukunft nur zwei
    Verbündete geben können: England und Italien.“ (auch Seite 705)
    Der Schlüssel zum Erfolg für das schwache und zerschlagene Deutschland
    ist das Bündnis mit den Siegermächten, weil sie an seiner weiteren Schwächung
    nicht interessiert sind! An dieser Stelle habe ich es begriffen. Nicht für die
    deutschen Bürger und Hausfrauen, nicht für die Pimpfe und das Jungvolk, nicht für
    die wohlgenährten SA-Leute und nicht für die in schwarze Uniformen gekleidete
    SS hat Adolf Hitler sein Buch geschrieben. Die Seiten seines Buches „Mein
    Kampf“ gaben ihm die hervorragende Möglichkeit sich an den Herrscher der
    damaligen Welt – an die Briten – zu wenden, um ihnen mit einfachen und klaren
    Worten seine Gedanken und seine Vorschläge zu unterbreiten: In Deutschland
    entsteht unter der Führung von Adolf Hitler eine neue starke Bewegung. Seine
    volle Kraft hat diese Bewegung noch nicht erreicht, aber sie wächst. Sie braucht
    38
    und fordert Hilfe von außen. Wie ein Pflänzlein zum Licht, so strebt die
    faschistische Partei durch den deutschen politischen Boden nach oben. Für ihren
    Wachstum benötigt sie nur zwei Voraussetzungen: Geld und nochmals Geld. Keine
    Angst vor den Nazis! Es sind „gute“ Burschen, die keine Gefahr für die Briten
    darstellen. Eine starke pro-britische Kraft, die von dem ehrgeizigen deutschen
    Politiker, Adolf Hitler, geschaffen und an die Macht geführt wird. Die Briten
    können mit ihr ein Bündnis eingehen und sie angemessen unterstützen. Sobald sie
    an die Macht gekommen sind, werden sie eine Politik betreiben, die mit den Zielen
    der Vereinten Königreiches übereinstimmen. Andere Verbündete braucht Hitler
    nicht.
    „Wie konnte man jeden einzelnen dieser Punkte (des Versailler Vertrages –
    Anm. d. Übers.) dem Gehirn und der Empfindung dieses Volkes so lange
    einbrennen, bis endlich in sechzig Millionen Köpfen, bei Männern und Weibern,
    die gemeinsam empfundene Scham und der gemeinsame Hass zu jenem einzigen
    feurigen Flammenmeer geworden wäre, aus dessen Gluten dann stahlhart ein
    Wille emporsteigt und ein Schrei sich herauspresst: … (Seite 715).
    Der Versailler Vertrag hat Deutschland direkt an den Rand seines
    Untergangs gebracht. Die gewaltigen Reparationen, der Hunger, die Kälte, das
    Elend, die Arbeitslosigkeit, die Suizidwelle. Welcher „Aufrufschrei“ sollte nach
    der Auffassung des Führers aus der „tiefsten Seele“ des deutschen Volkes
    erfolgen? Geben Sie uns etwas zu essen? Heizen Sie unsere Wohnungen? Geben
    Sie uns Arbeit? Fordern Sie keine Reparationen? Erklären Sie den Versailler
    Vertrag für null und nichtig?
    Nein. Hitler schreibt im „Mein Kampf“ etwas anderes. Und zwar deshalb,
    weil er dieses Buch für ganz andere Menschen geschrieben hat. Nicht für die
    Historiker und Wissenschaftler und nicht für die Erforschung des Naziregimes.
    „Wir wollen wieder Waffen!“ (Seite 715) lautet das Satzende seiner Aussage
    zum Versailler Vertrag.
    Deutschland muss die Siegermächte um Waffen bitten? Um den Krieg gegen
    jene zu beginnen, die ihr Vaterland ausgeraubt und zerstört haben? Um die von
    seinem Land abgetrennten Territorien und die überseeischen Kolonien wieder zu
    erhalten? Wer gibt den Deutschen Waffen für einen Krieg gegen das eigene Land?
    Wir brauchen uns nicht aufzuregen. Die Antwort steht bereits im Buch. Sie lautet
    klar und deutlich:
    „…also Zurückstellung der Interessen der abgetrennten Gebiete gegenüber
    dem einzigen Interesse, dem verbliebenen Rest jenes Maß an politischer Macht und
    Kraft zu erringen, das die Voraussetzung für eine Korrektur des Willens
    feindlicher Sieger ist.“ (Seite 689).
    Er wird die abgetrennten Gebiete nicht zurückfordern. Denn das Bündnis mit
    Großbritannien ist eine einzige Möglichkeit um Deutschland wieder aufzubauen,
    um seine verlorengegangene Größe wieder herzustellen. Dafür muss man irgendein
    Opfer bringen! Denn der britische Sieger darf keine Angst haben, Deutschland
    wieder aufzurüsten. Deshalb werden die Waffen für ganz andere, gemeinsame
    Ziele eingesetzt. Für die Eroberung neuer Gebiete im Interesse beider Völker.
    39
    „Völkerschicksale werden fest aneinander geschmiedet nur durch die
    Aussicht eines gemeinsamen Erfolges im Sinne gemeinsamer Erwerbungen,
    Eroberungen, kurz einer beiderseitigen Machterweiterung.“ (Seite 697).
    Wo beabsichtigt der Führer die neuen Gebiete zum Ruhme und zur Ehre
    Deutschlands und Großbritanniens zu erobern? Darüber spricht er im 14. Kapitel
    „Ostorientierung oder Ostpolitik“ seines Buches. Gerade dieses Kapitel wird
    besonders gern und oft von den sowjetischen Historikern zitiert. Angesichts des
    völligen Abbruchs der Gedanken des vorhergehenden Kapitels geht die ganze
    Logik der Überlegungen Hitlers verloren. Ich bitte Sie deshalb, verehrter Leser, um
    Ihr Verständnis für die folgenden ausschweifenden Zitate. Diese sind für das
    Verständnis der Ursachen und Gründe des Zweiten Weltkrieges von sehr großer
    Bedeutung. Viel wichtiger sind die Gedankengänge des zukünftigen Führers und
    Kanzlers Deutschlands für die Beantwortung der Frage, was ist am 22. Juni 1941
    wirklich geschehen …
    Im 14. Kapitel erklärt Hitler, wohin die Faschisten das deutsche Volk
    schicken, sobald sie von den Siegern des Ersten Weltkrieges die notwendigen
    Waffen erhalten:
    „Die Forderung nach Wiederherstellung der Grenzen des Jahres 1914 ist
    ein politischer Unsinn von Ausmaßen und Folgen, die ihn als Verbrechen
    erscheinen lassen.“ (Seite 736)
    Im Ergebnis des Ersten Weltkrieges verlor Deutschland große Teile seines
    Territoriums. In diesen abgetrennten Teilen haben sich Frankreich, Polen, die
    Tschechoslowakei und Litauen Grund und Boden angeeignet. Die überseeischen
    Kolonien haben die Briten übernommen. Die Forderung nach Wiederherstellung
    der alten Grenzen würde zwangsläufig zu einem Krieg gegen diese Länder führen.
    Polen, die Tschechoslowakei und Litauen sind Länder, die von Großbritannien
    kontrolliert werden, Frankreich ist sein Hauptverbündeter. Weil die Briten einen
    derartigen Krieg nicht wünschen, werden sie selbstverständlich dafür weder
    Waffen noch Geld geben. Hitler fegt alle Zweifel der Briten ein für alle Mal weg.
    Wir brauchen kein Elsass, wir brauchen kein Lothringen, der Teufel soll sie holen.
    Es gibt viel interessantere Gebiete. Aber wo? Im Osten. Etwas weiter, hinter Polen
    und Litauen.
    „Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewusst einen Strich unter die
    außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor
    sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem
    Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir
    schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen
    über zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem
    Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm
    untertanen Randstaaten denken“ (Seite 742).
    Es ist alles klar gesagt. „Wir schließen mit der Kolonial- und Handelspolitik
    der Vorkriegszeit ab“ bedeutet eine Absage des deutschen Staates an seine
    Expansionsbestrebungen in China, Afrika und Asien am Anfang des 20.
    Jahrhunderts, d.h. in der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg. In diesen Gebieten ist alles
    40
    schon zwischen den Briten, Franzosen und anderen Europäern aufgeteilt. In diesen
    Kontinenten gibt es auch Gebiete mit amerikanischen Interessen. In diese Gebiete
    würde Hitler sich nicht wagen, er bewegt sich in Richtung Russland. Dort gibt es
    genug Land für alle. Nicht nur für die Deutschen, genug auch für die Briten!
    Wie ein guter Wahrsager bemüht sich Hitler darum, alle Bedenken
    auszuräumen, die beim Lesen seines Buches durch die Herren im britischen
    Geheimdienst entstehen könnten.
    Ein Bündnis zwischen Deutschland und Russland – das war der schlimmste
    Alptraum der Angelsachsen in diesem Jahrhundert. Was tun, wenn sich diese zwei
    kontinentalen Mächte anfreunden? Wir (die Briten, Anm. d. Übers.) rüsten Hitler
    auf unsere Kosten auf und er beginnt gemeinsam mit Russland (UdSSR) unsere
    Weltherrschaft in Frage zu stellen.
    Mit einer Leichtigkeit vertreibt der Führer in seinem Buch derartige
    irrsinnige Gedanken: „Das derzeitige, seiner germanischen Oberschicht
    entkleidete Russland ist, ganz abgesehen von den inneren Absichten seiner neuen
    Herren, kein Verbündeter für einen Freiheitskampf der deutschen Nation. Rein
    militärisch betrachtet, wären die Verhältnisse im Falle eines Krieges DeutschlandRussland gegen den Westen Europas, wahrscheinlich aber gegen die ganze übrige
    Welt, geradezu katastrophal. Der Kampf würde sich nicht auf russischem, sondern
    auf deutschem Boden abspielen, ohne dass Deutschland von Russland auch nur die
    geringste wirksame Unterstützung erfahren könnte.“ (Seite 748).
    Nach solchen beruhigenden und klarstellenden Sätzen wendet sich Adolf
    Hitler wieder an seine Leser. Natürlich an seine Leser in London und nicht an seine
    Leser in Berlin. Sobald wir begreifen, an wen sich Hitler tatsächlich wendet,
    verstehen wir auch den wahren Sinn seiner Worte:
    „Sorgt dafür, dass die Stärke unseres Volkes ihre Grundlagen nicht in
    Kolonien, sondern im Boden der Heimat in Europa erhält! Haltet das Reich nie für
    gesichert, wenn es nicht auf Jahrhunderte hinaus jedem Sprossen unseres Volkes
    sein eigenes Stück Grund und Boden zu geben vermag!“ (Seite 754) .
    Es scheint, als ob der Führer verständlich und ausführlich erklärt:
    x Er ist für ein Bündnis mit Großbritannien;
    x Sobald er den „väterlichen Segens“ der Briten und Franzosen für die
    Wiederaufrüstung Deutschlands erhält, ist er bereit, die Sowjetunion
    zu überfallen und diese nicht nur im Interesse der Deutschen, sondern
    auch im Interesse der ganzen „progressiven Menschheit“ zu
    zerschlagen;
    x Im Prinzip ist er bereit, auf die Rückgabe der von den britischen
    Freunden abgetrennten deutschen Gebiete zu verzichten.
    Hitler kommt nicht zur Ruhe und kehrt immer wieder auf das BündnisThema mit Großbritannien zurück. Es ist, als ob er irgendjemand zu irgendetwas
    überzeugen will.
    „Das wichtigste ist zunächst die Tatsache, dass eine Annäherung an
    41
    England und Italien in keiner Weise eine Kriegsgefahr an sich heraufbeschwört.
    Die einzige Macht, die für eine Stellungnahme gegen den Bund in Betracht käme,
    Frankreich, wäre hierzu nicht in der Lage.“ (Seite 755).
    Wozu Frankreich mit Hitler in einen Konflikt bringen? Obwohl er die
    Franzosen für die größten Feinde seines Heimatlandes hält, wird er seine
    Eroberungen im Raum Smolensk und Charkow und nicht in Marseilles und
    Toulons machen.
    „Der weitere Erfolg wäre, dass mit einem Schlage Deutschland aus seiner
    ungünstigen strategischen Lage befreit würde. Der mächtigste Flankenschutz
    einerseits, die volle Sicherung unserer Versorgung mit Lebensmitteln und
    Rohstoffen andererseits wäre die segensreiche Wirkung der neuen Staatenordnung
    … (Seite 756).
    Wie man es auch dreht, aber nach Auffassung von Hitler ist das Bündnis mit
    Großbritannien das Mittel zur Lösung aller deutschen Probleme. Ein Lebenselixier
    für das sterbende Deutschland!
    „Fast noch wichtiger aber würde die Tatsache sein, dass der neue Verband
    Staaten umschließt von einer sich in mancher Hinsicht fast ergänzenden
    technischen Leistungsfähigkeit. Zum ersten Male bekäme Deutschland Verbündete,
    die nicht als Blutegel an unserer eigenen Wirtschaft saugen, sondern sogar zur
    reichsten Vervollständigung unserer technischen Rüstung ihren Teil beitragen
    könnten und auch würden.“ ( auch Seite 756).
    Ist Ihnen, verehrter Leser, nicht klar geworden, woher der Führer die
    Technologien, die Waffen und das Geld für die Rüstung erhalten wollte? Mit
    wessen Hilfe Hitler den Kampf beginnen wollte? Er schreibt doch darüber ganz
    offen! Die letzten Kapitel des Buches „Mein Kampf“ sind nichtendende
    Lobeshymnen an die Adresse von Großbritannien. Die Komplimente an
    Großbritannien fließen förmlich von einer Seite auf die andere:
    Großbritannien ist „Die größte Weltmacht der Erde…“, das Bündnis mit
    einem solchen Staat wird „für einen Kampf in Europa andere Voraussetzungen
    bieten“ (auch Seite756).
    Großbritannien ist unser Ein und Alles. Das ist der Hauptgedanke der zwei
    abschließenden Kapitel des Buches „Mein Kampf“. Im Buch gibt es 15 Kapitel,
    was bedeutet, dass 1/7 seines literarischen Werkes Hitler ausschließlich dem
    Gedanken widmet, wie toll es wäre, Freundschaft mit Großbritannien zu schließen.
    Das Wohlwollen, der Herrscher der Welt, d.h. der Angelsachsen, bekommt
    man nicht umsonst.
    „Sicherlich sind, wie ich schon im vorhergehenden Kapitel betonte, die
    Schwierigkeiten groß, die einem solchen Bunde entgegenstehen.“(auch 756),
    schreibt der Führer. Außerdem muss er (der Führer, Anm. d. Übers.) noch seinen
    Nutzen, seine Loyalität und sein Führungsqualitäten unter Beweis stellen, damit
    die Führungskräfte des britischen Geheimdienstes, dem bisher unbekannten
    deutschen Politiker vielleicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken.
    Hitler ist bereit, alle zu tun, damit das Bündnis zwischen Großbritannien und
    Deutschland Realität wird.
    42
    „…dass wir unser eigenes Handeln in kluger Selbstüberwindung demgemäß
    bestimmen. Und dies ist eben in dem Augenblick möglich, in welchem man, erfüllt
    von der mahnenden Not, statt der außenpolitischen Ziellosigkeit der letzten
    Jahrzehnte einen einzigen zielbewussten Weg beschreitet und auf diesem
    durchhält.“ ( Seite 757).
    Welcher Weg ist das? Welches Ziel verfolgt Hitler? Ich denke, dass jeder,
    der dieses Kapitel gelesen hat, diese Frage auch beantworten kann. Die Aufrüstung
    und Wiederbewaffnung Deutschlands geschah für den geplanten Überfall auf
    Russland, denn der Einmarsch in ihre grenzenlosen Weiten war das große Ziel des
    Führers der Nationalsozialisten. Das Fundament, d.h. die wichtigste Voraussetzung
    für die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft und der Militärmacht war das
    Bündnis mit Großbritannien.
    Ohne Zweifel lauteten die Fragen des britischen Geheimdienstes:
    Warum sollen wir einen derartigen Patrioten nicht unterstützen? Warum
    sollen wir ihm kein Geld geben? Warum sollen wir einem derartigen Freund von
    Großbritannien nicht helfen, an die Macht zu gelangen?

Im Anschluss eine Rezension zur englischsprachigen Ausgabe von Felix Jaenicke:

January 17, 2026

Who Set Hitler Against Stalin by Nikolai Starikov is a controversial work of non-fiction that I read in the context of a discussion with colleagues at work—circumstances under which I would otherwise rarely choose this type of literature voluntarily. Precisely this context, however, led me to read the book with particular attentiveness and a certain critical distance.

The book explicitly does not aim to be a conventional account of World War II. It avoids military details, battle descriptions, and traditional biographies. Instead, Starikov focuses on broader political, economic, and geopolitical conditions that, in his view, made Hitler’s rise to power—and eventually the war between Nazi Germany and the Soviet Union—possible.

What stands out is the distinctly subjective Russian perspective from which the narrative is constructed. The author challenges what he describes as the dominant Western historical narrative, portraying it as selective or incomplete. Adolf Hitler is not primarily demonized on a moral level; rather, he is presented as a political figure whose ascent and decisions were shaped and enabled by external forces and international interests. This framing is intentional and central to the book’s thesis.

Regardless of whether one agrees with the author’s conclusions, the book is less about providing definitive answers and more about questioning established interpretations. It is clearly aimed at readers who are willing to temporarily set aside familiar historical frameworks and engage with an alternative viewpoint.

From an academic standpoint, the book should be read critically. However, as a stimulus for discussion and as an example of how historical events are interpreted differently across cultures and political traditions, it serves a clear purpose. In that sense, it can be a useful contribution to debates about historiography and collective memory—especially in conversational or professional discussion settings.

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Who Set Hitler Against Stalin von Nikolai Starikov ist ein kontroverses Sachbuch, das ich im Rahmen einer Diskussion mit Arbeitskollegen gelesen habe – eine Situation, außerhalb der ich eher selten freiwillig zu dieser Art von Literatur greife. Gerade dieser Kontext hat jedoch dazu geführt, dass ich das Buch vergleichsweise aufmerksam und mit einer gewissen Distanz gelesen habe.

Das Werk versteht sich ausdrücklich nicht als klassische Darstellung des Zweiten Weltkriegs. Es geht weder um militärische Details noch um Schlachten, Truppenstärken oder Biografien der zentralen Akteure. Stattdessen verfolgt der Autor einen klaren meta-historischen Ansatz: Er stellt die Frage nach den politischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen, die den Aufstieg Hitlers und letztlich den Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion ermöglicht haben sollen.

Auffällig ist dabei die subjektive russische Perspektive, aus der heraus argumentiert wird. Starikov positioniert sich deutlich gegen die gängige westliche Geschichtsschreibung und stellt diese als unvollständig oder bewusst verkürzt dar. Adolf Hitler wird dabei nicht primär moralisch verteufelt, sondern als politisches Werkzeug betrachtet, dessen Aufstieg und Handlungsoptionen erst durch externe Akteure und internationale Interessen ermöglicht worden seien. Diese Herangehensweise ist erklärtes Ziel des Buches und prägt Tonfall und Argumentationsstruktur durchgehend.

Unabhängig davon, ob man den Schlussfolgerungen des Autors folgt oder nicht, ist festzuhalten, dass das Buch weniger Antworten liefern will als vielmehr bestehende Narrative infrage stellt. Es richtet sich klar an Leserinnen und Leser, die bereit sind, etablierte Sichtweisen zumindest temporär auszublenden und sich auf eine alternative Interpretation einzulassen.

Als historische Analyse im akademischen Sinne ist das Buch kritisch zu lesen; als Diskussionsgrundlage und Einblick in eine russisch geprägte Sicht auf die Ereignisse des 20. Jahrhunderts erfüllt es jedoch genau diesen Zweck. Gerade im Rahmen von Gesprächen und Debatten kann es helfen zu verstehen, warum historische Deutungen international so stark divergieren.

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